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«Sie warfen geöffnete Sackmesser»

Interview: Felix Schindler. Aktualisiert am 21.09.2011 43 Kommentare

Bei den Krawallen am Central und Bellevue stand Zugführer Daniel Seiler von der Stadtpolizei Zürich im Einsatz. Im Interview sagt er, wie er seine Arbeit erlebte und was er einen Chaoten fragen würde.

Rohe Gewalt gegen Beamte bei den Krawallen am Wochenende: «Wir sind ständig einem hohen Mass an Respektlosigkeit ausgesetzt.»

Rohe Gewalt gegen Beamte bei den Krawallen am Wochenende: «Wir sind ständig einem hohen Mass an Respektlosigkeit ausgesetzt.»
Bild: Johannes Dietschi, newspictures

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Daniel Seiler, als Einsatzleiter der Stadtpolizei standen Sie am vergangenen Samstagabend im Dienst, als ein wütender Mob den Konflikt mit der Polizei suchte. Wie gefährlich war dieser Einsatz?
Grundsätzlich muss man jeden Einsatz dieser Art als gefährlich anschauen. Bei den Krawallen am Bellevue und am Central galt das ganz besonders. Immerhin flogen kiloschwere Steine auf uns zu. Die Leute warfen Eisenstangen und am Schluss sogar geöffnete Taschenmesser.

Am Central haben Chaoten Steine und Bauabschrankungen hinabgeworfen. Haben Sie Angst in einer solchen Situation?
Angst nicht, aber respektvoll ist man schon. Wenn man sieht, dass Steine auf einen zu fliegen, steigt die Konzentration, man geht aus dem Schussfeld und versucht die Kollegen zu schützen. Aber man kann auch nicht einfach dastehen und abwarten, sondern von unseren Einsatzmittel gebrauch machen.

Besteht in solchen Momenten nicht einfach die Gefahr, dass Ihre Emotionen die Kontrolle übernehmen?
Es ist klar, dass in gefährlichen Situationen auch der Adrenalinspiegel steigt. Doch es ist wichtig, immer einen klaren Kopf zu behalten. Je konzentrierter man ist, desto besser kommt es heraus. Aber letztlich ist auch klar, hinter jedem Polizisten steckt auch ein Mensch.

Die Chaoten sehen nur die Polizisten, die einen Apparat repräsentieren, den sie ablehnen.
Das spüren wir täglich. Wir sind ständig einem hohen Mass an Respektlosigkeit ausgesetzt. Man muss lernen, damit umzugehen.

Bei den Bellevue-Krawallen wurden mehrere Polizisten verletzt, waren sie als Einsatzleiter nicht bis zu einem gewissen Grad für ihre Sicherheit verantwortlich?
Nein, das sehe ich nicht so. Die Situation am Bellevue war plötzlich extrem unberechenbar. Anfangs gab es keinen Anlass für uns, zu agieren. Wir haben nicht mal einen Helm getragen. Von einem Moment auf den anderen griff man uns von vorne und von hinten an. Dafür kann ich nicht die Verantwortung übernehmen.

Wie viel erzählen Sie Ihrer Familie von einem solchen Einsatz?
Wenn die Medien über die Einsätze berichten, kann ich nicht verhindern, dass die Familie etwas mitkriegt. Ausserdem ist man auch selbst aufgewühlt, das merken die Angehörigen auch. Ich sage, dass ich am Einsatz beteiligt war, vielleicht auch, dass es gefährlich war. Ansonsten beschränke ich mich auf das Minimum.

Wie reagierte ihre Frau am Sonntagmorgen?
Kopfschütteln, Unverständnis. Unverständnis für die Gewalt von jungen Leuten gegen Polizisten und gegen Sachen.

Bei der ersten Demo am Bellevue reklamierte die Jugend Freiräume für sich. Setzen Sie sich als Polizist mit diesen Anliegen auseinander? Haben Sie Verständnis dafür?
Als Mensch und Vater von zwei Teenagern stelle ich ein grosses Fragezeichen hinter die Art und Weise, mit der die Jugendlichen ihre Freiräume zu erzwingen versuchen. Die Gesellschaft bietet so viel, dass ich mich ernsthaft frage, was sie wirklich wollen. Die Polizei wird oft als Aggressor angesehen, auch jetzt glauben viele, die Polizei habe an den Bellevue-Krawallen zusätzliche Gewalt erzeugt.

Wie gehen Sie damit um?
Das ist Sache der Politik. Als Polizist äussere ich mich nicht dazu.

Wenn Sie sich mit einem der Chaoten in einem ruhigen Moment unterhalten könnten, was würden Sie ihm sagen?
Ich würde von ihm wissen wollen, ob er einen Job hat. Und ich würde ihm sagen, er solle sich für die Gesellschaft engagieren und nicht dagegen.

Sie verwenden oft die dritte Person, wenn sie über diese Ereignisse sprechen. Unterstützt das die Verarbeitung?
Während den Einsätzen waren viele Polizisten im Einsatz, welche mir zum Teil unterstellt waren. Trotzdem funktionieren wir nur als Team und jeder ist auf den anderen angewiesen und bestrebt, dass jeder wieder gesund nach Hause kommt. Darum spreche ich für alle im Dienst gestandenen Kollegen und nicht nur von mir. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.09.2011, 12:22 Uhr

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43 Kommentare

Patrick Meier

20.09.2011, 12:51 Uhr
Melden 157 Empfehlung

Besten Dank, Herr Seiler, an Sie und Ihre Kollegen für den Einsatz den Sie tagtäglich in der Stadt leisten. Antworten


Peter Birri

20.09.2011, 12:53 Uhr
Melden 137 Empfehlung

Mein Respekt und Anerkennung für Daniel Seiler und alle seine Kollegen, die Dienst in solchen Einsätzen machen. Antworten



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