Zürich
Schweinegrippe: «Bei Kindern ist es unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern»
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 31.07.2009
«Man müsste die Kinder praktisch einsperren, um eine Ansteckung zu verhindern»: Dr. Felix Dinkelmann, Leiter Schulärztlicher Dienst des Kantons Zürich.
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Die Schweinegrippe breitet sich rasend schnell aus. Was plant der Kanton Zürich zum Schutz der Kinder?
Derzeit werden mehrere Merkblätter vorbereitet mit verbindlichen Richtlinien für Kindergärten, Horte und alle Schulstufen. Bis Ende nächster Woche werden die Dokumente bei allen privaten und öffentlichen Institutionen im Kanton eingehen. Sie erklären das konkrete Verhalten im Krankheitsfall – speziell auch für Angestellte. Der Grundtenor ist: Wer Krankheitssymptome hat, muss daheim bleiben oder soll sofort nach Hause geschickt werden.
Sehen die Schweinegrippesymptome bei Kindern anders aus als bei Erwachsenen?
Sie sind mehrheitlich dieselben: Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost, Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen, Husten, Halsweh, Schnupfen. Bei Kindern kann allerdings noch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall dazukommen.
Wann müssen Horte, Krippen und Schulen geschlossen werden?
Medizinische Gründe stehen bei einer Schliessung nicht im Vordergrund, sondern organisatorische. Das Problem wird eher darin liegen, dass Arbeitskräfte ausfallen. Wenn eine bestimmte Personalzahl unterschritten wird, muss ein Betrieb geschlossen werden.
Was kann man tun, um ein Kind vor einer Ansteckung zu schützen?
Die wichtigsten Träger von Influenza-Viren sind Kinder. Sie scheiden mehr Viren aus und sind selbst länger ansteckend. Mit den üblichen Hygienemassnahmen – regelmässiges Händewaschen, wenig Körperkontakt – kann man die Gefahr einer Ansteckung einschränken.
Verhindern kann man die Ansteckung nicht?
Man müsste die Kinder praktisch einsperren und auch die Erwachsenen müssten zu Hause bleiben. Den Kindern den Körperkontakt zu verbieten, ist praktisch unmöglich, weil er für sie elementar ist. Daher ist es bei kleinen Kindern unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern.
Kann eine Ansteckung mit der Schweinegrippe für Kinder tödlich enden?
Ja, vor allem Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren gelten als Risikogruppe. Gefährlich ist nicht die Grippe selbst, sondern Komplikationen wie beispielsweise eine Lungenentzündung.
Wie kann man Babys schützen?
So lange sie zu Hause sind, ist ein Schutz möglich. Die Eltern müssen besonders auf Hygiene achten – beim Schoppen oder Brei geben und beim Wickeln. Wenn die Hände gut und richtig gewaschen werden, reicht Seife, und es braucht keine Desinfektionsmittel. Auch die Handtücher müssen regelmässig gewaschen werden.
Muss man jetzt schon damit anfangen, diese Massnahmen umzusetzen?
Es wäre sicher besser, wenn man sich jetzt schon daran gewöhnt, regelmässig die Hände zu waschen. So minimiert man das Risiko, wenn die Pandemie ausbricht. Und ganz abgesehen davon, ist Händewaschen sowieso die beste Methode gegen Viren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.07.2009, 13:25 Uhr
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