«Salz setzt Tieren und Bäumen zu»

Von Hélène Arnet. Aktualisiert am 13.01.2010

Ruedi Aeschbacher wagte im Winter 1979 den Versuch, die Strassen und Wege in Zürich nur teilweise vom Schnee räumen zu lassen.

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Ruedi Aeschbacher

Der EVP-Politiker war von 1978 bis 1994 Tiefbauvorsteher in Zürich. Einen Namen
machte er sich als «Schwellenruedi». Seit 1999 ist er Nationalrat.

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Was bewog Sie zum Schritt, den Winterdienst zu reduzieren?
Die bisher ausgebrachten Tausende Tonnen Streusalz setzten den Fahrzeugen, den Tieren – zum Beispiel den Hunden – und vor allem den Strassenbäumen arg zu. Und sie belasteten die Gewässer und die Kläranlagen. Auch war für mich nicht einsichtig, warum es in wenig befahrenen Quartierstrassen nicht einmal auch Winter sein durfte.

Wie funktionierte das konkret?
Die städtischen Strassen wurden eingeteilt in solche, die weiterhin schwarzgeräumt und solche, welche neu weissgeräumt werden sollten. Schwarzräumung galt weiterhin auf dem übergeordneten Strassennetz und auf Strassen, auf denen Trams oder Busse verkehrten. In flachen Regionen der Stadt, zum Beispiel in Teilen von Wiedikon, Aussersihl, Altstetten, Seefeld, Schwamendingen und Affoltern, blieben so recht viele Quartierstrassen weiss.

Wie reagierte die Bevölkerung?
Grossmehrheitlich positiv, wenn der Schnee auf Trottoirs und auch auf den Quartierstrassen kalt und griffig blieb. Sogar die Ladenbesitzer fanden es angenehmer, wenn ihre Kunden mit etwas Schnee an den Schuhen in ihre Geschäfte kamen und nicht mit einem schwarzen Salz-Schnee-Matsch-Gemisch. Natürlich gab es auch Lob von ökologischer Seite.

Und doch hiess es nach drei Jahren: Ende der Übung...
...weil bei uns häufig Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen, taut es tagsüber, und in der Nacht bildet sich Eis. Zwar streute das Tiefbauamt jeweils rasch Splitt. Dieser wurde aber durch den Verkehr auf der Strasse weggewischt, oder er versank am Tag im auftauenden Eis. Deshalb mussten die Leute des Tiefbauamts ihre Gebiete viel intensiver beobachten und häufiger ausrücken, um nachzusplitten. Insgesamt zeigten sich so zu viele Nachteile mit dem neuen Konzept. Das veranlasste mich zum Abbruch.

Kam es wegen der nicht gesalzenen Strassen zu mehr Unfällen?
Verkehrsunfälle gab es nicht signifikant häufiger, jedoch stieg die Zahl verunfallter Fussgängern leicht an.

Und so salzte die Stadt Zürich unbeirrt weiter.
Keineswegs! Den Mitarbeitern wurde ein zurückhaltender Umgang mit Streusalz gelehrt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und mit verbesserten Salzstreumaschinen wurden feinere Dosierungen möglich. So brauchten wir nur noch etwa halb so viel Salz wie früher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2010, 04:00 Uhr

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