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Tödlicher Velounfall: «Aus Platzgründen kann kein Radstreifen markiert werden»

Der Mängelmelder «Züri wie neu» ist seit März online. Nun wird bekannt, dass dort die Stelle beim HB, wo Ende September ein Velofahrer ums Leben kam, im Juli gemeldet wurde.

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Gestern ist der Mängelmelder «Züri wie neu» ein halbes Jahr alt geworden. Die Stadt Zürich äusserte sich gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erfreut über den bisherigen Erfolg und die grosse Zahl der Meldungen. Nun empören sich Velofahrer auf der Facebook-Site Züri by Bike darüber, dass die Stelle des tödlichen Velounfalls vom 23. September bereits im Juli als grosses Risiko gemeldet worden war. «Autofahrer erwarten keinen Spurenwechsel von Velos, und es kommt zu gefährlichen Situationen», hat eine Nutzerin geschrieben (siehe Bildstrecke).

Die Stadt antwortete zwei Wochen später, die kritisierte Verkehrsführung sei bedingt durch die Baustelle der Durchmesserlinie. Sobald diese aufgehoben sei, werde «die Verkehrsführung Ende Jahr 2013 wieder in den ursprünglichen Zustand überführt». In diesem Endzustand werde die Veloführung «wieder optimiert» sein. «Bis dahin kann aus Platzgründen kein Radstreifen markiert werden.»

Eine Meldung von vielen

Heiko Ciceri von der Dienstabteilung Verkehr will auf diese Meldung auf «Züri wie neu» nicht weiter eingehen. «Wir erhalten häufig Meldungen über Örtlichkeiten, wo nach dem Empfinden der Velofahrenden und anderer Verkehrsteilnehmenden die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist», sagt er. Diese Schilderungen deckten sich erfahrungsgemäss aber nicht immer mit den Einschätzungen ihrer Fachleute.

Zum Unfallhergang wartet die Stadt laut Ciceri derzeit den polizeilichen Untersuchungsbericht ab. Dieser wird aufzeigen, wie, warum und vor allem wo genau sich der Unfall ereignet hat und wo letztlich die Ursache für den Unfall zu suchen ist. Diese Erkenntnisse haben dann auch Einfluss auf allfällige Massnahmen, wenn ein Zusammenhang zwischen der Unfallursache und der Infrastruktur bestehen sollte.

Bauinstallation im März weg

Voraussichtlich in einem halben Jahr wird die Bauinstallation abgebaut. Die Sicht- und Platzverhältnisse in der Unterführung würden dann wieder besser, sagt Ciceri. «Zur Diskussion steht, den frei werdenden Raum für die Veloführung zu nutzen.»

Unabhängig von diesem tragischen Unfall plant die Verwaltung schon seit einiger Zeit, für den Abschnitt des Bahnhofquais zwischen dem Landesmuseum und der Rudolf-Brun-Brücke für die Zeit nach dem Abbruch der Bauinstallationen Verbesserungen zu erzielen. Doch Ciceri räumt ein: «Die Lösungsfindung gestaltet sich schwierig, da aufgrund der lokalen Gegebenheiten mit Mauern links und rechts die Platzverhältnisse vorgegeben und Normen bei den Spurbreiten zu berücksichtigen sind.»

Veloförderung im Masterplan deklariert

Dass es in der Stadt Zürich etliche Stellen gibt, die für den Veloverkehr nicht optimal sind, sei der Stadt durchaus bewusst, sagt Ciceri. «Doch der Stadtrat hat mit dem Masterplan Velo seine Absicht zur Förderung der sicheren Veloinfrastruktur deutlich gemacht.» Bereits heute würden grosse Anstrengungen unternommen, die Situation zu verbessern. Dazu gehören auch punktuelle Massnahmen wie beispielsweise die Roteinfärbung von Velostreifen an kritischen Orten wie dem Bucheggplatz, der Nordseite des Hauptbahnhofs, der Uraniastrasse (Ausfahrt Parkhaus) oder eben das Bahnhofquai vor und nach der Ein- und Ausfahrt. Andere Massnahmen benötigen längere Planungs- und Umsetzungszeit.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 14:05 Uhr

Der tote Winkel eines LKW: Die Sicht des Lenkers. (Video: Nöell König, Jan Derrer)

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