Sechs Jahre Haft für Zürcher Sterbehelfer beantragt

Der Zürcher Sterbehelfer Peter Baumann steht seit Mittwochmorgen vor dem Basler Appellationsgericht. Die Staatsanwaltschaft fodert eine sechsjährige Freiheitsstrafe.

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Der 73-jährige pensionierte Psychiater Peter Baumann war 2007 vom Basler Strafgericht der fahrlässigen Tötung sowie der Beihilfe zum Selbstmord schuldig gesprochen worden. Er wurde zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Anklage und Verteidigung zogen das Urteil jedoch weiter.

Baumann hatte 2001 in Basel einen 46-jährigen Mann und 2002 eine 60-jährige Frau in den Tod begleitet. Der Mann hatte seit langem an einer Zwangskrankheit und an Depressionen gelitten, die Frau war halbseitig gelähmt. Vor dem Appellationsgericht strittig war, ob im ersten Fall der Sterbewillige urteilsfähig gewesen war oder nicht.

Widersprüchliche Gutachten

Gutachter der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung widersprachen sich. Aus Sicht des Staatsanwalts war der Mann am Todestag wegen seiner Krankheit nicht urteilsfähig. Schon das Strafgericht hatte Baumann in diesem Punkt ungenügende Abklärungen und damit eine Verletzung seiner ärztlichen Sorgfaltspflicht vorgehalten.

Während das Strafgericht zu einem Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung kam, verlangte der Staatsanwalt eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Dem widersprach der Verteidiger, der das nach dem Tod des Mannes erstellte Gutachten der Anklage als ungenügend abgestützt rügte.

Fall im Fernsehen ausgestrahlt

Der Sterbewillige sei urteilsfähig gewesen, und Baumann sei daher freizusprechen, forderte der Verteidiger. Dasselbe verlangte er auch im zweiten Fall der sterbewilligen Frau, für den die Vorinstanz Baumann der Beihilfe zum Suizid verurteilt hatte. Der Fall war vom Schweizer Fernsehen DRS dokumentiert worden.

Wegen dieses Medienberichts dürfe Baumann aber nicht Geltungsdrang und damit ein selbstsüchtiges Motiv vorgeworfen werden, sagte der Verteidiger. Vielmehr habe er die Debatte über Sterbehilfe vorantreiben wollen. Beihilfe zum Suizid ist in der Schweiz nur strafbar, wenn ein selbstsüchtiges Motiv vorliegt. Das Urteil wird nach 17 Uhr verkündet. Update folgt... (ep/sda)

Erstellt: 01.10.2008, 14:29 Uhr

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