Zürich
Rohstoffhändler macht Rüschlikon zum Steuerparadies
Von Thomas Zemp. Aktualisiert am 17.11.2011 106 Kommentare
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Während Goldküsten-Gemeinden wie Zollikon und Zumikon ihre Steuern um 6 Prozent erhöhen müssen, kann Rüschlikon am gegenüberliegenden Ufer den Steuerfuss um 7 auf 72 Prozentpunkte senken. Damit wird die Gemeinde 2012 den tiefsten Steuerfuss im Kanton haben. Die Gemeindeversammlung muss der Steuersenkung am 5. Dezember noch zustimmen. Es zweifelt niemand daran, dass sie das tun wird. Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP) ist zuversichtlich, den tiefen Steuerfuss über die nächsten fünf Jahre halten zu können, obwohl einige grosse Investitionen wie Schulhaus- und Sportbauten sowie ein neuer Werkhof anstehen. Die Gemeindekasse sei gut gefüllt.
Ein einziges Unternehmen ist für den Geldsegen verantwortlich: der weltgrösste Rohstoffhändler Glencore. Er hat seinen Geschäftssitz zwar nicht in Rüschlikon und auch nicht im Kanton Zürich, sondern im zugerischen Baar. Aber Firmenchef Ivan Glasenberg und weitere Glencore-Manager leben in Rüschlikon. Und sie liefern dieses Jahr Steuern in einem Umfang ab, den die Gemeinde nie und nimmer voraussehen konnte: Zwischen 50 und 55 Millionen Franken mehr als im Budget 2011 vorgesehen, sagt Elsener. Sie kommen hauptsächlich aus Einkommenssteuern.
5 bis 6 Milliarden Vermögen
Der Börsengang von Glencore am 19. Mai hat den Glencore-Managern Unsummen Geld gebracht. Und Glasenberg gehörte zuvor schon zu den reichsten Männern der Schweiz. Er ist seit zehn Jahren Chef von Glencore. Lange konnte er sich vor der Zeitschrift «Bilanz» verstecken: Erst 2010 nahm das Wirtschaftsblatt Kenntnis vom erfolgreichen Rohstoffhändler und setzte ihn auf seine Reichsten-Liste. Im September schätzte die «Bilanz» Glasenbergs Vermögen auf 5 bis 6 Milliarden Franken. Es hatte sich durch den Börsengang mehr als verdoppelt.
Glencore machte wiederholt Negativschlagzeilen. Vor dem Börsengang kritisierten Schweizer Hilfswerke, dass internationale Bergbaukonzerne für Glencore rohstoffreiche Entwicklungsländer plünderten und schwache staatliche Strukturen rücksichtslos ausnutzten. So habe sich die Glencore-Tochter Katanga Mining im Kongo wertvolle Schürfkonzessionen für wenig Geld gesichert. Es werde gegen Menschenrechte verstossen, internationales Arbeitsrecht missachtet, die Umwelt massiv verschmutzt. Glencore wies die Vorwürfe zurück.
«Was Vasella und Ospel verdienen, ist im Vergleich ein Witz.»
Mit Glasenbergs Einbürgerung in Rüschlikon wurde kürzlich klar: Er ist der Mann, der 2008 Steuererklärungen aus Vorjahren eingereicht hatte mit jährlichen Einkommen von über 100 Millionen Franken. Finanzvorstand Simon Egli (FDP) sagte damals, ohne den Namen Glasenbergs zu nennen: «Was Vasella und Ospel verdienen, ist im Vergleich ein Witz.» Wer hinter den unvorstellbaren Einkommen stand, war ein grosses Rätsel. Diese machten Rüschlikon gleich zur finanzstärksten Gemeinde im Kanton.
Die Wohnsitzwahl von Glasenberg ist nicht erstaunlich: Die Einwohner Rüschlikons sind sehr diskret. Glasenberg kann mit seiner Familie dort wohnen, ohne dass dies jemand gross zur Kenntnis nimmt. Und er hat einen Autobahnanschluss mit bester Verbindung zum Flughafen. Die Stadt Zürich liegt nur wenige Autominuten entfernt.
4 1/2-Zimmer für 4000 Franken und mehr
Die ausserordentlich gute Verkehrsanbindung mit S-Bahn und Buslinie direkt an den Zürcher Bürkliplatz ist für viele Familien ein Grund, nach Rüschlikon zu ziehen. Doch die tiefen Steuern treiben die Boden- und damit Wohnungspreise in die Höhe. Experten schätzen, dass diese mit der neuerlichen Steuersenkung um zehn Prozent steigen werden. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist fast unmöglich. Eine 4 1/2-Zimmer-Wohung kostet schnell 4000 Franken und mehr.
Auffällig sei aber, sagt Elsener, dass in den letzten Jahren vor allem junge, sehr gut gebildete und gut verdienende Familien zugezogen sind. Die Gemeinde hat darum keine Probleme, ihre Schulzimmer zu füllen. Und das obwohl 65 Eltern ihre Kinder in die International School schicken. Weniger gut sieht es bei der Beteiligung am Dorfleben aus. So stellt die Gemeinde mit 5200 Einwohnern nur noch einen einzigen Mann in der Feuerwehr, die sie zusammen mit Kilchberg betreibt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.11.2011, 16:39 Uhr
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106 Kommentare
Jetzt kommen wieder alle Linken und Sozialschmarotzer, welche irgendwie lächerliche 2'000 CHF Steuern bezahlen, sprich unter dem Strich nur profitieren, aber trotzdem die Arroganz und mangelnden Respekt vor Leistung haben und sich über jene Leute beschweren, welche für sie bezahlen. Wer unter CHF 10'000 Steuern bezahlt ist klar ein Profiteur und soll gefälligst dankbar sein... Antworten
Reiche ziehen nicht in Steueroasen, sie zaheln im Vergleich zum Rest exorbitante Steuern, welche allen zugute kommen. Wenn die Steuereinnahmen durch wenige Reiche sehr gut sind, kann eine Gemeinde dies durch entsprechende Steuersenkungen an alle weiterreichen. Schulen und Infrastruktur, Bildung etc profitieren ebenfalls. Dies alles ohne Zwang und Neid einer unfähigen Linksregierung. Antworten
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