Zürich

Tödliche Schüsse im Asylzentrum

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 03.12.2012

Ein 22-jähriger Schweizer hat am Wochenende im Durchgangsheim Embrach einen Mann umgebracht. Der Fall gibt Rätsel auf.

Ein rassistischer Hintergrund der Tat wird ausgeschlossen: Tatort Durchgangszentrum am Römerweg in Embrach.


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Die Meldung traf kurz vor Mitternacht bei der Polizei ein: Auf dem Gelände des Durchgangszentrums Embrach sei geschossen worden, ein Mann liege am Boden. Die Polizisten, die in der Nacht auf Samstag zu dem Barackenlager ausrückten, versuchten das Opfer zu reanimieren. Erfolglos – der Unbekannte starb kurz darauf noch am Tatort an seinen schweren Schussverletzungen.

Zur selben Zeit griff ein 22-jähriger Mann zum Telefon und meldete sich bei der Polizei. Er sagte, er sei die Person, die im Durchgangsheim geschossen habe. Beamte verhafteten den jungen Mann noch während der Nacht in seiner Wohnung. Laut einem Polizeisprecher wurde der mutmassliche Todesschütze gestern noch verhört. Mehr, als dass es sich vermutlich um einen gebürtigen Schweizer handle, wollte der Sprecher nicht sagen.

Matthias Stammbach von der zuständigen Staatsanwaltschaft IV gibt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet an, dass «wegen Kollusionsgefahr» nun ein Antrag auf Untersuchungshaft für den Täter gestellt werde. Damit soll also verhindert werden, dass sich der Mann mit anderen absprechen könnte. Angaben zu seinem Motiv und anderen Hintergründen der Tat will Stammbach nicht machen.

Rassistisches Motiv ausgeschlossen

Mehrere Medien berichteten, dass der Täter im Durchgangszentrum seine serbische Freundin und deren Familie besucht habe. Laut Augenzeugen handelt es sich beim Toten um einen Tunesier. Die Polizei gab hingegen lediglich bekannt, dass das Opfer kein regulärer Bewohner des Durchgangsheims gewesen sei. Der Sprecher liess auch durchblicken, dass es keine Hinweise auf einen politischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat gibt. Die Zurückhaltung der Polizei bei der Information begründete der Sprecher damit, dass die Untersuchungen noch laufen würden und nicht beeinflusst werden sollten.

Das Durchgangszentrum Embrach geriet Anfang dieses Jahres in die Schlagzeilen, als bei einer Razzia fünf Männer verhaftet wurden. Bei einem war ein gestohlenes Handy gefunden worden, die anderen vier hatten sich als «Fremdschläfer» dort aufgehalten. Sie hatten in den Baracken übernachtet, obwohl gegen sie Einreisesperren oder Hausverbote verhängt worden waren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2012, 09:52 Uhr

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