Zürich
Studentenproteste «wirken unreflektiert und unsympathisch»
Interview Felix Schindler. Aktualisiert am 24.11.2009
«Solche Aussagen sind unanständig, das kommt nicht gut an»: Werber Frank Bodin über die missglückte Kommunikation der Uni-Besetzer. (Bild: Keystone)
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Die Uni-Besetzer kämpfen durchaus für legitime Anliegen, ihr Ansehen in der Öffentlichkeit leidet aber. Wie erleben Sie die Uni-Besetzer?
Verwirrend. Proteste sind immer ein Ausdruck von Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit als präzise Botschaft zu formulieren, ist nicht einfach. Dass dieser Protest so unbeholfen daherkommt, muss man als Zeitphänomen entgegennehmen.
Es macht den Eindruck, die Besetzer würden einiges an Sympathie verspielen. Was machen sie falsch?
Wenn sie dem Uni-Rektor Andreas Fischer vorwerfen, er stelle Behauptungen fern jeder Sachkenntnis auf, wirkt das unreflektiert und unsympathisch. Die Besetzer können eine andere Haltung haben und dürfen die Auseinandersetzungen auch hart führen. Aber solche Aussagen sind unanständig, das kommt nicht gut an. Es ist zudem sicher nicht geschickt, sich anonym an die Öffentlichkeit zu wenden. Diese Studenten sind absolut privilegiert, sie gehören zur Bildungselite der Schweiz. Von ihnen wird erwartet, dass sie transparent kommunizieren.
Schadet es den Studenten, dass sie verschiedene Veranstaltungen durchführen, an denen die Medien nicht zugelassen sind?
Das ist nicht klug. Die Studenten müssen sich schon klar sein, dass die Uni einem öffentlichen Auftrag untersteht und dass diese Debatte alle etwas angeht. In einem öffentlichen Raum wie der Uni gibt es keine Privatsphäre, die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, was dort passiert.
Wie könnten die Studierenden ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit verbessern? Sie müssen sich sehr präzise überlegen, was sie genau bewirken wollen und bei wem. Jetzt kritisieren sie diverse Umstände, aber es wird nicht ersichtlich, wie ihr Gegenentwurf zur jetzigen Welt aussehen könnte. Sie brauchen eine Botschaft, die ihre Anliegen in einer unmissverständlichen Klarheit überbringen. Ausserdem müssen sie zielgruppengerecht kommunizieren. Sie müssen sich bewusst sein, dass sie sich nicht nur an ihre Mitstudenten, die Professoren und das Rektorat wenden, sondern auch an die Öffentlichkeit. Die Bevölkerung muss ihre Anliegen mit Kopf und Herz verstehen. Jetzt weiss die Öffentlichkeit eigentlich nur, dass sie einen Hörsaal an der Uni besetzen, die wirklichen Inhalte bleiben im Dunkeln.
Die Studenten bringen häufig den Slogan «Education is not for sale». Ist diese Botschaft nicht klar genug?
Nein. Einerseits ist das nur eine von vielen Botschaften, die sie an die Öffentlichkeit bringen, andererseits ist es ein gesellschaftlicher Widerspruch. Diese Studenten haben alle einen teuren Studienplatz, den der Steuerzahler bezahlt hat. Dieser fasst sich an den Kopf, wenn er eine solche Botschaft hört. Übrigens: Dass der Slogan in keiner unserer Landessprache ist, wirkt aufgesetzt. Deutsch und deutlich wäre authentischer.
Und was haben die Besetzer bisher richtig gemacht?
Sie denken nach und protestieren! Die Jugend der letzten Jahre war dermassen langweilig und angepasst. Lange Zeit haben keine Proteste mehr stattgefunden, unzählige Semester an den Hochschulen waren geprägt von einer Sorglosigkeit und völlig unfähig, Kritik zu entfalten. Und genau das ist auch das Problem der jetzigen Generation: Sie wissen nicht mehr, wie man andere Standpunkte kommuniziert. «Diese Generation muss jetzt lernen, wie man revoltiert.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.11.2009, 15:37 Uhr
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