Zürich
Pfarrer aus Thalwil ist neuer Kirchenratspräsident
Aktualisiert am 15.03.2011 2 Kommentare
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Mit 84 von 164 gültigen Stimmen gewählt: Michel Müller. (Bild: Sabina Bobst)
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Als Kirchenratspräsident ist Michel Müller unter anderem zuständig für die Kirchgemeinden und die Pfarrschaft. Auch der Kontakt zur Theologischen Fakultät an der Universität läuft über ihn.
Es gehe ihm vor allem um die Zusammenarbeit der Kirchgemeinden, aber auch der Landeskirchen untereinander, sagte Müller nach der Wahl auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Auch wolle er weiterhin die Ökumene pflegen.
Auf Müllers direkten Konkurrenten Andrea Marco Bianca entfielen 80 Stimmen. Der dritte Bewerber, Christoph Sigrist, war nach dem dritten Wahlgang mit der geringsten Stimmenzahl ausgeschieden. Der vierte, Pfarrer Hans-Peter Geiser, hatte seine Kandidatur am Tag vor der Wahl zurückgezogen. Er war als Unabhängiger und ohne den Hauch einer Chance angetreten.
«Zukunftsorientiert und feinfühlig»
Der 46-jährige Müller war seit 1999 Synodaler und gehört dem Synodalverein an, den er präsidiert. Ein Fraktionssprecher empfahl ihn dem Parlament als «zukunftsorientiert und feinfühlig». Er mache «kleine Schritte, aber er macht sie». Seit 1994 ist er Pfarrer in Thalwil.
Müller tritt die Nachfolge des langjährigen Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich an, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Reich prägte die Kirchenpolitik in den 18 Jahren seiner Amtstätigkeit stark. 2005 wurde er von der Theologischen Fakultät mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet.
Namentlich bei der Neureglung des Verhältnisses von Kirche und Staat spielte Reich eine entscheidende Rolle. Am Dienstag wurde er von der Synode verabschiedet, gleichzeitig mit Regierungsrat Markus Notter (SP), der zu den Regierungsratswahlen von Anfang April nicht mehr antritt. Synodepräsident Peter Würmli erinnerte an das grosse Engagement der beiden Männer.
Reichs grosse Fussstapfen
Als Justiz- und Innendirektor war Notter von Staatsseite her für die Ausarbeitung der Neuregelung des Verhältnisses von Kirche und Staat zuständig und direkter Verhandlungspartner von Reich. Er wünschte Müller, dass dieser «die grossen Fussstapfen, die er antrifft, ausfüllen kann».
Reich sei stets ein konstruktiver und weitblickender Partner gewesen, sagte Notter. Die Verhandlungen mit ihm seien aber auch von Humor geprägt gewesen, und das sei «nicht selbstverständlich im Umgang mit Religionsgemeinschaften». Aus der politischen Zusammenarbeit sei eine tiefe Freundschaft entstanden.
Sichtlich schwach und gebrechlich wurde Reich im Rollstuhl vorsichtig in den Saal geschoben. Nach der Operation eines Tumors in der Halswirbelsäule letzten Sommer ist er teilweise gelähmt.
In einer kurzen, bewegenden Ansprache dankte Reich allen, die mit ihm zusammengearbeitet hatten. Notter sei er vor allem dankbar für dessen Engagement und die «vornehme Art, wie er mit der Thematik umgegangen ist und sich für Lösungen eingesetzt hat».
Der abtretende Kirchenratspräsident, der viele Jahre als Pfarrer tätig gewesen war, schloss mit einem Segensspruch. Er und Notter wurden mit lang anhaltendem stehendem Applaus geehrt. (ep/sda)
Erstellt: 15.03.2011, 14:21 Uhr
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