«Sie werden nie ‹reines› Schweizerdeutsch sprechen»
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 27.05.2011 53 Kommentare
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«Grüzzi» statt «Grüezi»? Wird es so bald in Zürcher Kindergärten klingen, wenn deutsche Lehrkräfte in Dialekt unterrichten müssen? Und wird damit unsere Mundart gefördert?
Für Christoph Landolt, Redaktor beim «Schweizerischen Idiotikon», ist es «eine Illusion, ein reines Schweizerdeutsch erhalten zu wollen.» Landolt beschäftigt sich hauptberuflich mit dem Sammeln alter Dialekt-Ausdrücke. Er glaubt nicht, dass Deutsch als Unterrichtssprache tatsächlich zu einem Verfall des Dialekts führen würde. Es gebe andere Gründe: «Vor allem in städtischen Agglomerationen passen sich die Dialekte immer mehr einander an und verlieren ihre Eigenheit.» Dies liege daran, dass man Sprache als Kommunikationsmittel brauche: «Wenn jemand einen Begriff nicht versteht, wechselt jeder automatisch zu einem, der verständlich ist.» Auch der deutschen Sprache gegenüber hätten sich unsere Dialekte angenähert: «Noch vor 100 Jahren sagte man in Zürich ‹Chüng›, heute heisst es ‹König›.»
Hirngespinst der Erziehungswissenschaft
Dass die Initiative an dieser Entwicklung etwas ändert, glaubt Landolt nicht. Trotzdem hält er wenig von obligatorischem Hochdeutsch im Kindergarten und bezeichnet es als «ein Hirngespinst der Erziehungswissenschaft, dass man möglichst früh mit Deutsch beginnen soll». Dies hänge nur mit einem Komplex seit der letzten Pisa-Studie zusammen. Dennoch hält er es für unnötig, deutsche Kindergärtnerinnen, welche die Kinder verstehen, in Schweizerdeutschkurse zu schicken. Unterschiede würden den Sprachverstand von Kindern schärfen. Und: «Die Kindergärtnerinnen werden nie ein ‹reines› Schweizerdeutsch sprechen.»
Dem widerspricht Simone Potocki. Sie gibt Mundartkurse für Deutsche bei der Migros-Klubschule: «Es gibt Leute, die wirklich akzentfreies Schweizerdeutsch erlernen können.» Allerdings dauere dies mindestens eineinhalb Jahre, und die Kursteilnehmer müssten viel Mut aufbringen und im Alltag konsequent Mundart sprechen. «Viele denken, sie klingen komisch.» Besonders der Zürcher Dialekt eigne sich. Er habe nur wenige besondere Ausdrücke und sei dem Deutschen sehr nah.
Potocki stellt fest, dass sich viele Deutsche besser integriert fühlen, sobald sie Schweizerdeutsch verstehen: «Die Schweizer werden offener, wenn sie kein Hochdeutsch sprechen müssen.» Trotz ihrer Erfahrungen hält die 36-Jährige jedoch wenig davon, deutsche Kindergärtnerinnen in Mundart-Sprachkurse zu schicken: «Es ist doch gut, wenn unsere Kinder schon mal Hochdeutsch hören. In der Schule müssen sie es ja sowieso lernen.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.05.2011, 11:01 Uhr
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53 Kommentare
Im Vorfeld der Abstimmung habe ich mit Ja-SagerInnen diskutiert. Sie haben ohne jegliches Fachwissen und ohne jegliches Verständnis für Pädagogik aus Protest abgestimmt. Nach meiner Auffassung sollte man ernsthaft überprüfen, ob den InitiantInnen nicht die Kosten für die Umsetzung auferlegt werden soll. Antworten
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