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Quer gestellte Zebrastreifen sollen Unfälle verhindern

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 17.12.2011 104 Kommentare

Der Zürcher Architekturprofessor Justus Dahinden propagiert eine neue Art von Zebrastreifen: Markierungen quer zur Strasse, die eine Barrierewirkung für Autos haben.

So müssten Fussgängerstreifen nach Meinung von Justus Dahinden aussehen: Ein quer gestellter Zebrastreifen. (Foto: Sabina Bobst, TA-Bildmontage)

So müssten Fussgängerstreifen nach Meinung von Justus Dahinden aussehen: Ein quer gestellter Zebrastreifen. (Foto: Sabina Bobst, TA-Bildmontage)

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Zürich – 86-jährig ist er, aber noch jeden Morgen um 7 Uhr im Büro – oben in Witikon im «Stierenhaus», das mit glänzenden Kuppeln und Stierköpfen des eben verstorbenen Künstlers Bruno Weber verziert ist. Professor Doktor Justus Dahinden ist eine lebende Legende unter den Schweizer Architekten. Und meldet sich nun in jugendlicher Frische zur aktuellen Diskussion um die Gefährlichkeit heutiger Fussgängerstreifen: «Meine Studenten hatten das schon vor 40 Jahren begriffen, nur ist bis jetzt nichts passiert.»

Dahindens Idee ist einfach, logisch und kostet nicht viel. Für den Professor, der an der Technischen Universität Wien 22 Jahre lang über Raumgestaltung doziert hat, ist klar: «Die heutigen gelben Längsstreifen motivieren Autofahrer zur Bewegung und nicht zum Bremsen.» Genau umgekehrt verhalte es sich für Fussgänger. «Die heutige Längsmarkierung irritiert vor allem Kinder – sie haben die Tendenz zum Hüpfen von Streifen zu Streifen.»

«Im Verkehr läuft viel über Psychologie», erklärt Dahinden. Die heutigen gelben Querstreifen seien für Fussgänger eine «Ansammlung von kleinen Hemmungen». Für Autofahrer hätten sie dagegen Aufforderungscharakter. Ein erster, breiter Querstreifen wäre ein «Signal zum Stoppen».

Nach Ansicht Dahindens müsste dieser erste Querstreifen in Fahrtrichtung mindestens doppelt so breit sein wie die anderen, etwa 1,2 Meter. Grund: Vor allem Kinder tendierten dazu, genau auf dem Streifen zu gehen. Die Breite müsste reichen, damit ein Kind samt Vater oder Mutter Hand in Hand auf dem gelben Streifen gehen kann.

Forderung nach Reflektoren

Klar ist für Dahinden auch, dass der erste Streifen mit fluoreszierendem Material versehen sein müsste, damit man ihn in der Nacht im Scheinwerferlicht von weitem sieht. «Da würde ich wetten, dass es dann weniger Unfälle gibt.» Seine Ideen allerdings hat er bei den zuständigen Stellen noch nie vorgebracht – «dazu hatte ich noch gar nie Zeit».

Dahinden ist einer der erfolgreichsten Schweizer Architekten und in der ganzen Welt mit Preisen und Ehrendoktorwürden ausgezeichnet worden. Seine bekanntesten Schweizer Gebäude sind die Klinik Pyramide am See, das Zelthaus auf der Rigi, das Trigon-Dorf im Doldertal oder der Wohnpark Binzmühle. Zudem hat er etwa 20 Kirchen im In- und Ausland gebaut.

Teilweise zur gleichen Erkenntnis wie Dahinden ist auch der Tüftler Hermann Burger aus Herrliberg gekommen: Es braucht vor Zebrastreifen Reflektoren. Burger hatte balkenartige Katzenaugen aus Swarovski-Glasperlen entwickelt, die er in hochfesten Kunststoff eingoss und vor Zebrastreifen auf den Asphalt klebte. Burger hat 6 Millionen Franken investiert, sein ganzes Vermögen verbraten und sich in fast fanatischer Besessenheit 15 Jahre lang mit der staatlichen Bürokratie, mit Behörden und Verbänden gerieben. Bisher erfolglos, trotz positiver wissenschaftlicher Tests. Nun ist Burger – 74-jährig – frustriert nach Bali ausgewandert. Er sagt aber: «Sollte an meinen Reflektoren doch noch ein Interesse bestehen, bin ich in zwei Tagen aus Bali zurück.»

In der Fachwelt sind sowohl quer gestellte Fussgängerstreifen als auch Reflektoren umstritten. Dominik Bucheli von Fussverkehr Schweiz weist auf einen Nachteil der Querstreifen hin. «Der Autofahrer kann nur von nahem einzelne Streifen wahrnehmen – von weitem wirken sie wegen des flachen Blickwinkels wie ein einziger schmaler Strich.» Quermarkierungen dagegen seien auch von weitem als einzelne Streifen wahrnehmbar. Auch gegenüber Burgers Reflektoren ist er skeptisch: Sie seien in der Masse teuer, und es bestehe die Gefahr, dass sie abbrechen oder verschmutzen. «Wenn nur ein paar wenige defekt sind, führt das bei diesen Streifen zu einer massiv schlechteren Aufmerksamkeit.»

Erste Massnahmen der Politik

Klar ist bloss, dass nach den vielen Unfällen auf Zebrastreifen Bewegung in die Diskussion kommt. Im Wallis hat der Grosse Rat beschlossen, Zebrastreifen an Hauptstrassen mit quadratischen Leuchten auszurüsten. Im Kanton Zürich haben CVP und SP ein Postulat eingereicht, das die Regierung verpflichten will, Fussgängerstreifen «auf den neusten Stand der Technik» zu bringen. Dazu gehören Reflektoren, bessere Sichtbarkeit oder Warteräume für Autofahrer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.12.2011, 08:32 Uhr

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104 Kommentare

Markus Sennheiser

17.12.2011, 09:19 Uhr
Melden 35 Empfehlung

In Dubai sind die meisten fussgängerstreifen auf trottoirhöhe erhöht. Auch an manche orte wo man 70 fahren kann und auch dort wo es ampeln gibt.Am anfang als autofahrer stresst das ständige abbremsen davor und
ist gewöhnungsbedürfig aber nach ein paar wochen hat man sich daran gewöhnt und im nachhinein empfindet es man doch als eine sinnvolle lösung wenn man selber mal die strasse überqueren muss
Antworten


Stefan Werner

17.12.2011, 09:04 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Ich würde behaupten: Ob die Zebrastreifen längs oder quer liegen ist total egal, wenn man sie nicht sieht. Sie sind nicht falsch rum gemalt, sondern zu wenig beleuchtet. Gibt es denn Untersuchungen darüber, wie viele Prozent der Unfälle bei schlechtem und wieviele bei gutem Licht passiert sind? Die wenigsten Autofahrer wollen böswillig Fussgänger überfahren, soviel sollte vorausgesetzt werden. Antworten



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