Rita Fuhrers Schicksal wird verfilmt

Das Schweizer Fernsehen dreht einen Film über die erkrankte Zürcher Regierungsrätin. Die ersten Szenen sind bereits im Kasten.

Von der Kamera verfolgt: Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer gestern im Kantonsrat.

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Bild: Sophie Stieger

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Bei allem Respekt für die Macht und den Ruhm der Zürcher Regierungsmitglieder: Ein nationales Thema sind sie selten. Bei Rita Fuhrer ist das anders, sagt Tristan Brenn, der Redaktionsleiter der «Rundschau» im Schweizer Fernsehen: «Sie ist eine nationale Figur.» Und der Schicksalsschlag ihrer Krebserkrankung macht sie noch mehr zum Medienthema. Gestern hat Fernsehredaktorin Vanessa Nikisch die Dreharbeiten für ein Filmporträt der SVP-Politikerin aufgenommen. Nikisch geht der Frage nach, warum Fuhrer trotz Krebsdiagnose weiterregiert. «Warum sagt sie nicht: ‹Ich schaue jetzt zu mir›?», fragt die Filmautorin.

Ja: Warum schaut sie nicht zu sich? Oder zelebriert sie gar ihre Tapferkeit vor dem Schicksal, wenn sie trotz bösartigem Brustkrebs den Rücktritt bis Ende April hinauszögert? Das fragten sich manche, als Fuhrer Mitte Dezember bekannt gab, dass sie Chemotherapien und Bestrahlungen über sich ergehen lassen muss. Im Kantonsrat fällt das Urteil ziemlich eindeutig aus: «Ich hatte zunächst Zweifel, dass es gut für sie ist, wenn sie weitermacht», sagt CVP-Parlamentarier Willy Germann. «Nachträglich muss ich sagen: Es war richtig.» Fuhrer strahle Zuversicht, Kraft und Engagement aus. Germanns SP-Kollegin Erika Ziltener sagt: «Sie hält sich bewundernswert.»

Die Pflegefachfrau und Patienten-Lobbyistin versteht gut, dass Fuhrer nicht gleich zurücktreten, sondern sich den Schritt gut überlegen wollte. Thea Mauchle, auf den Rollstuhl angewiesene SP-Kantonsrätin, sagt, es gebe kein allgemeines Rezept, wie man sich nach einer solchen Diagnose verhalten soll. «Wenn es ihr hilft, dass sie sich im Regierungsamt von der Krankheit ablenken kann – warum nicht?» Als richtig bezeichnet auch die Grüne Esther Guyer, gelernte Pharma-Assistentin, Fuhrers Entscheid. «Es ist in dieser Situation zehnmal besser zu arbeiten, alles andere ist dummes Geschwafel.» FDP-Präsident Beat Walti macht nur eine Einschränkung: «Schade ist, dass Fuhrers gewählter Nachfolger Ernst Stocker jetzt nicht von Anfang an dabei sein kann, wenn die Regierung das neue Sparpaket aufgleist.» Und Fuhrer selber? Sie ist sichtbar dünner geworden, ihr Lächeln nach allen Seiten im Ratssaal scheint eine Spur gezwungener. Zu ihren Geschäften – Schwerverkehr, Arbeitsvermittlungszentren, Autobahneinfahrten – hält sie ihre vorbereiteten Voten gewohnt flüssig und engagiert. Im Gespräch gibt sie zu, dass sie die Grenzen ihrer Energiereserven spüre. «Ich besuche kaum noch Abendveranstaltungen», sagt sie, die früher an so vielen Delegiertenversammlungen und Schützenfesten anzutreffen war wie die sechs anderen Regierungsräte zusammengenommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 11:17 Uhr

9 KOMMENTARE

Urs Dumermuth

09.02.2010, 19:53 Uhr

Nullnummer Lovely Rita im Film, das letzte was mir noch gefehlt hat. Am besten man filmt sie auf ihrem geliebten Flughafen, kniend for der Luftfahrtlobby. Und Ihre "Kolleginnen" Esther Maurer und Dorothee Fierz als Statistinnen. Oscarverdächtig? Nein wohl eher ein B-Movie zum Gähnen. Aber typisch für unser Staatsfernsehen.


robert mueller

09.02.2010, 14:15 Uhr

Es ist unerträglich, wie diese Akteure hochstilisiert werden. Jeder einfache Büezer, welcher schwer erkrankt und deshalb zuhause bleiben muss, kommt sich da als mieser Schwächling vor. Auch Rita Fuhrer würde besser den Job abgeben, als die starke Kämpferin zu markieren. Bestes Beispiel ist Bundesrat Merz, welcher auch nicht aufhören kann trotz schwerem Infarkt. "Starke Menschen"....!!


Herbert Berger

09.02.2010, 12:28 Uhr

Das persönliche Schiksal von Frau Fuhrer in Ehren, aber das ist jetzt schon übertrieben. Viel eher würden mich die vielen Opfer von Frau Fuhrer interessieren, z.B. die verheizten Frepo-Mitarbeiter, die gequälten Flüchtlinge, die Vetterliwirtschaft, die gemobbten Kolleginnen und Kollegen in der Regierung etc. usw. Mitleid mit Frau Fuhrer? Fällt mir schwer. Hatte sie je Mitleid mit anderen? Nein.


Gottfried Hammel

09.02.2010, 12:26 Uhr

Was ihre persönlichen Fähigkeiten nicht möglich gemacht haben schafft nun die Gilde der Filmenden. Der Frau ein Denkmal zu setzen. Sie quasi zur Märtyrerin zu machen. Mir ist es bis heute nicht gelungen irgend eine erfolgreiche Aktion dieser Regierungsrätin auszumachen. Diese Tatsache kann auch kein solcher Film wegschaffen! Ausser allenfalls für ein paar Sentimentale.


Helena Müller

09.02.2010, 12:23 Uhr

Auf solche Denkmale kann ich gut und gerne verzichten. Es gibt ausserdem andere interessante Menschen, deren Schicksal es wert wäre, verfilmt zu werden. Ob ein Film über R.F. dazu beiträgt, dass die Welt sich wandelt, bleibt eh' dahingestellt. Welche Absicht dahintersteht, frage ich mich.


Johann Huber

09.02.2010, 11:11 Uhr

Auf diese Produktion haben wir alle gewartet. Danke, oh Schweizer Fernsehen. Ich weiss, wieso die Billag von mir keinen Rappen kriegt.


Theo Burkhard

09.02.2010, 10:54 Uhr

Bei allem Respekt gegenüber Frau Fuhrers persönlichem Schicksal habe ich Mühe, dass dieser sehr umstrittenen Politikerin ein filmisches Denkmal geschaffen werden soll - finanziert vom Volk (Konzessionsgelder). Warum treten ihre mutmasslichen Sponsoren (u.a. Unique, Gastro Zürich und Schützenvereine) nicht gleich auch als Filmsponsor auf?


Ueli Schmetzer

09.02.2010, 10:14 Uhr

Bei allem Respekt für die Macht und den Ruhm der Zürcher Regierungsmitglieder: Ein nationales Thema sind sie selten. Das ist auch bei Rita Fuhrer nicht anders, und sie ist ganz bestimmt keine nationale Figur, unterlegene Bundesratskandidatin hin oder her.


Ueli Grunder

09.02.2010, 10:10 Uhr

Immer nur lächeln, immer vergnügt, doch wie es in den von ihr geleiteten Direktionen aussah, geht niemandem was an..... Nein, Frau Fuhrer hat sehr viele Köpfe ins Rollen gebracht zu Lasten des Steuerzahlers. Wer hoch fliegt fällt am Ende tief.



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