Skandaltrakt im Jugendgefängnis in Uitikon steht leer

Trotz kostspieliger Sanierung schliesst das Massnahmenzentrum Uitikon seine Jugendabteilung – nicht etwa aus Mangel an Kundschaft.

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Die geschlossene Jugendabteilung des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU) ist seit vergangenem Dezember wegen Personalmangels geschlossen. Vor vier Jahren war der neue Trakt inklusive den zehn Zellen für schwerstkriminelle Jugendliche eröffnet worden. Insgesamt verfügt die geschlossene Abteilung des MZU über 30 Zellen, 20 für junge Erwachsene und 10 für Jugendliche. Die jugendlichen Straftäter müssen laut Gesetz von ältern Insassen getrennt untergebracht werden. «Weil die betroffenen Jugendlichen alle 17 Jahre alt sind, haben wir sie ohne weiteres innerhalb des MZU auf andere Abteilungen verteilen können. Sie sind genug alt, sodass sie von Gesetzes wegen gemeinsam mit jungen Erwachsenen untergebracht werden dürfen», sagt Rebecca de Silva, Sprecherin des Amts für Justizvollzug des Kantons Zürich, auf Anfrage.

«Im Verlauf des letzten Jahres ist es aufgrund von Krankheit und mehreren personellen Ausfällen nicht gelungen, ein stabiles Team zu bilden», lässt sich de Silva, Sprecherin vom «Beobachter» zitieren. Das habe zur Folge gehabt, dass die Jugendgruppe Ende 2015 vorübergehend geschlossen werden musste. «Wir arbeiten mit Hochdruck an der Rekrutierung, um die geschlossene Jugendabteilung zu gegebener Zeit wieder eröffnen zu können», sagt de Silva gegenüber dem TA. Auf einen Termin mag sich die Sprecherin nicht festlegen.

Für Sozialpädagogen wenig ansprechend Im Beitrag führt die Amtssprecherin die Rekrutierungsprobleme auf den Stellenmarkt zurück: «Es melden sich nur wenige ausgebildete Sozialpädagogen auf eine solche Stelle.» Allerdings hat eine Recherche des Blattes ergeben, dass andere Einrichtungen für straffällige Jugendliche nicht mit derartigen Schwierigkeiten kämpfen. «Auf dem Arxhof konnten und können wir bislang jede offene Stelle besetzen», sagt etwa Adrian Baumgartner von der Baselländischen Sicherheitsdirektion. Auch im thurgauischen Massnahmenzentrum Kalchrain für Jugendliche und junge Erwachsene ist die Belegschaft komplett. «Hier herrscht auch in der geschlossenen Abteilung eine Wohngruppen-Atmosphäre», sagt dessen Direktor Armin Malär. Die Betreuer hätten viel eigenen pädagogischen Freiraum. Das Massnahmenzentrum in Uitikon hingegen sei auf hohe Sicherheit angelegt und ähnle eher einer Strafanstalt. Das spreche Sozialpädagogen weniger an.

Teure Sanierung und Baupfusch
Das Massnahmenzentrum Uitikon wurde während fünf Jahren für 39 Millionen Franken saniert, sodass es den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. In den Medien war das Zentrum in jüngster Vergangenheit wegen des damals jungen Straftäters «Carlos», dessen teure Sonderbehandlung nach einem Bericht im Schweizer Fernsehen Schlagzeilen gemacht hatte. Er hatte während seines dortigen Aufenthaltes Zellen und Gänge beschädigt und eine Disziplinarzelle unter Wasser gesetzt.

Das MZU sorgte bereits vor und während des Umbaus für negative Schlagzeilen. Der Kantonsrat bewilligte dafür einen Kredit von 29,6 Millionen Franken – die Planung, Umsetzung und die Kontrolle durch den Kanton erwiesen sich dann aber als mangelhaft. Die Baustelle wurde daraufhin ein Jahr lang stillgelegt. Schliesslich waren weitere 9,4 Million Franken nötig, um die Arbeiten wieder aufzunehmen und den Bau fertig zu stellen. (pia)

(Erstellt: 17.02.2016, 11:01 Uhr)

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