Polizei beschlagnahmt Abstimmungsmaterial der Gamma-Gegner
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 02.09.2009
Zürcher Bilder nicht brutal genug: Die Gamma-Befürworter werben mit einem Bild aus Belgrad. (Bild: pd)
Artikel zum Thema
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
In einem Monat stimmt Zürich über die Datenbank Gamma ab. In dieser sollen die Personalien von Fussball- und Eishockeyfans landen, die keine Straftat begangen haben, sondern als «Gewalt suchend» eingeschätzt werden. Was das konkret heisst, entscheidet die Polizei im Einzelfall.
«Ein bedauerlicher Fehler»
Bereits am letzten Montagabend hat sie die Namen von zwei GC-Fans notiert, ohne dass sich die beiden etwas zuschulden kommen liessen. Die zwei Anhänger verteilten vor dem Spiel GC - Xamax Flyers gegen die Datenbank. Zudem beschlagnahmte die Polizei das Abstimmungsmaterial. In einer Mitteilung warf das Komitee «Zuschauerfichen-Nein» der Polizei vor, aktiv in den Abstimmungskampf einzugreifen.
Tatsächlich hat die Polizei ein Interesse daran, dass Gamma angenommen wird, würde sie doch die Datenbank betreiben. Den Vorwurf der Einmischung weist sie jedoch zurück. Die Beschlagnahmung des Abstimmungsmaterials habe keinen politischen Hintergrund, sagt Polizeisprecher Michael Wirz. Der betroffene Beamte sei einem Irrtum unterlegen: Er habe geglaubt, Flyers mit politischem Inhalt zu verteilen, sei bewilligungspflichtig. «Ein bedauerlicher Fehler», so Wirz. Das Material könne bei der Stadtpolizei abgeholt werden.
Umstrittene Inseratekampagne
Für das gegnerische Komitee ist diese Erklärung unbefriedigend. «Die Mitarbeiter der Zentralstelle Hooliganismus beweisen, dass sie unsere Gesetze nicht kennen wollen», heisst es in der erwähnten Mitteilung. Tatsächlich bedürfen Flugblätter mit politischem Inhalt keiner besonderen Erlaubnis. Laut Wirz können die Fussballfans an den nächsten Spielen ihre Flyers bedenkenlos verteilen.
Nebst dem Polizeieinsatz sorgen auch die Inseratekampagne von Gamma-Befürwortern und eine anonyme Internetsite für Aufregung im Abstimmungskampf. Die Inserate, die in den letzten Tagen unter anderem im «Tages-Anzeiger» und in der NZZ erschienen waren, zeigen einen Fan, der mit einer brennenden bengalischen Fackel auf eine Person losgeht (siehe Bild). Das gegnerische Komitee wirft den Befürwortern der Datenbank vor, mangels Argumenten die Stimmbürger zu desinformieren. Das Bild zeige eine Gewalttat, wogegen es bei Gamma ausdrücklich nicht um Gewalt gehe. Jedermann könne in der Datenbank landen und brauche dafür keine Straftat zu begehen.
Verantwortlich für die Inserate ist der Verein «Pro Sportstadt Zürich», dem unter anderem der FCZ, GC und der ZSC angeschlossen sind. Ein Vorstandsmitglied des Vereins sagte auf Anfrage, die Datenbank Gamma diene der Prävention, damit man keine solchen Bilder zu sehen bekomme. Daher sei es legitim, damit den Abstimmungskampf zu führen.
Das Vorstandsmitglied will anonym bleiben, weil es sich vor Repressalien von Fussballfans fürchtet. Ebenfalls seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will ein SP-Mitglied, das eine Pro-Gamma-Internetsite mit dem gleichen Bild betreibt. Er habe in den letzten Tagen anonyme Anrufe und Mails erhalten und deshalb seinen Namen von der Website entfernt.
Mangels solch drastischer Bilder in der Schweiz mussten die Gamma-Befürworter nach Belgrad ausweichen. Die Szene zeigt, wie ein Ultra von Roter Stern Belgrad einen zivilen Polizisten attackiert, nachdem dieser einen Warnschuss abgegeben hatte. Der Polizist trug schwere Verletzungen davon, und der Fan wurde mit 10 Jahren Gefängnis bestraft. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2009, 08:56 Uhr



