Studenten kassieren Beschwerde – wegen Lernkärtchen

Studierende verkaufen Karteikarten mit Inhalten aus Vorlesungen. Der Handel verletze das Urheberrecht, findet der Rechtsdienst der Universität.

Verletzen Urheberrechte: Ein Dozent beschwerte sich beim Rechtsdienst über die Lernkarten.

Verletzen Urheberrechte: Ein Dozent beschwerte sich beim Rechtsdienst über die Lernkarten.

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Über die Hälte der erstsemestrigen Jus- und Wirtschaftsstudenten haben sich im Sommersemester mit Lernkarten auf ihre Prüfungen vorbereitet. Diese haben sie nicht etwa selbst erstellt, sondern bereits fertig gekauft. Je nach Umfang der Box kosten die sogenannten KKarten für ein Fach 25 bis 40 Franken. Hinter der Business-Idee steckt die Firma KKarten Verlag GmbH, die vor fünf Jahren an der HSG aus einer Lerngruppe entstanden ist. Drei befreundete Studenten, die für sich Karteikarten beschrieben, gaben diese an Kollegen weiter, diese wiederum kopierten sie für weitere Kollegen. Anfangs druckten die Studierenden die Karten zu Hause, als das Interesse daran stieg, liessen sie sie von einer Druckerei vervielfältigen und verkauften sie. Doch die findige Business-Idee hat einen Haken: Sie tangiert Urheberrechte.

Einer der Dozenten an der Universität Zürich, die dem Angebot kritisch gegenüberstehen, ist Andreas Thier, Professor für Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Rechtstheorie und Privatrecht. Er habe die Anfrage der KKarten-Macher abgelehnt, seine Vorlesungsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Als er feststellte, dass solche Inhalte doch in die KKarten zur Rechtsgeschichte eingeflossen seien, wandte er sich an den Rechtsdienst der Universität und beschwerte sich bei den KKarten-Betreibern. Darauf nahmen diese die Rechtsgeschichte aus dem Angebot.

«Es ist inakzeptabel, dass bewusst kostenlose Inhalte aus Vorlesungen gezielt kommerzialisiert und dabei Urheberrechte verletzt werden», sagt Thier. Gerade jetzt, wo die Kosten des Studiums zur Diskussion stünden, gelte es dieses vom Steuerzahler finanzierte, kostenlose Angebot zu retten. Thier kann verstehen, dass in Zeiten der Bologna-Reform Wege gesucht werden, um den Zeitdruck zu entschärfen. Doch er bezweifelt, dass die Karten den Lernenden einen Mehrwert bieten: «Niemand kann den Studierenden die inhaltliche Verarbeitung des Stoffs abnehmen.»

Dozenten müssen einwilligen

An der Universität St. Gallen gab es kürzlich einen ähnlichen Fall. Unter dem Motto «Lazy Days ... and you’ll pass your exam!» verkauften Studierende Zusammenfassungen und Mindmaps zu Prüfungsstoff. Was die Betreiber auf ihrer Website als rechtliche Grauzone bezeichnen, stellt für den Prorektor der HSG ein Urheberrechtsproblem dar: «Die Urheberrechte für die Inhalte liegen bei den Professoren. Nur mit ihrer Einwilligung ist eine kommerzielle Nutzung zulässig», so Thomas Dyllick. Das Rektorat habe den Studierenden verboten, ihr Produkt über den offiziellen Studentenladen zu vertreiben, und sie auf das rechtliche Problem hingewiesen. Als die LazyDays-Macher ausgewählte Professoren um ihr Einverständnis baten, liess sich kaum jemand gewinnen, und die Studierenden mussten ihre Business-Idee schliesslich begraben.

Der Rechtsdienst der Universität Zürich äussert sich zum Fall der KKarten wie folgt: «Gemäss geltendem Urheberrechtsgesetz hat der Urheber oder die Urheberin eines Werkes das ausschliessliche Recht zu bestimmen, ob, wann und wie dieses verwendet wird. Verstösse dagegen bedeuten grundsätzlich eine Urheberrechtsverletzung.» Der designierte Geschäftsleiter der KKarten, Michael von Gunten, möchte zum Konflikt keine Stellung nehmen: «Wir suchen nach einer Lösung.» Die Rechtsgeschichte sei das einzige Fach, das die Jungunternehmer bis anhin aus dem Angebot nehmen mussten.

Angebot soll erweitert werden

Mittlerweile hat die KKarten Verlag GmbH 33 Fächer im Angebot, 9 davon an der Uni Zürich. Studierende, die in einem Fach die betreffende Prüfung bereits abgelegt haben, verfassen die 200 bis 400 KKarten pro Box in 50 bis 100 Stunden Arbeit. Ein Lektor korrigiert und ergänzt die Inhalte, dann kontrolliert der Standort-Teamleader das Produkt nochmals. Der Lohn für die Mitarbeiter sei gut, ein Teil des Gehalts sei an die Verkaufszahlen gekoppelt. «Wir wünschen eine Identifikation mit der Firma», so der VWL-Student.

Der monetäre Lohn sei aber nicht alles: «Der persönliche Lerneffekt beeinflusst die Noten positiv.» In der ganzen Schweiz beschäftigt die KKarten Verlags GmbH 29 Mitarbeiter, 5 davon in Zürich. Über 6000 Benutzer von KKarten sind online registriert, und den Machern schwebt eine Ausweitung des Angebots auf weitere Studienrichtungen vor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2009, 10:48 Uhr

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