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Social Media überfordert eZürich

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 22.07.2011 24 Kommentare

Ein Chefbeamter prangert im Internet den Gemeinderat an und äussert sich abfällig über die Partei seines Vorgesetzten. Da der Stadt Richtlinien fehlen, bleibt ihr nichts anderes übrig, als das hinzunehmen.

Umstrittene Äusserungen auf Twitter: Kommunikationsleiter Kuno Gurtner.

Legislaturziel mit Logo: ‹eZürich› soll die Stadt ins digitale Jetzt führen.
(Bild: PD)

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Am vergangenen Sonntag twitterte Kuno Gurtner, Departementssekretär von Finanzvorsteher Martin Vollenwyder (FDP), ein Mitglied der Rechnungsprüfungskommission sei zu unrecht gewählt worden. Statt sich direkt an die Betroffenen zu wenden, hatte der Leiter Kommunikation seine Informationen zuerst auf der Social-Media-Plattform verbreitet. Damit irritierte er den Parlamentsdienst und stiess den Gemeinderat vor den Kopf.

Es ist nicht die erste Äusserung auf Twitter, mit der sich Gurtner auf dünnes Eis begibt. Anfang Juni schoss er gegen die grösste Partei im Kanton: «SVP-ler brauchen eben einen Chef, der für sie denkt. Würden sie selber denken, wären sie ja nicht in der SVP.» Bei seinen Tweets machte er auch nicht Halt vor der Partei seines Vorgesetzten Vollenwyder, als er «die steuerpolitischen Pirouetten der Zürcher FDP» kritisierte.

«Tipps für privaten Nutzen»

Doch die Stadt muss das Verhalten Gurtners hinnehmen – denn Zürich fehlen Regeln oder ein Leitfaden, wie sich die Mitarbeiter in sozialen Netzwerken zu verhalten haben. «Die Tipps im Umgang mit sozialen Netzwerken sind derzeit auf den privaten Nutzen und dessen Risiken beschränkt», sagt Annina Dubs von der Stadtkanzlei auf Anfrage.

Dass sich Zürich im Umgang mit Social Media schwertut, ist verwunderlich. Denn die Stadt hat sich die Förderung der IT-Branche auf die Fahne geschrieben und will laut eigenen Angaben «den Schritt in die Zukunft machen». Doch was das Verhalten der eigenen Mitarbeiter im Internet angeht, hinkt die Stadtverwaltung mit rund 24'000 Angestellten der Realität weit hinterher.

Sperrung statt Regeln

Bei der Begründung, weshalb Richtlinien fehlen, macht es sich die Stadt einfach: Sie hat den Zugang zu Facebook, ( 31.91 -3.39%) Twitter und Co. gesperrt. Deshalb bestehe «für den geschäftlichen Umgang derzeit keine Regelung», sagt Dubs. Darüber hinaus seien Informationen zum Umgang mit sozialen Netzwerken für die städtischen Mitarbeitenden im Intranet verfügbar.

Dass die Grenzen von privaten und geschäftlichen Aktivitäten im Internet nicht mehr scharf gezeichnet werden können, scheint die Verwaltung auszublenden. So hat Gurtner laut eigenen Angaben die Tweets zwar «als Privatperson» abgeschickt. Doch auf Twitter tritt er als «Ex-Journalist, nun Departementssekretär bei der Stadt Zürich» auf. Auf eine Stellungnahme gegenüber Tagesanzeiger.ch verzichtet er.

Trotz der grossen Verbreitung sozialer Netzwerke sieht die Stadt Zürich vorerst keinen Handlungsbedarf. «Nachdem die Stadt vor zwei Jahren den Internet-Auftritt komplett erneuerte, steht nun im Zusammenhang mit dem Legislaturschwerpunkt ‹eZürich› die Entwicklung des Zugangs mit mobilen Geräten im Vordergrund», heisst es bei der Stadtkanzlei. Dabei werde sich auch die Frage stellen, ob und inwiefern Soziale Netzwerke eingebaut werden. Dann sei auch denkbar, eine Social-Media-Strategie zu entwickeln. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2011, 11:34 Uhr

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24 Kommentare

Christian Cortesi

21.07.2011, 12:01 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Also da mit der $VP hat der Mann doch völlig recht. Antworten


Edi Goetschel

21.07.2011, 12:40 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Förderung der IT-Branche mit eZürich? Mittlerweile wissen wir doch, dass es sich dabei bloss um einen teueren PR-Auftrag für eine deutsche Agentur handelte. Gefördert wird in Zürich nichts und niemand. Nur verhindert. Am liebsten selbstverständlich auch die freie Meinungsäusserung. Antworten



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