Spoerlis Ausbruch hat ein politisches Nachspiel

Aktualisiert am 06.09.2010

Der Ballettdirektor des Opernhauses sagte eine Ballettvorstellung in letzter Minute ab. Weil das Opernhaus mit 76 Millionen Franken subventioniert ist, liegen sich jetzt die Kantonsräte in den Haaren.

Spoerli sei ein Choleriker, dessen Wutausbrüche an der Tagesordnung seien: Die Gewerkschaft VPOD kritisiert den Ballettdirektor des Opernhauses scharf.

Spoerli sei ein Choleriker, dessen Wutausbrüche an der Tagesordnung seien: Die Gewerkschaft VPOD kritisiert den Ballettdirektor des Opernhauses scharf.
Bild: Keystone

Der 70-jährige Spoerli hatte die Vorstellung «Nocturnes/Solo/Der Tod und das Mädchen» wenige Minuten vor Beginn abgesagt, offiziell aus «technischen Gründen», wie das Opernhaus am Freitag mitteilte. Rund tausend Zuschauerinnen und Zuschauer wurden mit einem Gutschein für eine andere Vorstellung wieder nach Hause geschickt.

Für die SVP des Kantons Zürich ist dies «unglaublich», wie sie in einer Fraktionserklärung verkündete. Dass Spoerli eine Vorstellung so kurzfristig absage, sei nicht zumutbar - und dann auch noch wegen einer angeblichen Auseinandersetzung mit Bühnentechnikern.

Ist Spoerli eine Mimose oder hat er dem Publikum einen Gefallen getan?

Spoerli sei zwar ein Künstler, und als solcher «quasi von Berufs wegen hochsensibel bis mimosenhaft», sagte der Sprecher. Doch Herr Spoerli sei auch ein staatlicher Funktionär - genau wie der Standesbeamte oder der Strassenreiniger. Schliesslich erhalte das Opernhaus eineinhalb Millionen Franken pro Woche vom Steuerzahler. Der Regierungsrat müsse Spoerli deshalb klarmachen, dass er seine Aufgabe «zur vollen Zufriedenheit des Zahlenden, also des Steuerzahlers erledigen muss».

Dem Grünen Kantonsrat Hans Läubli (Affoltern am Albis) ging der Mimosen-Vorwurf deutlich zu weit. Als Geschäftsführer von Suisseculture, dem Dachverband der professionellen Kulturschaffenden, forderte er von der SVP dringend mehr Respekt vor Künstlern.

Heinz Spoerli sei keineswegs eine Mimose, sondern habe richtig gehandelt. Es sei seine Pflicht, eine Vorstellung abzusagen, wenn diese nicht den Anforderungen genüge. «Er hat dem Publikum einen Gefallen getan.» Man kritisiere schliesslich auch nicht einen Schreiner, der sich weigere, einen unfertigen Tisch auszuliefern.

Wutausbrüche an der Tagesordnung

Die Diskussion im Rat bewegte die Gewerkschaft VPOD schliesslich dazu, in einer Medienmitteilung auch noch die Sicht der betroffenen Bühnentechniker darzulegen. Gemäss diesen habe Spoerli drei Minuten vor Vorstellungsbeginn lautstark kritisiert, dass die Bühne nicht korrekt eingerichtet sei. Es sei jedoch alles wie am Premieren-Tag gewesen.

Spoerli habe die Vorstellung somit «ohne jeden äusseren Anlass» abgesagt. Laut VPOD habe der Ballettdirektor immer wieder cholerische Wutausbrüche. Die Bühnen- und Beleuchtungstechniker seien in den letzten Jahren deswegen immer wieder an den Rand der Belastbarkeit geführt worden, schreibt der VPOD.

Spoerli handle willkürlich und werde dabei von der Direktion des Opernhauses gedeckt. «Dies wohl, weil Spoerli der Garant eines vollen Hauses ist.»

(fsc/sda)

Erstellt: 06.09.2010, 14:27 Uhr

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