Tausende machen Pendlerkosten von über 20'000 Franken geltend

Der Regierungsrat will den Pendlerabzug bei 3000 Franken begrenzen. Erstaunlich viele Zürcher Steuerzahler wären davon betroffen. Einige sogar sehr stark.

Täglich im Stau, aber dafür hoher Steuerabzug: Autopendler bei Baden.

Täglich im Stau, aber dafür hoher Steuerabzug: Autopendler bei Baden. Bild: Keystone

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44,5 Millionen Franken mehr möchte der Regierungsrat im Jahr einnehmen, indem die Steuerpflichtigen auf ihrer Steuererklärung nicht mehr als 3000 Franken für den Arbeitsweg abziehen können. Die Gemeinden erhielten dadurch einen Zustupf von 48,6 Millionen im Jahr.

Gemäss Auskunft der Finanzdirektion geben im Kanton Zürich 156'500 Steuerpflichtige einen Betrag von mehr als 3000 Franken als Fahrkosten an (Zahlen aus dem Jahr 2012). Etwas weniger als die Hälfte, 65'300 Personen, macht Arbeitswegkosten von über 6000 Franken geltend. 2500 geben sogar Kosten von über 20'000 Franken an (2010).

Auto nur als Ausnahme

Ein 2.-Klasse-Abonnement für alle Zonen des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) kostet aktuell 2160 Franken, eines für die 1. Klasse 3564 Franken. Das SBB-Generalabonnement (GA) kostet aktuell 3655 Franken (1. Klasse: 5970).

Wie kommen Zehntausende also auf Beträge von über 6000 Franken? Dabei handelt es sich mehrheitlich um Autopendler, die einen Kilometerpreis von 70 Rappen berechnen können. Zwar steht in der Wegleitung zur Steuererklärung, dass Kosten für das private Motorfahrzeug «nur ausnahmsweise geltend gemacht werden» dürfen. Doch offenbar treffen diese Ausnahmen auf viele zu. Bedingung ist etwa, dass die nächste ÖV-Haltestelle mehr als 1 Kilometer vom Wohn- oder Arbeitsort entfernt ist. Oder dass die Zeitersparnis mit dem Auto gegenüber der Fahrt mit dem ÖV über 1 Stunde am Tag beträgt. Auch wer für den Job das Auto unbedingt braucht oder aus gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen ist, kann eine Kilometerzahl angeben.

Fischenthal–Baden retour

Auf 20'000 Franken kommt etwa, wer die Ausnahmeregelung geltend machen kann und an den offiziellen 240 Arbeitstagen täglich 120 Kilometer fahren muss. Das entspricht etwa der Distanz Fischenthal–Baden.

Die Begrenzung des Pendlerabzugs könnte also die Grossfamilie des ABB-Angestellten aus dem entlegenen Weiler im Zürcher Oberland hart treffen. Angenommen, das steuerbare Einkommen beträgt heute 100'000 Franken, so müsste die Familie aus Fischenthal, das zudem den höchstmöglichen Gemeindesteuerfuss von 134 Prozent erhebt, 3400 Franken mehr abgeben.

Mehrheit ist nicht betroffen

Weniger macht es für den ledigen Kilchberger aus, der täglich nach Bern pendelt und das 1.-Klasse-GA angibt, weil er auf der Zugsfahrt arbeiten muss. Sein Einkommen beträgt heute 150'000 Franken, mit dem neuen Pendlerabzug zahlt er 600 Franken mehr.

Die Kleinfamilie aus Zürich, deren Mutter in Winterthur arbeitet, sich ein 1.-Klasse-ZVV-Abo leistet und auf ein Einkommen von 60'000 Franken kommt, spürt es kaum noch. Hier beträgt die Mehrabgabe 69 Franken.

Hunderttausende träfe die neue Regelung gar nicht, da sie Kosten von weniger als 3000 Franken für ihren Arbeitsweg angeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2016, 15:47 Uhr

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