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Konzept für behinderte Jugendliche beerdigt

Aktualisiert am 11.06.2010 10 Kommentare

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) schickt das sonderpädagogische Konzept bachab. Grund sind massenhaft negative Rückmeldungen – sogar von Behindertenorganisationen.

Scheiterte an breiter Kritik: Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Scheiterte an breiter Kritik: Bildungsdirektorin Regine Aeppli.
Bild: Keystone

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Insgesamt 260 Institutionen wurden eingeladen, ihre Meinung zu diesem Konzept abgzugeben. Das Ergebnis der Umfrage war für die Bildungsdirektorin ernüchternd: 1500 A4-Seiten Stellungnahmen landeten auf Aepplis Pult - zu einem grossen Teil voller Kritik. Sogar die Behindertenorganisationen meldeten Vorbehalte an.

Man nehme die Befürchtungen ernst und habe sich deshalb dazu entschlossen, das neue Konzept nicht umzusetzen, sagte Aeppli am Freitag vor den Medien. «Integration kann nicht von oben verordnet werden, wenn der Adressat nicht offen dafür ist.»

Dass nun nichts daraus wird, bedauert Aeppli. Das Konzept sei sehr umfassend und komplex gewesen. «Ich weiss aber, dass es Gesamtkunstwerke immer schwer haben.» Ungünstig sei gewesen, dass viele Institutionen das Konzept als Sparübung verstanden hätten. «Dies hat bei vielen von Anfang an Ablehnung ausgelöst.»

Der Eindruck des Sparprogramms kommt jedoch nicht von ungefähr: Der Kanton hätte mit dem neuen Sonderpädagogischen Konzept 17 Millionen Franken pro Jahr einsparen können. Ein Nebeneffekt, der den angespannten Kantonsfinanzen sehr entgegengekommen wäre.

Ängste bei den Lehrern

Zentrales Element dieses kritisierten «Gesamtkunstwerkes» wäre gewesen, behinderte Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 20 Jahren wenn immer möglich in die Regelschule zu integrieren. Die Lehrpersonen wären dafür von Heilpädagoginnen unterstützt worden.

Die Bildungsdirektion hoffte, so bis zu 500 der 4000 Zürcher Sonderschüler in eine Regelschule eingliedern zu können. Ein Platz in einer Sonderschule kostet pro Jahr rund 65'000 Franken - also weit mehr als ein Platz an einer Regelschule inklusive heilpädagogischer Unterstützung.

Besonders bei den Lehrern löste diese Idee Ängste aus. Solche zusätzlichen Belastungen seien nur mit zusätzlichen Ressourcen zu meistern, argumentierten sie. Daran änderte auch der Vorschlag nichts, Assistenten anzustellen, die beispielsweise körperlich behinderte Kinder aufs WC begleitet hätten.

Kritik an neuer Aufgabenverteilung

Wenig Begeisterung gab es auch für die geplante neue Aufgabenverteilung zwischen Kanton und Gemeinden. Wäre es nach der Bildungsdirektion gegangen, hätte der Kanton die Verantwortung für die schweren Fälle übernommen, also beispielsweise taubblinde Kinder. Den Gemeinden wäre die Verantwortung für leichtere Fälle - also etwa jene mit Lernstörungen - übertragen worden.

Dass für einige Kinder der Kanton, für andere jedoch die Gemeinden zuständig gewesen wären, stiess vor allem den Schulpsychologen, den Sonderschulen und den Schulgemeinden sauer auf. Die Gemeinden wiederum befürchteten Mehrausgaben, weil der Kanton ihnen «mehr Spielraum» geben wollte.

Starker Anstieg bei den geistig Behinderten

Nicht alle Ideen wurden jedoch in der Luft zerrissen. Einige wenige stiessen auf breitere Zustimmung und sollen weiterverfolgt werden, so etwa die Einführung eines standardisierten Abklärungsverfahrens.

Ob ein Kind in eine Sonderschule komme oder in eine Regelklasse, sei heute noch stark vom Wohnort abhängig, sagte Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes. Mit einer einheitlichen Abklärung sollen diese Unterschiede abgeschwächt werden.

Die Bildungsdirektion hofft damit nicht zuletzt, dass die Zahlen insgesamt wieder sinken mögen. Seit 1999 hat die Zahl der Zuweisungen zu einer sonderschulischen Massnahme um ganze 40 Prozent zugenommen. Alleine seit 2006 stieg die Zahl der betroffenen Kinder um 10 Prozent an.

Besonders stark gestiegen ist der Anteil der geistig Behinderten. Für Wendelspiess eine Tatsache, die «nur schwer erklärbar» sei. (ep/sda)

Erstellt: 11.06.2010, 10:24 Uhr

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10 Kommentare

Martha Vollenweider

11.06.2010, 12:45 Uhr
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Behinderte Kinder und Jugendliche wenn immer möglich in die Regelschule integrieren zu wollen ist ein voellig verfehlter Ansatz. Diese Art von Experimental-Paedagogik ist ein typisches Resultat von Schreibtischtaeterinnen, die weltfremd und ideologisch rein der Welt ihr Heil aufdringen; auf Kosten der Steuerzahler einerseits, und auf Kosten der normalen Kinder andrerseits. Hoert endich auf damit! Antworten


Sibylle Weiss

11.06.2010, 12:47 Uhr
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Es gibt behinderte Schüler,welche mit dem besten Willen nicht in eine normale Schule integriert werden können.Ich hatte eine gestig behinderte Mitschülerin in der Klasse;dies kam nicht gut heraus! Antworten



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