Triathlon-Unfall: War alles ganz anders?

Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 28.07.2010

Hat sich der Unfall vom Sonntag anders abgespielt? Laut einer Zeugin stürzte die 85-Jährige von sich aus – und wurde nicht von einem Triathleten angefahren.

Die Ermittler kommen einen Schritt weiter: Einer der Zeugen fuhr direkt hinter dem mutmasslichen Täter.

Die Ermittler kommen einen Schritt weiter: Einer der Zeugen fuhr direkt hinter dem mutmasslichen Täter.

Der Zeugenaufruf der Kantonspolizei in den Medien hat offenbar gewirkt. Es hätten sich mehrere Personen gemeldet, die den Unfall beobachtet hätten, sagt Kapo-Sprecherin Silvia Killias. Darunter sowohl Zuschauer als auch Triathleten. Beim Ironman Switzerland soll am Sonntagmorgen in Uetikon am See eine betagte Frau beim Passieren der Strasse von einem Velofahrer erfasst und verletzt worden sein. Der Unfallverursacher in einem weissen Trikot sei unerkannt davongefahren – so die Aussage des damals einzigen Zeugen.

Triathlet wurde überholt

Inzwischen ist es aber nicht mehr so sicher, dass die Frau wirklich durch den Velofahrer zu Fall kam. Oder ob sie ohne Fremdeinwirkung fiel und der Velofahrer beim Ausweichmanöver stürzte. Laut Martin Koller, dem OK-Präsidenten des Zürcher Ironman, hat sich bei den Organisatoren eine Zeugin gemeldet, deren Aussagen im Widerspruch zum ursprünglich verbreiteten Unfallhergang steht. «Wir haben ihre Aussagen der Polizei übergeben, die sie nun auswertet.»

Auch bezüglich der Identität des mutmasslichen Unfallverursachers sei man einen Schritt weitergekommen, sagt Koller. Denn es hätte sich ein Ironman-Teilnehmer gemeldet, der unmittelbar hinter diesem fuhr. Dieser Zeuge hielt aber beim Unfall nicht an, weil sich schon andere Personen um die am Kopf verletzte Frau kümmerten. Er überholte den unbekannten Triathleten und erreichte vor ihm das Ziel. Damit, so Koller, wisse man zeitlich ziemlich genau, wann der Unbekannte das Ziel an der Landiwiese erreicht haben müsse – falls er den Wettkampf nicht aufgegeben habe.

Sperrung gäbe Verkehrschaos

Koller reagiert auch auf den Vorwurf, dass die Rennstrecke nicht abgesperrt war, wie dies teilweise bei Ironman-Wettkämpfen im Ausland der Fall ist. Seiner Meinung nach wäre der Unfall damit nicht vermeidbar gewesen, denn die Fussgänger könnten auch im Ausland die für den Autoverkehr gesperrten Strassen passieren. Laut Silvia Killias von der Kantonspolizei kommt eine vollständige Sperrung der ganzen Strecke aufgrund der engen Platzverhältnisse in Zürich nicht infrage: «Das würde ein grosses Verkehrschaos geben.»

OK-Präsident Martin Koller betont, dass man die Triathleten immer darauf aufmerksam mache, dass beim Wettkampf weiterhin das Strassenverkehrsgesetz gelte und man entsprechend fahren müsse. Die Anwohner in den betreffenden Gemeinden seien mit Flugblättern, Plakaten und auf der vereinseigenen Homepage über den Anlass informiert worden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2010, 23:01 Uhr

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