Polizei filmt am Sihlquai rund um die Uhr Autonummern

24 Stunden am Tag kontrolliert ein Polizeicomputer jedes vorbeifahrende Auto. An den Kragen gehts aber nur Autodieben und Fahrern ohne Versicherung.

Freier werden nicht erfasst: Die Kamera (links oben im Bild) hätte eben einen Alarm ausgelöst, wenn dieses Auto gestohlen wäre.

Google Streetview

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Kasten, der an der Ecke Sihlquai/Fabrikstrasse steht, sieht fast aus wie ein Radarkasten. Er blitzt aber keine Raser, sondern erfasst rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, die Kontrollschilder aller stadteinwärts fahrenden Autos. Die Nummern werden im Polizeicomputer mit der Liste von gesuchten Haltern verglichen.

«Es geht uns um die Ermittlung des Aufenthalts von Haltern ohne Versicherungsschutz und um die Fahndung nach gestohlenen Fahrzeugen und Kontrollschildern», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei. Die Vermutung, die Stadtpolizei würde mit diesem Kasten auch Freier erfassen oder gar eine Freierkartei anfertigen, bezeichnet Cortesi als «Blödsinn». Sämtliche Nummern von nicht gesuchten Haltern würden sofort gelöscht.

Kapo schlägt sofort zu

Auch die Zürcher Kantonspolizei hat ein System zur automatischen Nummernschilderfassung. Dieses Gerät allerdings ist mobil und wird vor allem bei grösseren Kontrollen im ganzen Kanton und oft in Verbindung mit Geschwindigkeitskontrollen eingesetzt. Vorteil dieser Methode: Gesuchte Autos oder Fahrer können gleich angehalten werden.

Der mobile Nummernschildleser der Kantonspolizei wird ein paar Hundert Meter vor der Kontrollzone installiert, damit der Rechner genügend Zeit hat, die Nummern zu bearbeiten, mit dem automatisierten Polizeifahndungssystem Ripol zu vergleichen und einen Alarm auszulösen. «Zwei Sekunden genügen», sagt Polizeisprecher Werner Schaub, «damit wir gesuchte Fahrer oder Fahrzeuge feststellen und herauswinken können.» Auch Schaub betont: «Alle anderen Kontrollschilder werden nicht registriert und sofort gelöscht.»

Einer von Tausend löst Alarm aus

Gemäss dem Stadtzürcher Datenschutzbeauftragten Marcel Studer unterliegt die Nummernerfassung dem Datenschutzrecht. «Wichtig ist, dass nur Nummern weiterbearbeitet werden, die in der Fahndungsdatenbank des Bundes registriert sind», sagt Studer.

Gemäss Cortesi wird – grob geschätzt – bei etwa jedem tausendsten Auto, das am Sihlquai vorbeifährt, ein Alarm ausgelöst. Eine genaue Erfolgsquote ist aus dem Jahr 2003 bekannt, als die Anlage versuchsweise eingeführt wurde. Damals wurden aufgrund der Sihlquai-Kamera 38 Autofahrer verhaftet, weil sie ein Fahrzeug gestohlen hatten oder wegen Raub oder Einbruch gesucht wurden.

Stadt will ein zweites Gerät

Im Gegensatz zu den mobilen Kontrollen der Kantonspolizei kann ein gesuchter Halter am Sihlquai nicht sofort angehalten werden. Wenn das System eine gesuchte Nummer findet, können jedoch per Funk alle Polizeipatrouillen alarmiert werden. Wird ein Fahrzeug ohne Versicherungsschutz gefilmt, ist zumindest der Nachweis erbracht, dass der Halter auch ohne bezahlte Versicherung unterwegs ist. Gemäss Marco Cortesi gibt es bei der Stadtpolizei Pläne für die Anschaffung eines mobilen Nummernüberwachungsgerätes, das am Strassenrand, aber auch auf einem Autodach angebracht werden kann. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 06.09.2010, 08:03 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Prostituierte und Strassenmusiker: Die feinen Unterschiede

Prostituierte dürfen in Zürich den öffentlichen Raum so intensiv nutzen, dass der Strich am Sihlquai unhaltbar geworden ist. Müssten sie die selben Regeln befolgen wie Strassenmusiker, würde es anders aussehen. Mehr...

Die Freier

Für den schnellen und billigen Sex am Sihlquai fahren jeden Abend Dutzende Männer mit ihren Autos im Kreis. Viele sitzen in edlen Karossen oder Familienwagen – und halten sich für Heilsbringer. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Werbung

Blogs

Nachspielzeit Konstruktiv zu vielen Chischten

Outdoor Kann denn Velofahren Sünde sein?

Sponsored Content

Design Sackmesser

Weil Sie sowieso nie wissen, was Sie schenken sollen.

Die Welt in Bildern

Wimmelbild: In Jakarta, Indonesien, protestieren Gewerkschaftsmitglieder gegen eine Steueramnestie für die Regierung. Ein Polizist bahnt sich ein Weg durch die demonstrierende Menschenmasse. (29. September 2016)
(Bild: Darren Whiteside) Mehr...