Zürich

Pfarrer Sieber: «In Zürich darf niemand erfrieren»

Das kälteste Wochenende dieses Winters hielt Pfarrer Sieber und die SIP auf Trab. Sie suchten Obdachlose auf und brachten sie in Notschlafstellen.

Leben auf der Strasse: Auch im Winter übernachten Dutzende Obdachlose im Freien.

Leben auf der Strasse: Auch im Winter übernachten Dutzende Obdachlose im Freien.
Bild: Sandro Campardo/Keystone

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Trotz Minustemperaturen im zweistelligen Bereich wollten auch dieses Wochenende Menschen im Freien übernachten. Anders als in Polen, wo 29 Menschen erfroren, konnten in Zürich dank verschiedener Kältepatrouillen Todesfälle vermieden werden. Für die Mitarbeiter der SIP (Sicherheit Intervention Prävention) war die klirrende Kälte eine grosse Herausforderung. Sie suchten in der Stadt Zürich nach Obdachlosen und stiessen dabei auf drei Personen. Ihnen boten Sie einen warmen Übernachtungsplatz in der Notschlafstelle an: «Die beiden Männer nahmen das Angebot an, die Frau lehnte ab. Wir boten ihr einen Schlafsack an, doch auch diesen schlug sie trotz geleisteter Überzeugungsarbeit aus. In solchen Fällen sind uns die Hände gebunden. Solange eine Person physisch und psychisch in der Lage ist, frei zu entscheiden, müssen wir ihren Willen respektieren», sagt Barbara Strebel, Kommunikationsverantwortliche Soziale Einrichtungen und Betriebe.

«Pfusbus» und Vorzelt voll belegt

Auch bei den Sozialwerken von Pfarrer Ernst Sieber herrschte am Wochenende Hochbetrieb. Die 12 Plätze im «Pfusbus» reichten nicht aus, um allen einen warmen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen. Auch das Vorzelt vor dem «Pfusbus» platzte aus allen Nähten. Über 30 Personen übernachteten dort, auf der Flucht vor den eisigen Temperaturen: «Die Polizei brachte uns am Samstag einen obdachlosen Mann, der beim Hauptbahnhof übernachten wollte. In Zürich darf niemand erfrieren», sagt Pfarrer Ernst Sieber. Er selber macht sich in kalten Winternächten auf die Suche nach bedürftigen Obdachlosen, und dies bereits seit 1948: «Wir haben ein gutes Netz und viel Erfahrung und wissen, wo sich die Verstecke befinden.»

Kritisch wird es nach ein Uhr

Immer wieder dramatische Situationen erlebt auch Mark Wiedmer, Informationsbeauftragter der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Auch er schliesst sich regelmässig der Kältepatrouille an: «Minustemperaturen sind eine Sache auf Leben und Tod. Wenn die Obdachlosen alkohol- oder drogenabhängig sind, haben sie oft Mühe, ihren Körper zu spüren und können in der Kälte ihr Leben verlieren.» Gefährlich werde die Situation jeweils um 1 bis 2 Uhr morgens, wenn keine Trams und Busse mehr fahren und der Hauptbahnhof schliesst: «Das zweite kritische Zeitfenster ist zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Dann fallen die Temperaturen erfahrungsgemäss auf den Tiefstpunkt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2009, 12:53 Uhr

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15 Kommentare

Sibylle Weiss

22.12.2009, 13:35 Uhr
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Habe mich auch schon gefragt,wieso es in der CH UEBERHAUPT Obdachlose gibt??Wie schon geschrieben wurde,sollte so etwas aufgrund des Sozialnetzes eigentlich NICHT passieren.Aber vielleicht passt sich die CH schon rumänischen Verhältnissen an,damit wir in den EU-Club passen.Nur;wenn die CH nichts hat,ist sie auch nicht mehr in der Lage, noch mehr Zuwanderer aufzunehmen! Antworten


Barbara Grunder

22.12.2009, 08:12 Uhr
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Im Moment sind Schulferien = 1-2 etc Turnhallen öffnen, rollende Suppenküche rein, gibts glaub ich beim Militär, Helfer die sich engagieren, gegen Bezahlung natürlich. Organisation bräuchte ca. 24 h und es wäre was getan.Spenden bei den grossen Lebensmittelketten abholen in Naturalien, der ganze Rest den es bräuchte ist sowieso in rauhen Mengen vorhanden.Wäre doch 1 Weihnachtsgeschenk oder nicht? Antworten


Remo Luzio

21.12.2009, 23:40 Uhr
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@K. Schläpfer: Die reiche Schweiz ist nicht Kalkutta und darf sich nicht an deren sozialen Parameter anpassen. SVP ist eben nicht die sozial denkende Schweiz! Sie haben sicher niemals auf Karton übernachten oder ihr Essen aus dem Container bezogen. Heute -18 Celsius..In Kalkutta nette 35 Grad + Wenns nach Ihnen geht, müssten Sie bald Bodygars anheuern müssen.. Antworten


Klär Gantner

21.12.2009, 16:55 Uhr
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Sicher sind wir alle froh, dass der Pfarrer den Obdachlosen einen warmen Ort bietet. Was ich nicht verstehe, jeder in der Schweiz bekommt doch AHV, Rente, Arbeitslosengeld oder am Schluss Sozialhilfe der Gemeinde. Warum gibt es da überhaupt Obdachlose, jedermann hat doch bei uns das Recht auf eine Wohnung und Sozialhilfe. Warum gehen die Leute nicht in ihre Wohnung damit sie nicht kalt haben ? Antworten


Konrad Schläpfer

21.12.2009, 16:39 Uhr
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@Jan Maurer Wissen Sie was Not ist? Wissen Sie was Armut ist ? Waren Sie mal in z.B. Bombay,Kalkutta etc? Antworten


Reto Senn

21.12.2009, 16:24 Uhr
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@K. Schläpfer: Sehrwohl kann man von der Sozialhilfe fallen gelassen werden. Alk-Probl., Drogen und immer einhergehend Depressionen. Wer nicht spurt weil die Kraft nicht mehr da ist, kann von einem Hardliner-Sozialberater gnadenlos fallen gelassen werden. Bis Hilfe anläuft, kann es dann sehr lange dauern. Ganz selten sind die Obdachlosen Anarchisten. Was, wenn Sieber nicht mehr da ist? Guet Nacht. Antworten


Stef Baumann

21.12.2009, 14:54 Uhr
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Jeden Winter die gleiche Leier. "Menschen erfrieren in Zürich!" Man könnte meinen wir leben in New York - und nicht mal dort lässt man die Obdachlosen erfrieren. In Zürich erfriert keiner, verhungert keiner und keiner muss alleine sein, wenn er das nicht will. Zürich ist die Sozialhilfehauptstadt der Welt - wenigstens auf einem Gebiet sind wir "Weltstadt". Antworten


Konrad Schläpfer

21.12.2009, 14:48 Uhr
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Ich möchte die Arbeit von Pfr. Sieber keinesfalls schmälern. Aber Sorry! Wir haben Sozialhilfe,Heilsarmee, Notschlafstellen, Pfarrer Siebers Hilfswerk mit Schlafmöglichkeit etc. Trotzdem liegen die Leute bei dieser Kälte im Freien, und müssen von den Hilfswerken eingesammelt und in die Notschlafstelle gekarrt werden? Die Hilfe liegt auf der Strasse,bücken muss man sich halt selber! Antworten


Willi Meier

21.12.2009, 14:28 Uhr
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Herrn Siebers Engagement in Ehren. Aber in der Schweiz muss niemand erfrieren, auch ohne Herrn Sieber. Dafür ist die Sozialhilfe zuständig, nur gibt es Leute, die diese nicht in Anspruch nehmen wollen. genau wie die Frau, die auch den Schlafsack ausschlägt. Ich staune, dass Siebers Aktionen immer wieder in den Medien behandelt werden. Die einen spenden da, die andern dort... Antworten


Ernst Bolliger

21.12.2009, 14:25 Uhr
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Bei Pfarrer Ernst Sieber ziehe ich den Hut. Was dieser Mann schon alles auf die Beine gestellt hat verdient Hochachtung. Antworten


Felix Müller

21.12.2009, 14:12 Uhr
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Ich danke den Leuten, die sich um diese Randständigen kümmern. Nächstenliebe ist nie was falsches. Es soll aber hier auch nicht vergessen werden, dass die meisten Obdachlosen nicht durch ein Netz gefallen sind, sondern aus welchen Gründen auch immer, sich für diesen Lebensstil entschieden haben. Der Vergleich mit Afrika ist daher nicht angebracht. Antworten


Franz P. Stalozzi

21.12.2009, 13:57 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Da wird ein Medien-Riesenspektakel um "jeder Rappen zählt" gemacht, und die Hilfsbedürftigen in der Schweiz werden einfach vergessen, ...ausser von Pfarrer Sieber. Antworten


Jan Mürner

21.12.2009, 13:49 Uhr
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Danke Herr Sieber dass es sie gibt. Schlimm, dass es in der Schweiz überhaupt Obdachlose, total verarmte, hungernde und frierende Menschen gibt. Traurig, dass man offensichtlich in der Scheiz als Schweizer durch sämtliche Sozialnetze durchfallen kann. Da macht es Sinn für Moskitonetze eine Woche 7.2 Mio. zu sammeln. Das bisschen elend in der CH ist ja nicht so schlimm. Sorry für meinen zynismus. Antworten


Beat Keller

21.12.2009, 13:17 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Genau deshalb geht das Hilfswerk von Pfarrer Sieber bei meinen Spenden seit Jahren nie leer aus. Antworten


Roger Münger-Jänsch

21.12.2009, 13:09 Uhr
Melden 1 Empfehlung

...chapeau und meine Hochachtung für diese Menschen, welche solche aufopfernde Jobs machen während fast alle von uns keine Ahnung haben was Hunger, Kälte und kein Dach über dem Kopf bedeutet. Die Glückskette könnte ja einmal im Jahr für die "Armut Schweiz" sammeln - da gäbe es sicher sehr viele geldreiche Menschen die dann ohne Cüpli etwas Gutes für andere Menschen im eigenen Land tun könnten. Antworten



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