Pfarrer Sieber: «In Zürich darf niemand erfrieren»

Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 21.12.2009 15 Kommentare

Das kälteste Wochenende dieses Winters hielt Pfarrer Sieber und die SIP auf Trab. Sie suchten Obdachlose auf und brachten sie in Notschlafstellen.

Leben auf der Strasse: Auch im Winter übernachten Dutzende Obdachlose im Freien.

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Bild: Sandro Campardo/Keystone

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Trotz Minustemperaturen im zweistelligen Bereich wollten auch dieses Wochenende Menschen im Freien übernachten. Anders als in Polen, wo 29 Menschen erfroren, konnten in Zürich dank verschiedener Kältepatrouillen Todesfälle vermieden werden. Für die Mitarbeiter der SIP (Sicherheit Intervention Prävention) war die klirrende Kälte eine grosse Herausforderung. Sie suchten in der Stadt Zürich nach Obdachlosen und stiessen dabei auf drei Personen. Ihnen boten Sie einen warmen Übernachtungsplatz in der Notschlafstelle an: «Die beiden Männer nahmen das Angebot an, die Frau lehnte ab. Wir boten ihr einen Schlafsack an, doch auch diesen schlug sie trotz geleisteter Überzeugungsarbeit aus. In solchen Fällen sind uns die Hände gebunden. Solange eine Person physisch und psychisch in der Lage ist, frei zu entscheiden, müssen wir ihren Willen respektieren», sagt Barbara Strebel, Kommunikationsverantwortliche Soziale Einrichtungen und Betriebe.

«Pfusbus» und Vorzelt voll belegt

Auch bei den Sozialwerken von Pfarrer Ernst Sieber herrschte am Wochenende Hochbetrieb. Die 12 Plätze im «Pfusbus» reichten nicht aus, um allen einen warmen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen. Auch das Vorzelt vor dem «Pfusbus» platzte aus allen Nähten. Über 30 Personen übernachteten dort, auf der Flucht vor den eisigen Temperaturen: «Die Polizei brachte uns am Samstag einen obdachlosen Mann, der beim Hauptbahnhof übernachten wollte. In Zürich darf niemand erfrieren», sagt Pfarrer Ernst Sieber. Er selber macht sich in kalten Winternächten auf die Suche nach bedürftigen Obdachlosen, und dies bereits seit 1948: «Wir haben ein gutes Netz und viel Erfahrung und wissen, wo sich die Verstecke befinden.»

Kritisch wird es nach ein Uhr

Immer wieder dramatische Situationen erlebt auch Mark Wiedmer, Informationsbeauftragter der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Auch er schliesst sich regelmässig der Kältepatrouille an: «Minustemperaturen sind eine Sache auf Leben und Tod. Wenn die Obdachlosen alkohol- oder drogenabhängig sind, haben sie oft Mühe, ihren Körper zu spüren und können in der Kälte ihr Leben verlieren.» Gefährlich werde die Situation jeweils um 1 bis 2 Uhr morgens, wenn keine Trams und Busse mehr fahren und der Hauptbahnhof schliesst: «Das zweite kritische Zeitfenster ist zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Dann fallen die Temperaturen erfahrungsgemäss auf den Tiefstpunkt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2009, 12:53 Uhr

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15 Kommentare

Jan Mürner

21.12.2009, 13:49 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Danke Herr Sieber dass es sie gibt. Schlimm, dass es in der Schweiz überhaupt Obdachlose, total verarmte, hungernde und frierende Menschen gibt. Traurig, dass man offensichtlich in der Scheiz als Schweizer durch sämtliche Sozialnetze durchfallen kann. Da macht es Sinn für Moskitonetze eine Woche 7.2 Mio. zu sammeln. Das bisschen elend in der CH ist ja nicht so schlimm. Sorry für meinen zynismus. Antworten


Roger Münger-Jänsch

21.12.2009, 13:09 Uhr
Melden 1 Empfehlung

...chapeau und meine Hochachtung für diese Menschen, welche solche aufopfernde Jobs machen während fast alle von uns keine Ahnung haben was Hunger, Kälte und kein Dach über dem Kopf bedeutet. Die Glückskette könnte ja einmal im Jahr für die "Armut Schweiz" sammeln - da gäbe es sicher sehr viele geldreiche Menschen die dann ohne Cüpli etwas Gutes für andere Menschen im eigenen Land tun könnten. Antworten



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