Zürich
«Trennt das Sozialwesen von der Politik und lasst die Ärzte entscheiden»
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 14.09.2011 55 Kommentare
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Der Fall von Elsbeth Isler, der nach sechs Jahren die IV-Rente gestrichen wurde, wurde innert kurzer Zeit weit über 200 Mal kommentiert. Dass die Betroffene den Grossteil ihrer IV-Rente verloren hat, weil ein Begutachtungsinstitut sie im Widerspruch zu vorliegenden Attesten von Fachärzten zu 80 Prozent arbeitsfähig erklärte, löste bei einem Grossteil der Leserschaft Betroffenheit und Empörung aus. In der Kommentarspalte machen viele die bürgerliche Politik und insbesondere die SVP für diese «perverse Politik» verantwortlich, wie es Walter Kuhn in scharfe Wort fasst.
«Solche Schicksale, die tausende Behinderte betreffen, sind die Folge der 5. IV-Revision, die von der SVP und FDP angezettelt und propagiert worden ist», schreibt Walter Koller. Für Tamara Kuster ist es «ein absoluter Skandal, wie die IV mit Menschen umgeht». Das verwundert Ursi Brock nicht: «Die Haltung der IV ist genau so, wie es die bürgerlichen Vorgaben und ihre Mehrheiten verlangen.»
«Finanziell abhängig von der IV»
Stark kritisiert wird neben der Volkspartei auch das Ärztliche Begutachtungsinstitut (Abi) aus Basel. «Diese Gutachter sind finanziell abhängig von der IV», schreibt ein Leser. Dass dieses Institut zur Integration beiträgt, glaubt Mani Jäggi nicht: «Seit 1961 gilt bei der IV der Leitsatz Integration vor Rente». Heute gelte aber eher «Desintegration nach Rente».
Für Hansueli Zürcher stellt sich die Frage, ob die «menschenverachtende Behandlung der IV die Menschen nicht noch eine Spur kranker macht?» Für ihn ist «grausam, was dieser Frau angetan wird.» Ein Leser hält dem entgegen, dass auch in der IV Sparen «richtig und wichtig ist». Eine Leserin wirft die Frage auf, wie viel Wettbewerb es bei Kranken vertrage. Sie zweifelt daran, dass ein privates System die Aufgaben der staatlich geführten IV besser bewältigen kann.
«So verleidet einem das Leben»
Einen anderen Vorschlag hat Toni Casi: «Trennt das Sozialwesen von der Politik und lasst die Ärzte entscheiden.» Ihm sei etwas ähnliches passiert wie Elsbeth Isler. Dabei hatte er mit einer grossen Versicherung zu tun, bei der «eine ehemalige Krankenpflegerin über die Ärzte gestellt wurde und katastrophale Entscheide gefällt hat». Er könne solchen Personen nur wünschen, dass sie auch in solche Situationen kommen.
Mit Peter Klein meldete sich ein weiterer Leser, der angibt, fünf Rückenoperationen gehabt zu haben. Daraus resultierte eine Rückenversteifung, welche eine IV-Ärztin begutachtete. «Von ihr musste ich mir sagen lassen, mit etwas Muskelaufbau in den Beinen komme das schon in Ordnung.» Für Klein ist klar: «So verleidet einem das Leben.»
Dirk Lange sieht es anders: «Tragische Einzelschicksale wird es immer geben.» Daraus pauschal die IV in Frage zu stellen ist seiner Ansicht nach «billig». Auch wenn vereinzelte Leser sich ebenfalls hinter die IV stellen so ist für viele – unabhängig von der politischen Einstellung – klar, was sie tun können: «Nehmt an den Wahlen im Oktober teil.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.09.2011, 16:31 Uhr
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55 Kommentare
Wie wär's wenn man statt von "Scheininvaliden" mal von "Scheinunternehmen" reden würde - nämlich Unternehmen, welche hauptsächlich von Subventionen leben und auf einem freien Markt sonst nicht überlebensfähig wären. Davon gibt es in CH eine ganze Menge, welche den Steuerzahler viel Geld kosten! Antworten
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