SOS am Üetliberg: Über die Tücken des Zürcher Hausbergs

Innert weniger Wochen verirrten sich gleich mehrere Wanderer am Üetliberg und am Albis. Ist die Zürcher Bergkette tatsächlich so schwer zu bezwingen?

Nicht zu unterschätzen: Trotz Beschilderung und dichtem Wegnetz gerieten schon Menschen am Zürcher Hausberg in Bergnot. (Bild: Doris Franconi)

Nicht zu unterschätzen: Trotz Beschilderung und dichtem Wegnetz gerieten schon Menschen am Zürcher Hausberg in Bergnot. (Bild: Doris Franconi)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vergangene Woche verirrte sich eine 87-köpfige Wandergruppe im Sihlwald. Einige der zumeist älteren Wanderer kamen an die Grenzen ihrer Kräfte, waren aber nicht auf Hilfe angewiesen. Wenige Wochen zuvor gerieten drei junge Männer am Üetliberg in Not und mussten von Rettungskräften geborgen werden. Beide Vorfälle ereigneten sich in komplett ausgeschilderten Wäldern mit dichtem Wegnetz. Ist die Zürcher Bergkette trotzdem nicht ganz ohne Tücken?

Ehepaar mit Helikopter geborgen

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Wanderer dort in Bergnot geraten. 2003 musste die Rettungsflugwacht den Autor Charles Lewinsky (Melnitz, Fascht e Familie) und seine Ehefrau mit Helikopter und Seilwinde aus einer ausweglosen Situation befreien. Sie stiegen in die Falletsche, einem Steil abfallenden Geröllhang, und gerieten dort an eine Stelle, in der sie weder auf- noch absteigen konnten.

2005 verliefen sich zwei Studenten aus England und China am Üetliberg – ausgerechnet im Winter. Beim Eindunkeln sassen sie in einem schneebedeckten Abhang fest und mussten mit Seilen und Hacken befreit werden.

Keine weiteren Fälle bekannt

Bei der Kantonspolizei, die für den Sihlwald zuständig ist, sind keine Vorkommnisse dieser Art archiviert. Es sei in den letzten Jahren zwar gelegentlich vorgekommen, dass die Kantonspolizei benachrichtigt worden sein, als Angehörige von Spaziergängern beunruhigt waren, wenn diese nicht rechtzeitig von ihrem Ausflug zurückkehrten. Allerdings waren die Spaziergänger in den meisten Fällen durch eine geistige Behinderung oder Demenz handicapiert. Aber einen Wanderer musste die Kantonspolizei noch keinen aus dem Sihlwald retten.

Auch Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei, hält den Zürcher Hausberg nicht für gefährlich, so lange sich die Wanderer mit gesundem Menschenverstand auf ihren Ausflug begeben. «Die Männer, die Mitte Juni gerettet werden mussten, verliessen die befestigten Wege, kurz bevor es dunkel wurde. Ohne Licht und ohne Kartenmaterial.» Tatsächlich keine besonders günstige Ausgangslage für einen gemütlichen Abendspaziergang.

Selbst bei Regen harmlos

Stadt- und Kantonspolizei haben nur Kenntnis von jenen Fällen, bei denen sie alarmiert werden. Wie häufig ein Wanderer in eine missliche Situation gerät, aus der er sich selbst wieder befreien kann, ist nicht bekannt. Doch selbst der Revierförster Willy Spörri, der regelmässig am Üetliberg unterwegs ist, weiss von keinen weiteren Vorkommnissen. Der Wald sei selbst für Rentner sicher. «Alle Fusswege sind so gut unterhalten, dass man auch bei Regen keine schmutzigen Schuhe bekommt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.08.2008, 10:12 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Mamablog Wegschauen oder eingreifen?

Politblog Was Demokratie kann – und was nicht

Die Welt in Bildern

Lichtermeer: Kinder rennen durch eine Licht-Installation im Zoo von Sydney (21. Mai 2017).
(Bild: Wendell Teodoro) Mehr...