Zürich

«Schienen für Zürich» scheidet die Geister

Von René Donzé. Aktualisiert am 27.08.2010 12 Kommentare

Die Initiative «Schienen für Zürich» will den oberirdischen Ausbau der Strecke zwischen Zürich und Winterthur beschleunigen. Selbst Bahnfreunde sind sich nicht einig, ob das nötig sei.

Nach dem Bahnhof Effretikon beginnt der zweispurige Engpass in Richtung Winterthur.

Nach dem Bahnhof Effretikon beginnt der zweispurige Engpass in Richtung Winterthur.
Bild: Nicola Pitaro

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FDP gegen kantonale Initiative «Schienen für Zürich»

Die FDP des Kantons Zürich lehnt die VCS- Volksinitiative «Schienen für Zürich» ab. Die Initiative fordert einen Ausbau der SBB-Bahnstrecke Zürich-Winterthur auf durchgehend vier Spuren. Abgestimmt wird am 26. September.

Die Nein-Parole beschlossen die Delegierten an einer ausserordentlichen Versammlung vom Donnerstagabend in Zürich mit 80 Nein- zu 14 Ja-Stimmen, wie David Müller, Geschäftsführer der FDP des Kantons Zürich, auf Anfrage sagte.

Für den Ausbau zwischen Effretikon und Winterthur auf durchgehend vier Spuren fordert die Initiative einen Rahmenkredit von 520 Millionen Franken. Damit soll einer der grössten Engpässe im schweizerischen Schienennetz beseitigt werden.

Der Regierungsrat und die Mehrheit des Kantonsrates lehnen die Initiative ab. Der Ausbau sei Aufgabe des Bundes, argumentieren die Gegner.

Die beiden Ausbauvarianten.

Stichworte

Bisweilen wie Sardinen zusammengepresst bewegen sich täglich 100'000 Bahnpendler zwischen Winterthur und Zürich hin und her. 1990 waren es noch 58'000 Passagiere gewesen. Damals fuhren stündlich 16 Züge auf der Strecke bei Kemptthal, heute sind es 28: S-Bahnen, Schnellzüge und Güterverkehrszüge zwängen sich durch den zweispurigen Engpass im Schweizer Schienennetz. Mehr ist nicht möglich.

Kaum jemand bestreitet, dass dieser Flaschenhals über kurz oder lang beseitigt werden muss. Umstritten ist aber, wie. Braucht es vier oberirdische Spuren oder einen Tunnel? Und wer soll was wann bauen und bezahlen? Der VCS will mit der Initiative «Schienen für Zürich», über die am 26. September abgestimmt wird, den sofortigen Ausbau der Strecke Zürich–Winterthur auf durchgehend vier Geleise. Die Kosten von 520 Millionen Franken würden vom Kanton vorfinanziert und später zumindest teilweise vom Bund zurückerstattet. Der Ausbau soll bis zur Eröffnung der Durchmesserlinie 2015 erfolgt sein.

Bis 2018 Ausbau für 36 Züge

Die SBB und der Zürcher Verkehrsverbund verfolgen eine andere Agenda. Sie planen auf dieser Strecke eine ganze Reihe von punktuellen Verbesserungen. Bis 2018 werden sie rund 530 Millionen Franken investieren. Zwar wird der Engpass zwischen Effretikon und Winterthur nicht beseitigt, dennoch können ab 2018 bis zu 36 Züge pro Stunde dort verkehren. Insgesamt sind 20 S-Bahn- und 10 Fernverkehrszüge pro Stunde vorgesehen.

Geplant sind unter anderem zusätzliche Geleise bei Winterthur, Effretikon und Kloten, neue Spurwechsel, eine Überwerfung, neue Signalanlagen und Anpassungen im Bahnhof Winterthur. Die Projekte laufen unter den Titeln HGV (Anschluss ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz), ZEB (Zukünftige Entwicklung Bahninfrastruktur) und 4. Teilergänzung S-Bahn.

Bund will höhere Kapazität

In fernerer Zukunft will der Bund mit dem Projekt Bahn 2030 die Kapazität auf dieser Strecke nochmals erweitern. Wie das geschehen soll, ist noch offen. Möglich ist ein vierspuriger Ausbau, wie ihn der VCS sofort will, oder ein Tunnel. Dieser Brüttener Tunnel war einst mit Bahn 2000 geplant, dann aber zurückgestellt worden. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) setzt nun in ersten Vorstudien für Bahn 2030 auf den Ausbau der Kapazität entlang der bisherigen Strecke. Dennoch erarbeiten die SBB zurzeit verschiedene Varianten – inklusive Tunnel.

Die Gegner der VCS-Initiative sagen, die Ausbaupläne der SBB bis 2018 genügten vorläufig, um die nötigen Kapazitäten zu schaffen. Würde die Initiative angenommen, müsste der Kanton unnötig viel Geld ausgeben, dessen Rückzahlung ungewiss sei. Zudem würde damit die oberirdische Linienführung zementiert. Und der Bund hätte definitiv keinen Anlass mehr, für Hunderte Millionen einen Brüttener Tunnel zu bauen – die Rede ist von 850 Millionen. Sollte der Bund den Tunnel beerdigen, müsste er selber für den oberirdischen Ausbau aufkommen, so die Gegner. Der Zürcher Regierungsrat und die Mehrheit des Kantonsrates (SVP, FDP, CVP, EVP, Teile der Grünen) lehnen darum die Initiative ab.

Die Befürworter glauben nicht daran, dass der Brüttener Tunnel je realisiert wird. Es lohne sich also nicht, mit dem Ausbau zuzuwarten. Da der Bund ohnehin auf eine oberirdische Lösung setzen werde, solle diese vorangetrieben und vom Kanton vorfinanziert werden. Ein Grossteil des Geldes würde wieder an den Kanton zurückfliessen. Im Kantonsrat setzten sich SP, Grünliberale und ein Teil der Grünen für die Initiative ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2010, 21:38 Uhr

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12 Kommentare

Walter Kuhn

26.08.2010, 12:42 Uhr
Melden

Da gab es einmal 3 Eisenbahnspuren zwischen Winterthur und Kempttal. Beim Bau der Umfahrungsautobahn (dort 6-spurig) wurden sie unwiderruflich auf 2 Gleise reduziert. Das 4-spurige Autobahn-Zwischenstück zwischen Töss und Wülflingen wurde erst nachträglich dermassen mit Beton-Lärmschutz zugemauert, dass es auch nicht mehr erweitert werden kann.Wer ist für diese Schildbürgerstreiche verantwortlich? Antworten


Hans Saurenmann

26.08.2010, 08:45 Uhr
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Der Bruettener Tunnel ist die beste Loesung mit der Begradigung der HB-Kloten-Winterthur Linie. Die Kapitalkosten sind klein (Zinsen) und werden bis ca. 2015 anhalten, so scheint es! Im groesseren Verbund sollten wir Neu wieder die Variante Swiss Metro bearbeiten, jetzt oder nie. Moeglicherweise koennte ein direkter Durchstich vom HB unter dem Zoo, Duebendorf ins Auge gefasst werden nach St Gallen Antworten



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