Putschversuch gegen Urs Egger

Der Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes muss heute Abend um seine Wiederwahl fürchten. Gleich mehrere Vereine wollen den FDP-Gemeinderat und Seefelder Bierbrauer stürzen.

Hat viele Club-Präsidenten gegen sich: Urs Egger (FDP), seit zehn Jahren Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes.

Hat viele Club-Präsidenten gegen sich: Urs Egger (FDP), seit zehn Jahren Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes. Bild: Doris Fanconi

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Zwei Lager gibt es in Fussball-Zürich: Während das eine seit Sonntag den Wintermeistertitel feiert (GC), muss sich das andere auf einen harten Abstiegskampf vorbereiten (FCZ). Zweigeteilt ist auch der Stadtzürcher Fussballverband. Die Affiche hier: Präsident Urs Egger gegen den Rest. Heute Dienstag kommt es zum Showdown an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung.

Für Zündstoff sorgt ein Antrag von Peter Meier, Präsident des FC Schwamendingen. Demnach sollen die Statuten so geändert werden, dass die Wahl des Vorstandes künftig in globo erfolgen kann. Kommt Meier damit durch, steht sein Wunschteam bereits in den Startlöchern. Geführt würde der Verband – und zwar ab sofort – von Tatjana Haenni, Präsidentin der FCZ Frauen und Angestellte bei der Fifa. Neue Kassiererin wäre Nelly Sauter, die neuen Vorstandsmitglieder hiessen neben Peter Meier Piero Bauert (YF Juventus), Marcel Hauri (FC Oerlikon/Polizei), Reini Schorno (FC Altstetten), Niko Schwarzäugl (SV Seebach) und Maurizio Talotti (FC Industrie/Turicum) – alle Präsidenten der jeweiligen Vereine.

Kontakt zur Basis verloren?

Die «Putschisten» sind sich einig: Urs Egger muss gehen, er hat nach zehn Jahren an der Verbandsspitze aber einen sauberen Abgang verdient. Die Kritik der Unzufriedenen ist happig. So wird dem 57-Jährigen, der im Seefeld sein eigenes Bier braut, vorgeworfen, er führe den Verband an der Basis vorbei. «Unter Egger geht entschieden zu wenig», sagt etwa Schwamendingen-Präsident Peter Meier. Bei Problemen habe man nie gewusst, an wen man sich hätte wenden sollen. Und: «Da die jetzigen Vorstandsmitglieder keine Funktionen in den Vereinen ausüben, haben sie keine Ahnung vom Geschehen auf dem Platz.» Deshalb müsse das gesamte Gremium ausgewechselt werden.

Piero Bauert (YF Juventus) möchte, dass sich der Verband neuen Aufgaben widmet, etwa der Geldbeschaffung. Ihm schweben Subventionen für die Clubs vor, wie sie zum Beispiel Opernhaus oder Schauspielhaus von der Stadt bekommen. «Hierfür müsste sich ein künftiger Präsident bei Politikern starkmachen.» Die Gelder benötige man, um auch in Zukunft Kinder und Jugendliche auf hohem Niveau ausbilden und betreuen zu können. Wie hoch dieser Betrag sein soll, kann Bauert nicht sagen.

Kritisiert wird der Präsident auch vom eigenen Vorstand. Thomas Bühn vom SV Höngg sagt: «Mit Urs Egger geht es nicht mehr.» Das Verhältnis sei zerrüttet, und zwar seit ungefähr einem Dreivierteljahr. «Es hat verbale Angriffe auf unterstem Niveau gegeben. Und zu viele inakzeptable Alleingänge.»

Urs Egger, der seit diesem August als Dozent an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen unterrichtet, sieht der Delegiertenversammlung von heute Abend gelassen entgegen: «Ich hänge nicht an diesem Amt. Wenn man mich nicht mehr will, dann gehe ich.» Lieber wäre ihm allerdings eine Übergangsphase, in welcher der Vorstand neu aufgestellt werden könnte. Egger stört sich daran, dass sich die Gruppe um SchwamendingenPräsident Meier nicht an einen Beschluss halten will, der Ende Oktober in einem Workshop gemeinsam gefällt wurde. Darin heisst es laut Protokoll, das dem TA vorliegt: «Der Präsident gehört zur aktuellen Crew bis Sommer 2013.» An der heutigen Delegiertenversammlung hätten laut diesem Papier lediglich drei bis fünf Leute bekannt gegeben werden sollen, die den Vorstand bei der Neuausrichtung hätten unterstützen sollen.

Viel erreicht für den Fussball

«Wir machen uns seit Frühling Gedanken über die Zukunft des Stadtzürcher Fussballverbandes», sagt Urs Egger, «jetzt stehen wir an einem Wendepunkt.» Die Geschäfte des Verbandes hätten unter diesen internen Diskussionen aber nie gelitten, bekräftigt er. «Wir haben uns immer wieder gefunden.»

Falls er bereits heute Abend abdanken müsste, wünscht Urs Egger seiner möglichen Nachfolgerin Tatjana Haenni viel Erfolg. Um diesen Job erfolgreich ausführen zu können, brauche es ein gutes Beziehungsnetz in die Politik. «Man darf den Aufwand auf keinen Fall unterschätzen. Und man muss präsent sein in der Szene.» Er habe im vergangenen Jahrzehnt viel erreicht. So seien etwa die neuen Plätze mit Kunstrasen auf einen seiner Vorstösse im Stadtparlament zurückzuführen. Ebenfalls habe er sich für die Verdoppelung der Jugendsportförderung starkgemacht. Weniger Erfolg brachte Urs Egger die Teilnahme an den Stadtratswahlen 2010, wo er trotz gutem Resultat scheiterte.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 04.12.2012, 07:31 Uhr)

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