Stadtpolizist beinahe von Hochhaus hinunter gestossen

Von Felix Schindler, Stefan Hohler, Simon Eppenberger. Aktualisiert am 07.09.2010

Ein 45-jähriger Schweizer ist angeklagt, fast einen Polizisten 21 Meter in die Tiefe gestossen zu haben. Vor dem Geschworenengericht will er sich an nichts mehr erinnern – und macht widersprüchliche Aussagen.

Hier bangte der Beamte um sein Leben: A. F. lebte in der obersten Wohnung im achtstöckigen Haus (Bildmitte).

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Heute Dienstag steht A. F. vor dem Zürcher Geschworenengericht, nachdem ein Streit mit drei Polizisten um ein Haar tödlich endete. Der 45-Jährige widerspricht der Anklage auf versuchte, vorsätzliche Tötung vehement: «Es ist völlig abwegig, nur daran zu denken, dass ich einer anderen Personen tödliche Verletzungen zufügen soll.» An die Tat selber mag er sich nicht mehr erinnern und macht Erinnerungslücken geltend. Dem widersprechen jedoch Aussagen in der weiteren Befragung, bei denen er sich dann doch an Details erinnern konnte.

Der wilden Auseinandersetzung mit der Polizei war ein Streit mit seiner Ex-Frau vorausgegangen. Im Sommer vor zwei Jahren musste er zusammen mit der damals 34-jährige Brasilianerin die gemeinsame Wohnung in Zürich-Affoltern räumen. Die Frau, welche er ürsprünglich in der Lugano-Bar an der Langstrasse kennen gelernt hatte, war bereits ausgezogen.

Als die Frau persönliche Gegenstände abholen wollte, kam es zwischen den beiden einmal mehr zu einem heftigen Streit. Die Frau alarmierte die Polizei. Die Beamten kamen und forderten A.F. auf, die Wohnung zu verlassen, damit die Ex-Frau ungestört ihre Sachen packen konnte. Doch kurze Zeit später kehrte der Schweizer in die Wohnung zurück und der Streit eskalierte erneut.

21 Meter in die Tiefe

Was dann passierte, schildert die Anklageschrift wie folgt: A. F. war stark alkoholisiert. Laut Untersuchungsbericht hatte er 2,5 bis 2,8 Promille Alkohol im Blut. Er war so aggressiv, dass die Polizei erneut alarmiert wurde. Der Mann verhielt sich den anrückenden Beamten gegenüber so renitent, dass ihm ein Polizist Pfefferspray ins Gesicht spritzte. Daraufhin hat A. F. auf der Terrasse der Wohnung wild um sich geschlagen, packte einen Beamten, schlug ihn gegen die Brust und drückte ihn so heftig gegen das Terassengeländer, dass der Beamte beinahe über das Geländer 21 Meter in die Tiefe gefallen ist. Einen Sturz, den er wohl nicht überlebt hätte.

Der Schweizer ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits früher hatte er zwei Mal tätliche Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Mal wegen häuslicher Gewalt, ein andermal geriet er bei einer Kontrolle in Wien an Beamte. Weiter umfasst sein Strafenregister die Vermittlung von 1,2 Kilogramm Kokain und Heroin sowie Fahren in angetrunkenem Zustand und Raufhandel.

Ohne Hilfe gestürzt

Aus Sicht der Anklage hat der Beamte damals dem Einschreiten seiner beiden Kollegen sein Leben zu verdanken. Sie konnten den Angeklagten vom Terassengeländer wegziehen und verhaften. «Ohne Hilfe der Kollegen wäre ich eindeutig hinuntergefallen», sagte der angegriffene Polizist am Dienstag vor dem Geschworenengericht.

Der Angeklagte soll in diesem Moment genau «um die akute Gefahr des Herunterfallens» gewusst haben und die tödliche Folge für den Beamten gewollt oder mindestens in Kauf genommen haben. Deshalb ist er wegen versuchter, vorsätzlicher Tötung zu und mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Beamte angeklagt. Der Schweizer war laut eigenen Angaben der Meinung, die Polizisten hätten nichts in seiner Wohnung zu suchen. «Wenn ich angegriffen werde, wehre ich mich.»

Der Prozess dauert voraussichtlich bis zum 17. September. Tagesanzeiger.ch berichtet heute Dienstag über den Auftakt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2010, 10:45 Uhr

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