Zürich
Taxifahrt vom Hönggerberg zur Kirche Höngg kostete 162 Franken
Von Helene Arnet. Aktualisiert am 30.03.2011 113 Kommentare
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Sie sei 89 Jahre alt, und nie habe sie jemand reingelegt. «Und jetzt das», sagt Dora Rutz entgeistert. «Das» geschah am vergangenen Freitag. Ein trauriger Tag, ein Freund wurde zu Grabe getragen. Ihre Tochter holte sie im Altersheim Grünhalde in Seebach ab, wo Dora Rutz seit etwa einem Jahr wohnt, und brachte sie auf den Friedhof Hönggerberg. Die Tochter hatte noch einen Termin, daher verabschiedete sie sich sogleich von der Mutter und fuhr los. Doch Dora Rutz stellte bald fest, dass sie am falschen Ort war. Der hilfsbereite Bestatter klärte sie auf: Die Abdankung finde in der reformierten Kirche im Zentrum von Höngg statt. Nach Rücksprache mit der Tochter bestellte er bei Alpha-Taxi einen Wagen, bat den Chauffeur, Frau Rutz zur reformierten Kirche zu fahren und ihr dort zu helfen, die schwere Kirchentür zu öffnen.
Umweg über Seebach
Die Navigationssysteme geben für die Fahrt 0,9 Kilometer und drei Minuten Fahrtzeit an, liegt doch die weitherum sichtbare Kirche mitten in Höngg. Sie habe beim Vorbeifahren die Kirche gesehen, erinnert sich Dora Rutz. Als sie allerdings dort ankam, war der Trauergottesdienst vorbei, und der Taxichauffeur präsentierte ihr eine Rechnung von 162 Franken. Er war mit der betagten Frau nämlich erst ins Altersheim nach Seebach hinübergefahren, um die Todesanzeige zu holen, auf der er die genaue Adresse der Abdankungsfeier zu finden hoffte. Denn es gebe viele Kirchen hier. Auf der Todesanzeige stand «Reformierte Kirche Höngg». Also rechtsumkehrt. Nach mehr als einer Stunde Fahrt erreichte Dora Rutz schliesslich ihr Ziel.
Dora Rutz fährt noch Tram, ist geistig frisch, nur die Beine wollen nicht mehr recht. Auch kann sie sich in der Regel schon wehren. Doch als der Chauffeur ihr für die Irrfahrt 162 Franken verlangte, war sie perplex. «Mir sind die Tränen gekommen, denn ich hatte nur 70 Franken dabei.» Der Chauffeur meinte daraufhin, sie habe im Altersheim sicher noch Geld, sie könnten wieder dort vorbeifahren. Das war ihr dann zu viel. «Ich habe ihm gesagt, dass ich mich mit ihm keinen Meter mehr bewege.» Geistesgegenwärtig spricht sie einen Bekannten an und borgt sich von ihm 100 Franken, um den Taxichauffeur zu bezahlen.
Alpha-Taxi: «Missverständnis»
Patrick Rauber, Geschäftsführer der Alpha-Taxi, spricht von einem Missverständnis. Er hat, nachdem ihn der «Tages-Anzeiger» wegen des Vorkommnisses kontaktiert hat, die Protokolle studiert. Dem Fahrer sei nicht klar gewesen, dass die Höngger Kirche gemeint war. Er habe noch Rücksprache mit der Zentrale genommen, was Dora Rutz bestätigt. Es handle sich um einen zuverlässigen Chauffeur.
«Ich bedaure, dass die Kundin deswegen nicht von dem Verstorbenen Abschied nehmen konnte», sagt Rauber, bittet aber auch um Verständnis dafür, dass es für die Fahrer bei unklaren Ortsangaben nicht immer einfach sei. Dann erkundigt er sich nach der Adresse von Frau Rutz. Er wolle ihr «aus Kulanzgründen» einen Taxigutschein zukommen lassen.
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Erstellt: 30.03.2011, 00:01 Uhr
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