Zürich
Schläger von München waren praktisch nüchtern
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 24.02.2010
Benji, Ivan und Mike (von links): Keinen bis wenig Alkohol getrunken.
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Vom 8. März bis 7. April stehen drei Schüler der Weiterbildungs- und Berufsschule Küsnacht wegen versuchten Mordes vor dem Oberlandesgericht München. Das Trio hatte im vergangenen Juni in der bayrischen Metropole gewütet und innert weniger Minuten fünf Männer, darunter einen körperlich Behinderten, angegriffen und verletzt.
Die brutalen Taten der beiden Schweizer und des Slowenen aus dem Kanton Zürich riefen schweiz- und deutschlandweit Empörung hervor. Diffus blieben die Motive für die rohe Gewalt ohne Vorwarnung. Die bislang unbekannte Anklageschrift, die dem TA vorliegt, zeigt, wie die damals 16-Jährigen ihre Taten gegenüber den Ermittlern begründeten.
Bluttest zeigt ein anderes Bild
Mike aus Uetikon am See, den der Münchner Staatsanwalt als Initianten der Attacken darstellt, rechtfertigte sich kurz nach seiner Verhaftung, er habe «doch nur ein paar Mal auf einen Mann» eingetreten. Dabei habe er aus Langeweile gehandelt und aus Frust, weil er an jenem Abend sein Portemonnaie verloren habe. Zudem sei er alkoholisiert gewesen.
Ein Bluttest ergab bei Mike einen Alkoholwert von 0,89 Promille, bei den mutmasslichen Mittätern Benji und Ivan 0,01 bzw. 0,67 Promille. Somit stimmen die Darstellungen aus den Tagen nach den Taten nicht, die Schüler seien stark alkoholisiert gewesen.
Attacken «aus Spass»
In weiteren Verhören verweigerte Mike die Aussage. Benji aus Ebmatingen gab an, es sei darum gegangen, «ein wenig Spass zu haben». Spass sei der «eigentliche Grund» für die Taten gewesen. Beim Zuschlagen habe er einen Adrenalinschub gehabt und ein Machtgefühl verspürt. «Als die ersten Leute im Park verprügelt worden seien», so wird Benjis Aussage von Staatsanwalt zusammengefasst, «habe er sich sehr aufgedreht gefühlt und sei voller Tatendrang gewesen.» Es sei ihm «klar gewesen», dass sie nach der ersten Attacke «noch andere Leute angreifen würden».
Ivan aus Stäfa gab gegenüber den Ermittlern an, er habe zugeschlagen, weil er nicht als «Kollegenschwein» habe dastehen wollen. Er habe einfach seinen Freunden «helfen» wollen. Den Kopf des behinderten Opfers habe er «wie einen Fussball» getroffen. Ihm sei bewusst gewesen, dass «so einer» auch sterben könne. Die Angriffe mit schweren Verletzungen seien eine «Dummheit» gewesen. In Briefen aus dem Gefängnis bedauern die drei die Taten und sich. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.02.2010, 14:20 Uhr
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