Raucherkirchen, Smokingklubs – Wie das Verbot zu knacken ist

Mögliche Grauzonen für den «blauen Dunst»: Im Ausland hat man Nischen gefunden, um das Rauchverbot in Restaurants zu umgehen. Was aber passiert in Zürich? Eine Art (verpafftes) Zukunftsszenario.

Gemütlich oder beschaulich öffentlich paffen? Mit etwas Fantasie ist das auch nach dem 1. Januar 2010 möglich.

Gemütlich oder beschaulich öffentlich paffen? Mit etwas Fantasie ist das auch nach dem 1. Januar 2010 möglich. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Rauchen ist Glaubenssache.» Das sagt nicht der heilige Vater Benedikt XVI., sondern der heilige Wirt Co Busch. 45 Jahre lang schmiss er das durchschnittsgemütliche Café Lindenboom in der nordholländischen Stadt Alkmaar. Als am 1. Juli das Rauchverbot in Kraft trat, sah sich Busch zum Handeln veranlasst, denn der Lindenboom ohne Qualm, das ging nicht. Also verwandelte er das Lokal kurzerhand in ein Gotteshaus. Präziser: zu «Gottes einziger und universeller Raucherkirche. Und nun dürfen in seiner geweihten Beiz, deren Stammkundschaft - Pardon: Schar der Gläubigen - seit dem Verbot täglich wächst (erstaunlicherweise auch um eiserne Nichtraucher, die damit gegen «die immer stärkeren Einschränkungen des Bürgers durch den Staat» protestieren), die Glimmstängel wieder so friedlich runterlodern wie die 45 Jahre zuvor. Der Kniff: Da das Grundrecht in Holland die absolute Religionsfreiheit erlaubt, darf man glauben, woran man glauben will - also auch an die in Co Buschs kleinem Paffertempel postulierte «Einigkeit von Rauch, Feuer und Asche».

Bierkneipen werden Smokingklubs

Co Busch ist aber längst nicht der einzige Gastrounternehmer in der EU, der das Rauchverbot auf mehr oder minder «originelle» Weise auszuhebeln versucht. So hat die Engländerin Debbie Trevithick, Besitzerin des Pubs Peruvian Arms (Peruanische Waffen), den peruanischen Botschafter in London angefragt, ob man ihrem Lokal den Status eines peruanischen Konsulats verleihen würde - in diesem dürfte nämlich geraucht werden.

Einen etwas einfacheren Weg haben Wirte im Freistaat Bayern gewählt. Da das Gesetz besagt, dass das Rauchen in geschlossenen Gesellschaften weiterhin erlaubt ist, haben viele von ihnen ihre Bierkneipen in Smokingklubs umgemodelt. Einzige Einschränkung: Wer dort rein will, muss gegen ein kleines Entgelt Mitglied werden. Andere wiederum haben die Beizen in «Vereinslokale» verwandelt, um die rauchenden «Mitglieder» (in Tat und Wahrheit sind es frühere Stammgäste) von frisch aus dem Boden gestampften Institutionen (Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur; Verein zur Pflege amerikanischer und mexikanischer Gastronomiekultur) zu verköstigen.

Landmann hofft auf die Gesetzgebung

Wird man ab dem 1. Januar 2010, wenn in Zürich das Rauchverbot in Restaurants aktiviert wird, ähnliche Szenarien erleben? Valentin Landmann, stadtbekannter Milieuanwalt, toleranter Nichtraucher und ein Spezialist für gesetzliche Grauzonen, hofft auf die Vernunft des Gesetzgebers: «Bei der Ausgestaltung des Rauchverbotartikels gibt es nach wie vor einen gewissen Spielraum. Und ich hoffe, dass dieser so genutzt wird, dass unsere Wirte auf gastronomische Kuriositäten nach ausländischem Vorbild verzichten können.»

Hoffnung ist gut, Weitsicht ist besser. Aus diesem Grund sind wir in die Rolle des Advocatus Diaboli geschlüpft und haben per Brainstorming (notabene eines ohne sinneserweiternde Stimuli) Möglichkeiten zu skizzieren versucht, die, um es mit einem Paradox zu formulieren, dem «blauen Dunst» auch nach dem 1. Januar 2010 das Überleben sichern könnten. Hier die besten (der bitte nicht mit heiligem Ernst zu geniessenden) Ideen:

Das Comeback der illegalen Bars! Velos aus den Kellern räumen, aus Holzlatten eine Theke basteln, einen alten Kühlschrank, einen fetten Ghettoblaster und ein paar Brockilämpli aufstellen, den Rauchmelder zerstören, die Haustür blockieren, ein paar billige Flyer in Umlauf bringen, und schon geht sie los, die Rauchparty. Als besonderen Spass könnte man noch Dartscheiben mit den Antlitzen gewisser Antiraucherlobby-Vertreter (sie möchten hier namentlich lieber nicht genannt sein) an die Wand montieren und diese rege mit Pfeilen bewerfen.

Da die Offroader dank Bastien Girod (Grüne Partei) ja bald zu Schleuderpreisen erhältlich sein werden, postet sich der clevere Wirt ein solches Monstrum und stellt es direkt vor sein Lokal. Das macht a) enormen Eindruck bei Nachbarn und Gästen und b) ermöglicht es seiner Klientel, im je nach Jahreszeit geheizten oder klimatisierten Innern (der laufende Motor wird aus Umweltschutzgründen nach Ablauf einer Stunde für fünf Minuten abgestellt) der Edelkarosse friedlich ein paar Zigis zu paffen. Die Stange darf natürlich mit.

Die SVP mietet den Albisgüetlisaal auf mehrere Jahre hinaus und veranstaltet dort fortan täglich von 9 bis 24 Uhr ihren famosen Puurezmorge. Da es sich dabei mindestens vordergründig um Politveranstaltungen handelt, darf man so viel rauchen, wie man will. Besonders schräg: Gerade ausländische Teenager, bekanntlich die stärksten Pausenplatzraucher, werden zu Stammgästen und füllen der SVP mit ihrer Präsenz die Kriegskasse. Selbstverständlich investiert die SVP das Geld später in Kampagnen, die sich just gegen diese jungen Ausländer richten.

Der Tabakmulti Camel, schon im Unique-Airport mit diversen Raucherkabinen präsent, kauft der Swisscom deren nicht mehr benötigte gläserne Telefonkabinen ab und verwandelt sie in urbane, mit coolem Sound bestückte Smokinglounges für zwei bis drei Personen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2008, 08:21 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Mamablog 20 Spielideen für den Strand

Blog Mag Essen als Kult

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...