Schweizerin gibt tödliche Schüsse von Affoltern zu

Bei einem Beziehungsdrama ist am Samstag ein Brasilianer erschossen worden. Eine 31-jährige Frau gestand die Tat.

Polizeiwagen vor dem Tatort: Das Drama ereignete sich am Samstagabend auf dem Cece-Areal in Affoltern.

Polizeiwagen vor dem Tatort: Das Drama ereignete sich am Samstagabend auf dem Cece-Areal in Affoltern. Bild: Markus Heinzer (Newspictures.ch)

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Die tödlichen Schüsse fielen am frühen Samstagabend um 18.25 Uhr in einer Wohnung auf dem Cece-Areal an der Wehntalerstrasse in Affoltern. Wie die Stadtpolizei am Sonntag mitteilte, kam es zwischen einer 31-jährigen Schweizerin und einem 34-jährigen Brasilianer zu einem heftigen Streit, der eskalierte. Daraufhin erschoss die Frau den Mann. Dieser verstarb trotz sofortiger Reanimation noch vor Ort.

Die Stadtpolizei konnte die Tatverdächtige verhaften. Frau ist geständig, «mehrere Schüsse» auf den Mann abgegeben zu haben. Dies sagte der zuständige Staatsanwalt Matthias Stammbach am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Aus ermittlungstaktischen Gründen gab er keine weiteren Auskünfte.

Er habe beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Untersuchungshaft gestellt, sagte Staatsanwalt Matthias Stammbach. Er erwarte, dass noch am Montag entschieden werde. Aus ermittlungstaktischen Gründen gab Stammbach keine weiteren Auskünfte. Über das Motiv der tödlichen Schiesserei gibt sich die Polizei bedeckt. Die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte klären den genauen Tathergang und das Motiv der Auseinandersetzung ab.

Viele Frauenbekanntschaften

Es deutet aber einiges darauf hin, dass Eifersucht das Tatmotiv gewesen sein könnte. Dies sagt ein Kollege, der den Brasilianer seit Jahren kannte. Das Opfer hatte immer wieder Affären mit Frauen gehabt. Laut Nachbarn war es ein Kommen und Gehen. Der Erschossene ist Vater eines zweijährigen Sohnes aus einer früheren Beziehung. Der gut aussehende, muskulöse Brasilianer wird einerseits als ruhig und freundlich beschrieben, andererseits sei es in den Beziehungen immer wieder zu Streitereien gekommen. Die Polizei habe mehrmals intervenieren müssen. Die Kerben in den Wänden und die Schläge an den Türen in der Wohnung, welche die Hauswartin feststellen konnte, deuten ebenfalls auf Wutausbrüche des Mannes hin.

Das Opfer arbeitete bis vor knapp einem Jahr als Angestellter bei einer Zürcher Sicherheitsfirma, unter anderem als Türsteher in Clubs. Danach war er als Security in einem ausserkantonalen Casino beschäftigt. Er lebte seit längerem in der Schweiz und sprach gut Deutsch. In der Freizeit betrieb der 190 Zentimeter grosse und 130 Kilogramm schwere Mann Kampfsport auf höchstem Niveau. Er trat unter dem Spitznamen «Godzilla» auf. Seine Sportart war Mixed Martial Arts («Gemischte Kampfkünste»). Dies ist eine extreme Form des Vollkontaktkampfsports, die Elemente aus dem Boxen, Ringen, Judo, Taekwondo, Kickboxen, Karate und Jiu-Jitsu kombiniert.

Vor einigen Jahren hatte er die heute 41-jährige Schweizer Kampfsportlerin und einzige Berufsboxerin Jacqueline «Jay» Fuchs trainiert. Auf Facebook postete sie nach seinem Tod folgenden Eintrag: «Luis wir denken alle an dich. Du warst ein verrückter und grossartiger Fighter, wo auch immer du jetzt bist. Danke für die schöne Zeit. Du hast mich immer zum Schwitzen und Lachen gebracht, nie werde ich dich vergessen.» «Godzilla» ist mit mehreren Schüssen getötet worden. Ein Nachbar hörte vier Schüsse und sah, wie eine Frau aus der Wohnung rannte. Als der Nachbar in der Wohnung des Brasilianers Nachschau hielt, entdeckte er den Schwerverletzten nackt auf dem Boden. Sein Körper wies drei Einschüsse auf, darunter einen im Brustkorb. Der Nachbar alarmierte die Polizei, die kurze Zeit später die Frau bei ihrem Auto an der nahen Blumenfeldstrasse verhaften konnte.

Mit der eigenen Waffe getötet?

Die 31-Jährige liess sich widerstandslos festnehmen, wie Zeugen beobachtet haben. Sie hatte einen silberfarbenen Kleinwagen mit Thurgauer Nummerschildern. Dieser wurde von der Polizei abgeschleppt, ebenso der schwarze Audi des Opfers. Das Paar soll seit einem halben Jahr zusammen gewesen sein. Die Frau wohnte nicht bei ihrem Freund, hielt sich aber häufig in seiner Wohnung auf.

Die Herkunft und Art der Waffe ist nicht bekannt. Es könnte sein, dass das Opfer als Sicherheitsangestellter eine Waffe besass. Am späten Samstagabend durchsuchte eine Polizistin mit einem Diensthund die Umgebung der CeceWohnsiedlung. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.11.2012, 07:38 Uhr)

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