Schulen bitten Eltern zur Kasse
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 12.01.2010 29 Kommentare
Schulpräsident Johannes Zollinger: «Elternabende wurden in Wädenswil noch nie obligatorisch erklärt.»
Corinne Thomet, Schulpräsidentin in Kloten: «Wir verlangen, dass alle Eltern informiert sind über Gewaltprävention.»
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Die CVP-Stadträtin Corinne Thomet ist Schulpräsidentin mit Haut und Haar. Sie führt die Klotener Schulen mit Überzeugung und kennt kein Pardon, wenn dort Regeln verletzt werden. Das gilt auch für die Eltern. Im letzten Sommer zum Beispiel haben 18 Elternpaare eine happige Busse bekommen, weil sie nicht am obligatorischen Elternabend zum Thema Gewaltprävention teilgenommen haben. «Wir verlangen, dass alle Eltern über dieses wichtige Thema informiert sind», sagt Corinne Thomet. Der Abend wird seit 2003 jährlich zusammen mit dem Jugenddienst der Kantonspolizei durchgeführt, nachdem es in Kloten zu mehreren massiven Gewaltvorfällen gekommen war. Es sind jeweils die Eltern aller Fünftklässler ins Zentrum Schluefweg eingeladen. Anfangs war der Abend nur mässig besucht, wie sich Thomet erinnert. Doch seit das neue Volksschulgesetz in Kraft ist, kann sie den Abend obligatorisch erklären und die Abwesenden büssen lassen.
Die Eltern einzeln gebüsst
Ausgesprochen werden die Bussen vom Statthalter in Bülach, Hanspeter Frei (SVP). Er bestätigt, dass er die Elternpaare aus Kloten gebüsst hat und zwar Vater und Mutter einzeln, wenn sie die Erziehungsverantwortung gemeinsam tragen. Die Busse betrug je 250 bis 300 Franken pro Elternteil.
Ganz einfach ist es allerdings nicht, Eltern wegen eines verpassten Elternabends zu bestrafen. Bevor sie gebüsst würden, müsse ihnen eine zweite Chance eingeräumt werden, sagt Frei. Die Einladung muss ein zweites Mal eingeschrieben zugestellt werden, und natürlich muss der Elternabend wiederholt werden. All das hat die Klotener Schulpräsidentin getan. Seit sie die säumigen Eltern büssen könne, sei die Beteiligung «sehr, sehr gut», sagt Thomet. Ebenfalls obligatorisch für die Eltern ist in Kloten ein Berufswahlabend in der Sekundarschule. Dort stellt sich jeweils das örtliche Gewerbe den Lehrstellensuchenden vor. Reklamationen von gebüssten Eltern hat Thomet bisher kaum bekommen.
Gegen «verlängerte Ferien»
Das Statthalteramt Bülach hat im letzten Jahr 76 Bussen an nachlässige Eltern verteilt. Die meisten allerdings wegen eines anderen weit verbreiteten Vergehens: der unbewilligten Ferienverlängerung. Auch diese Bussgelder werden im Bezirk Bülach jeweils für beide Elternteile fällig und bewegen sich laut Frei in der Höhe von einigen hundert Franken plus Schreibgebühren.
Gebüsst werden Eltern längst nicht überall. In der Primarschule Wädenswil etwa wird darauf verzichtet, wie Schulpräsident Johannes Zollinger (EVP) erklärt: «Wir sind bisher kulant gewesen.» Auch wenn die Kinder nicht zur Zeit aus den Ferien nach Hause kommen, gibts in Wädenswil keine Busse. Kinder würden mehr darunter leiden, wenn die Eltern gar nichts mit ihnen unternähmen, als wenn sie ein paar Tage zu spät aus den Ferien zurückkehrten, sagt Zollinger. Zudem seien nachlässige Eltern oft vom Sozialamt abhängig, und da werde die Busse dann sowieso aus der Gemeindekasse bezahlt. Elternabende sind laut Zollinger in Wädenswil noch nie obligatorisch erklärt worden. Der Schulpräsident räumt allerdings ein, dass in der Sekundarschule ein etwas härterer Führungsstil nötig sein könne.
Der Horgner Statthalter, Armin Steinmann (SVP), hat mit Elternbussen viel weniger zu tun als sein Kollege in Bülach. 2009 hatte er etwa «drei oder vier Fälle». Meist ging es um Ferienverlängerungen. Die Bussenhöhe betrug im Bezirk Horgen zwischen 300 und 1200 Franken, je nachdem wie lange die Kinder in der Schule unentschuldigt gefehlt hatten. Allerdings geht die Busse im Bezirk Horgen nicht an Vater und Mutter, sondern an beide zusammen. Auch in der Stadt Zürich werden Eltern kaum gebüsst. Statthalter Hartmuth Attenhofer (SP) verhängte 2009 fünf Bussen wegen «verlängerter Ferien».
Erziehungskurse als Pflicht?
Corinne Thomet bedauert, dass die Schulbehörden so zurückhaltend sind. Doch noch wichtiger als die Möglichkeit zu büssen wäre für sie, dass sie Eltern in Erziehungskurse schicken könnte. Sie hat beobachtet, dass viele Kinder in der Schule ihr Leistungspotenzial nicht ausschöpfen können, weil ihnen die Erziehung und die Betreuung der Eltern fehlen. In den nächsten Monaten wird der Regierungsrat eine Gesetzesänderung in die Vernehmlassung geben. Sie soll Behörden ermächtigen, Eltern zu solchen Kursen zu verpflichten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.01.2010, 04:00 Uhr
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29 Kommentare
liebe frau thomet, mit bussen erreichen sie nicht unbedingt etwas positives... ist ihnen schon mal in den sinn gekommen, dass man nicht einfach an einen elternabend gehen kann ohne zum teil handstände betreffend der kinderbetreuung zu unternehmen? ok, man kann das kind vor den tv setzen und die eltern können an die veranstaltung gehen.. super oder... ein bisschen weniger staat wäre sicher gut !!! Antworten
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