Zürich
«So brauchen sie weniger Züri-Säcke und sparen Geld»
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 25.05.2010 71 Kommentare
«Eine Änderung würde in ein erfolgreiches Entsorgungssystem eingreifen»: Leta Filli, Pressesprecherin von Entsorgung + Recycling Zürich ERZ.
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Frau Filli, der Bündner Fachberater für Abfallentsorgung Simon Schneebeli bemängelt, dass in Zürich die verschiedenen Sammelstellen zu weit über den Stadtraum verstreut sind. Warum können die Zürcherinnen und Zürcher ihre alten Kleider und die Pet-Flaschen nicht gleich neben dem Altglas entsorgen?
Die Pet- und Kleidersammlung wird in Zürich privat organisiert. Wenn wir als Stadt diese Sammlungen übernehmen würden, dann hätte das höhere Kosten zur Folge. Abgesehen davon koordiniert ERZ dreimal im Jahr Kleidersammlungen mit den Hilfswerken. Dann müssen die Kleidersäcke noch nicht einmal zur Sammelstelle gebracht, sondern einfach vor die Tür gestellt werden.
Warum würden die Kosten höher? Man müsste doch lediglich die bereits existierenden Texaid- und Pet-Container auf den Abfallsammelstellen aufbauen?
Die Verantwortung für das Einholen der Pet-Flaschen liegt beim Detailhandel, denn auf Pet-Flaschen wird wie bei Kleidern keine vorgezogene Recyclinggebühr erhoben. Das Sammelsystem funktioniert auf privater Basis zwischen Getränkeindustrie, Detailhandel und Endverbrauchern. Entsprechend werden die leeren Flaschen auch auf privatem Grund gesammelt – meist bei den Verkaufsstellen selbst. Für die Bewirtschaftung der Pet-Sammelstellen auf öffentlichem Grund mit den entsprechenden Kosten müsste die Stadt aufkommen. Schon heute wird aber auf den Werkstoffsammelstellen in Zürich viel Abfall wild entsorgt. Zudem würde eine solche Änderung in ein erfolgreiches Entsorgungssystem eingreifen.
Wäre ein Aufstocken der Sammelstellen eine Option, um die Hemmschwelle fürs Recyclieren weiter zu senken?
In Zürich existieren bereits heute 160 Werkstoffsammelstellen für Altglas, Kleinmetall und Altöl. Sie sind so über den Stadtraum verteilt, dass fast niemand weiter als 500 bis 800 Meter laufen muss, um eine Sammelstelle zu erreichen. Es wäre zudem schwierig, neue Standorte zu finden. Die Leute wollen im allgemeinen die Altglascontainer nicht genau vor der eigenen Haustüre. Das Entsorgungssysem in Zürich funktioniert sowieso mehrheitlich auf den Prinzipien «Bringen» und «Holen».
Und sind in diesem System Neuerungen geplant?
Wir haben letztes Jahr die Entsorgungsunterlagen umfassend überarbeitet, damit sich die Stadtbevölkerung noch einfacher über bequemes und ökologisches Entsorgen informieren kann. Ausserdem wollen wir künftig Grün- und Rüstabfälle aus den Zürcher Haushalten einmal wöchentlich kombiniert mit Gartenabfall in einem Container sammeln. Die Abfälle würden dann in einem neuen städtischen Vergär- und Kompostierwerk aufbereitet und in erneuerbare Energie, Biogas, umgewandelt. Damit könnten wir rund 5000 Wohnungen mit Wärme versorgen und den CO2 verringern. Der Stadtrat hat im April 2010 eine entsprechende Vorlage bereits verabschiedet. Nun muss noch der Gemeinderat darüber entscheiden.
Warum wird in diesen grünen Containern nicht – wie in San Francisco – gleich alles gesammelt, was sich kompostieren lässt? Also auch Papier?
Der Wertstoff Papier wird sinnvoller wieder für Papier verwendet als kompostiert. Eine Papierfaser kann bis zu fünf Mal wiederverwendet werden für die Produktion von Zeitungspapier. Zudem haben wir schlicht nicht so viel Platz wie in San Francisco. Dort stehen riesige Felder zur Trocknung und Umwälzung des Grünabfalls zur Verfügung. So etwas wäre im Raum Zürich wegen den Geruchsemissionen undenkbar.
Aber wäre eine kombinierte Entsorgung langfristig nicht günstiger?
Es ist günstiger, wenn jeder seinen Abfall selbst trennt, als wenn alles gesammelt und danach wieder getrennt wird. In Zürich ist die Sammlung von Papier, Karton, Textilien, Metall und Glas für die Haushalte kostenlos. Weil die Wertstoffe sehr rein und sauber in den Wertstoffkreislauf gelangen, reichen die Erträge für die Bezahlung der Sammelkosten. Die einzelnen Haushalte engagieren sich für die Umwelt und trennen den Abfall, dann landet er nicht im kostenpflichtigen Haushaltkehricht sondern im Wertstoffkreislauf. So brauchen sie weniger Züri-Säcke und sparen Geld. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.05.2010, 13:40 Uhr
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71 Kommentare
Da muss der gute Mann garnicht so weit weg nach einem Vorbild suchen: ein sehr ähnliches System wird seit Jahren bereit (und ich denke auch) erfolgreich in Deutschland angewendet. Es stimmt aber schon: durch Vereinfachung der Entsorgung macht man es auch den nicht so Mülltrennwilligen einfacher sich an der Wiederverwertung zu beteiligen. Antworten
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