Zürich
Swiss streicht Weihnachtsgeld der Mitarbeiter – trotz hoher Gewinne
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 20.12.2011 161 Kommentare
Aus Protest zurück an den Absender: Bei der internen Post der Swiss stapeln sich die Weihnachtsgeschenke, die zurückgegeben werden. (Bild: zvg)
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Vor einer internen Poststelle der Swiss stapeln sich Dutzende Weihnachtspakete. Diese sind nicht etwa dafür bestimmt, an glückliche Empfänger verschickt zu werden. Im Gegenteil: Die Pakete werden von erbosten Flugbegleitern an ihren Arbeitgeber zurückgesendet. Der Inhalt: Ein Schneidebrett mit dem neuen Swiss-Logo und passendem Messer, geeignet zum Zerteilen von edelster Schokolade.
«Wovon soll ich mir bitte die passende Schokolade kaufen?» ärgert sich Sabine Müller*: «Ich gehe nun auf die 50 zu, arbeite 100 Prozent, verdiene Brutto 3'500 Franken, habe keinen Dreizehnten und nun wird einfach das Weihnachtsgeld gestrichen.» Und Müller ist nicht alleine: Auf einer Facebookseite, die innert weniger Tage bereits über 1'250 Mitglieder zählt, machen die enttäuschten Flight-Attendants ihrem Ärger Luft, viele wollen kündigen. Und jede Stunde kommen neue Mitglieder hinzu.
Im letzten Moment informiert
Besonders stossend für die Flugbegleiter: In diesem Jahr leistete sich die Swiss eine neue Corporate Identity, sprich einen neuen Firmenauftritt inklusive Logo für rund 10 Millionen Franken. Die Gewinnzahlen liegen alleine im letzten Quartal bei 139 Millionen, aber fürs Kabinenpersonal bleibt nichts übrig. Informiert wurden sie über die Massnahme am letzten Freitag per Mail.
«Seit Jahren leiden wir unter harten Arbeitsbedingungen, haben oft sechs Tage am Stück Dienst, und auch bei den meisten Langstreckenflügen bleiben uns höchstens 24 Stunden bis wir wieder auf den Rückflug müssen», meint Müller. «Wir sind Swiss-Flight-Attendants aus Leidenschaft, aber dieser Umgang mit uns hat etwas Respektloses.»
Gewerkschaft kann wenig machen
Georg Zimmermann, Geschäftsführer der Flugbegleiter-Gewerkschaft Kapers, versteht die Enttäuschung der Betroffenen und hat der Geschäftsleitung der Swiss auch mitgeteilt, dass grosser Unmut herrscht. Aber: «Machen können wir nichts, das Weihnachtsgeld wurde freiwillig bezahlt und ist nicht Bestandteil der Verträge.»
Auf der Facebookseite der Flight-Attendants wird die Kapers denn auch der Untätigkeit bezichtigt. Dies will Zimmermann nicht gelten lassen: «Betreffend der Arbeitsbedingungen haben wir ein paar Dinge ändern können», bei weiteren stehe man noch in Verhandlungen. So habe man erreicht, dass die Flugbegleiter innerhalb einer Dreimonatsperiode zwei Ruhetage mehr zur Verfügung hätten. Kein Entgegenkommen der Swiss habe man bisher bei Ruhepausen auf Langstreckenflügen erreicht. «Dies liegt nun bei einem Schiedsgericht.»
Swiss hat Ziele nicht erreicht
Zu diesem Verfahren will sich die Swiss nicht äussern. Zu den Arbeitsbedingungen allgemein meint Sprecherin Susanne Mühlemann: «Das gesamte Kabinenpersonal in der Schweiz arbeitet unter einem GAV, der 2009 mit der Gewerkschaft Kapers verhandelt und von der grossen Mehrheit der Angestellten angenommen wurde.»
Der Verzicht auf Auszahlung eines Weihnachtsgeldes in diesem Jahr habe damit zu tun, dass die Unternehmensziele, anders als in den vorangegangenen Jahren, nicht übertroffen wurden. Deshalb habe sich das Management zu diesem Schritt entschieden. Bei allen Mitarbeitern, nicht nur den Flugbegleitern. Mühlemann unterstreicht in diesem Zusammenhang nochmals, dass es sich um eine «freiwillige Zusatzzahlung» handle.
Marken-Relaunch wichtig
Allerdings will sie den Vorwurf nicht gelten lassen, dass die Flugbegleiter nur kurzfristig per Mail über die einschneidende Massnahme informiert wurden: «Die verschiedenen Mitarbeitergruppen wurden von den jeweiligen Vorgesetzten informiert.» Da dies beim fliegenden Personal nicht so einfach möglich sei, habe der Kabinen-Crew-Verantwortliche den Entscheid in einer ausführlichen E-mail persönlich erklärt.
Auch einen ungünstigen Zeitpunkt für einen Corporate Identity-Relaunch sieht Mühlemann nicht. «Die Schärfung unserer Markenposition, Kommunikation und des Logos sind wohl durchdachte Investitionen in die Zukunft, die der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit dienen und damit auch der Erhaltung der Arbeitsplätze.» Zudem werde dieses schrittweise und so kostengünstig wie möglich eingeführt.
Diese Vorteile erschliessen sich den Flight-Attendants wohl nicht auf den ersten Blick. Und auch im nächsten Jahr ist es möglich, dass sie auf ein Weihnachtsgeld verzichten müssen. «Dies hängt davon ab, ob 2012 die finanziellen Ziele übertroffen werden.»
*Name geändert (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.12.2011, 14:54 Uhr
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