Tennis-Krimi beim Job – diese Firmen sind kulant

Zu dumm, dass Wawrinkas Davis-Cup-Eröffnung zu Bürozeiten startet? Was am Nachmittag bei ZKB, Swisscom und Swiss Life abgeht. Und wie Corine Mauch dranbleibt.

Okay oder nicht? Angestellter schaut Tennis während der Arbeitszeit.

Okay oder nicht? Angestellter schaut Tennis während der Arbeitszeit. Bild: TA

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Es ist ein Sport-Highlight erster Güte: Heute, Freitagnachmittag um 14 Uhr, steigt Tenniscrack Stan Wawrinka gegen seinen französischen Kontrahenten Jo-Wilfried Tsonga in die erste Finalpartie des Davis-Cup-Finals. Nicht nur 27'000 Augenpaare im Stadion in Lille werden auf die beiden gerichtet sein, sondern auch Hunderttausende an den Bildschirmen in der Schweiz.

Dass der Match während der Arbeitszeit stattfindet, erschwert vielen Fans das Sehvergnügen. Wie kulant sind Firmen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Tennishöhepunkt am Arbeitsplatz sehen wollen? Eine Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet ergibt: Schweizer Unternehmen sind recht kulant.

«Bei uns schaut auch der Chef»

Am lockersten ist vielleicht die Amer Sports AG. Das ist die Firma, welche die Tennisrackets von Wilson vertreibt, mit denen etwa Tennisass Roger Federer seine Gegner bodigt. «Bei uns schaut auch der Chef», sagt Barbara Beffa, Leiterin des Innendienstes. Als Sportartikelfirma zeige Amer Sports «natürlich viel Goodwill für sportbegeisterte Mitarbeiter». In den Büros hats Grossfernseher, die laufen, wenn ein Tennis-Highlight stattfindet. Die Telefonkunden würden aber immer bedient, betont Beffa. «Wir nehmen die Anrufe auch an, wenn Stan Wawrinka gerade einen Satzball hat.»

Auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) gibt sich kulant. «Wir lassen den gesunden Menschenverstand walten», sagt ZKB-Sprecher Igor Moser, der angibt, selber in den Match reinschauen zu wollen. Die Bank verbiete das Schauen nicht. «Wenn die Arbeit gemacht wird, sehen wir kein Problem.» Natürlich gelte dies «eher nicht» fürs Schalterpersonal, so Moser augenzwinkernd.

Beim Lebensversicherer Swiss Life hat Sprecherin Tatjana Stamm einen überraschenden Ansatz parat. Sie verweist darauf, dass die Swiss Life die flexible Arbeitszeit fördert. Natürlich dürften aber «die Arbeit und die Beziehungen zu unseren Kunden durch die Sportveranstaltung nicht beeinträchtigt werden».

Die echten Fans sind draussen

Ähnlich sieht dies die Tamedia, zu der auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet gehört. «Wenn die Arbeit nicht leidet und die Funktion es zulässt, können Mitarbeitende den Match verfolgen», sagt Mediensprecher Christoph Zimmer und findet: «Die wahren Fans nehmen aber sowieso frei und verfolgen den Match im Sportdress draussen in der Kälte über Zattoo – nur so fühlt man sich Stan Wawrinka ganz nahe.»

Nicht zu spassen ist selbstverständlich bei der Flugüberwachung. Die Bildschirme der Skyguide werden auch um 14 Uhr die Flugzeugpositionen anzeigen und nicht den konzentrierten Blick von Stan Wawrinka. «Die Sicherheit geht vor», sagt Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa. «Im Kontrollraum und Tower gibts nur eins: den Flugverkehr.» Die Lotsen müssen dennoch nicht ganz aufs Tennisereignis verzichten: Im Aufenthaltsraum läuft der Fernseher. «In ihren Pausen dürfen die Lotsen natürlich hier unsere Tenniscracks verfolgen», so Barrosa.

Stadtpräsidentin Mauch am Smartphone

Bei der Swisscom gibt es keine unternehmensweite Weisung, erklärt Sprecherin Annina Merk. «Ob und wie unsere Mitarbeitenden den Final verfolgen können, erfolgt in Absprache mit dem direkten Vorgesetzten. Wir setzen hier auch auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden.»

Ähnliches ist aus der Zürcher Stadtverwaltung zu hören. «Zum heutigen Match gibt es keine gesamtstädtische Direktive für die Mitarbeitenden», sagt Nat Bächtold, Sprecher des Präsidialamts. Es liege in der Zuständigkeit der jeweiligen Vorgesetzten und in der Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, «ob überhaupt und wie sie sich über den Match informieren wollen und können». Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sei heute Nachmittag durchgehend an einer Sitzung engagiert, sagt Bächtold. «Wir gehen aber davon aus, dass sie bei Gelegenheit und in einer Sitzungspause ihr Smartphone konsultieren wird.»

Vollenden Federer und Wawrinka das helvetische Tennis-Wunder? Das grosse Multimedia-Special zum Davis-Cup-Final.

Haben Telecomfirmen keine Bange vor einem Netzzusammenbruch, wenn alle auf dem Smartphone Tennis schauen? Mobilfunk sei ein geteiltes Medium, sagt Swisscom-Sprecherin Merk. «Deshalb kann es, wenn sich sehr viele Leute auf sehr engem Raum aufhalten, zu temporären Kapazitätsengpässen kommen.» Das könne man «leider» nicht zu 100 Prozent ausschliessen. «Wir erwarten jedoch keine grundsätzlichen Probleme», so Merk.

Kein Public Viewing

Wo gehen eigentlich Tennisbegeisterte hin, wenn sie den Match mit Gleichgesinnten schauen wollen? Der Tennisfan scheint kein Gemeinschaftstier zu sein: Wer den Match nicht am Arbeitsplatz schaut, tut das zu Hause. Das Clubhaus sei im Winter einfach zu wenig gemütlich für einen geselligen Anlass, sagt Louis Erb, Präsident des TC Ried Wollerau. Am Wohnort von Roger Federer gibts auch keine Beiz, die aus dem heutigen Spiel Kapital zu schlagen versucht oder wenigstens die Gemeinschaft vor dem Bildschirm beschwört.

Fast ein Exot ist der Tennisclub Waidberg, hoch über Zürich: Da schauen 40 Mitglieder den Match gemeinsam auf Grossleinwand. Doch das Happening ist dem Zufall geschuldet. «Wir halten ohnehin heute Nachmittag unsere Generalversammlung ab», sagt Vorstandsmitglied Marlène Zahno Schweizer. Beim Tennisclub Seebach tritt einer an, endgültig zu beweisen, dass Sport vor dem Fernseher, auch gemeinsam genossen und von Weltklasse, nichts ist gegen eine Stunde auf dem Platz mit dem Racket in der Hand: Martin Egli, der Anlagechef vom TC Seebach. Er könne den Match nicht schauen, weil er freitagnachmittags seine fixe Platzstunde habe, sagt der 70-Jährige. «Da stehe ich wie immer auf dem Platz.»

Lieber irisches Rugby

Obwohl es sich rühmt, neben Fussball und Rugby auch die wichtigen Tennisspiele zu übertragen, bewirbt das Irish Pub Paddy Reillys in Zürich den Davis-Cup-Final auf seiner Website nicht. Man konzentriere sich lieber auf die irische Rugby-Provinzmeisterschaft heute Abend, meint ein Barmann auf Anfrage. «Aber wenn Sie wissen, auf welchem Kanal das Spiel läuft: kein Problem!»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 21.11.2014, 12:13 Uhr)

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