Trübe Aussichten für den Fussball

Der Stadtrat lässt nach dem hauchdünnen Nein zum Stadion Zürich alle Hoffnung fallen, dass in absehbarer Zeit eine Fussballarena entsteht. Aber die Suche nach Alternativen hat schon begonnen.

Ein Fan versucht, GC-Präsident André Dosé (links) und Sportchef Dragan Rapic (Mitte) aufzumuntern.

Ein Fan versucht, GC-Präsident André Dosé (links) und Sportchef Dragan Rapic (Mitte) aufzumuntern. Bild: Reto Oeschger

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Auf dem Grossbildschirm schlägt Salatic eine Flanke. Im Bauch des Letzigrunds schaut niemand hin, weil alle auf einen Laptop starren. Auf dem Rasen liegen die Grasshoppers mit einem Tor vorne, auf der Website der Stadt mit 349 Stimmen hinten. Ein Resultat, das die Kreise 7 und 8 drehen könnten. Draussen reissen die Zuschauer die Arme in die Höhe – das zweite Tor, drinnen halten sie sich die Hände vors Gesicht. Der Zürichberg hat mit dem höchsten Anteil Nein-Stimmen den Hardturm versenkt.

«Das wars», sagt einer. «Grüezi mitenand», sagt kurz später André Dosé. Die Grasshoppers sind neuer Leader, aber ein Leader ohne Fussballstadion. Weil Widerstand programmiert sei, wenn die öffentliche Hand mit einem Grossprojekt antrete. Weil dieses zu komplex gewesen sei, um die Kostenrechnung einfach rüberzubringen, wie André Dosé sagt.

Der Präsident ist enttäuscht. Aber, einer der aufgebe, sei er nicht. Gedanken über einen Plan B habe man sich gemacht, spruchreif sei aber nichts. «Ich muss ja niemandem erklären, wie schwierig in Zürich die Realisierung eines Projektes mit Mantelnutzung wäre. «Vielleicht im Kanton? Wir werden alles anschauen.»

Urs Egger, der Präsident der IG Stadion und FDP-Gemeinderat, hat da seine Meinung gemacht. Dübendorf, Kloten das Limmattal? Der ZSC habe es jahrelang versucht und sei für ein neues Stadion nun doch wieder in der Stadt gelandet. «Es gibt keine Gemeinde, die ein Stadion will.»

Auch Mauch bedauert das Nein

Im Stadthaus hält unterdessen der Stadtrat seine Pressekonferenz ab. Corine Mauch, die SP-Stadtpräsidentin, sagt: «Wir akzeptieren den Entscheid.» Am Schluss hätten die vielen verschiedenen Bedenken und Widerstände gegen das Stadion zusammen den Ausschlag gegeben. Im Namen des ganzen Stadtrats bedauert Mauch, «dass Zürich nun für sehr lange Zeit keine adäquate Arena bekommen wird». Das Leichtathletikstadion Letzigrund werde damit zu einer dauerhaften Notlösung.

Dann gibt sie das Wort weiter an André Odermatt, ebenfalls von der SP und zuständig für den Hochbau. Auch er lässt keinen Zweifel daran offen, dass weder auf dem Hardturm noch anderswo ein Fussballstadion gebaut werden kann. Dann ist der «Sportminister» an der Reihe, Gerold Lauber von der CVP. Er lässt ebenfalls keine Hoffnung zu. «Wir haben alle möglichen Standorte geprüft, es gibt nirgends Platz für ein Fussballstadion», sagt er auf Nachfrage eines Journalisten. Es ist die letzte, abschliessende Antwort an dieser Pressekonferenz.

Fritz Peter, den 80-jährigen ehemaligen Präsidenten von GC, ärgert diese Haltung masslos. «Die spielen jetzt beleidigte Leberwurst», sagt er. Er will schon heute Montag mit einem Investor verhandeln und neue Lösungen aufzeigen. Den Namen des Investors nennen will er nicht, auch keine weiteren Informationen dazu verbreiten. Dabei ist eine private Finanzierung nur eine von zwei Möglichkeiten, die Peter weiterverfolgen will. Auch eine kostengünstigere, öffentliche Lösung kommt für Peter infrage. Er sieht vor allem die hohen projektierten Baukosten des geplanten Stadions als Hauptgrund für die Ablehnung.

«Es wird Investoren geben»

Genau das, was Fritz Peter jetzt macht, hat sich Gian von Planta erhofft. Der grünliberale Gemeinderat sagt, es sei jetzt an denen, die ein Interesse an einem Fussballstadion haben, sich dafür zu engagieren. «Ich bin sicher, dass sie Investoren dafür finden werden, wenn der Bedarf dafür so gross ist», sagt von Planta. Aber es sei nicht an ihm, jetzt einen Plan B zu präsentieren.

Von Planta hatte sich an die Spitze des Widerstands gegen das Stadion gestellt. Und zwar bereits, als es noch als zwecklos galt, sich dagegen aufzulehnen. So deutlich, mit 101 gegen 15 Stimmen, hatte der Gemeinderat dem Kredit zugestimmt. Auch von Planta findet, dass Zürich ein Fussballstadion guttäte, aber er zweifelt.

Als Alternative zu einem neuen Stadion wird immer wieder auch der von den Fans geschmähte Letzigrund genannt. Und siehe da: Das Leichtathletikstadion muss ohnehin schon bald dem Fussball besser angepasst werden. Der Fussballverband verlange dies schon länger, sagt Sportvorstand Lauber. «Wir mussten bisher die Anpassungen nicht machen, weil wir ja das neue Stadion planten.» Aber jetzt werden die Anpassungen dringend. Sie sollen laut Lauber einige Hunderttausend Franken kosten, sicher unter eine Million. Aber damit würden nur die dringendsten Sicherheitsmängel gelöst. «Die Wünsche der Fans im Letzigrund zu erfüllen, wird sehr schwierig», sagt Lauber. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.09.2013, 07:57 Uhr)

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