Ulrich Schlüer: «Ich habe den Muezzin gar nicht gehört»
Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 07.12.2009 90 Kommentare
SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer: Unbekannte weckten seine Nachbarn mit Muezzin-Klängen. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)
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Vor zwei Wochen wurden Sie am Sonntagmorgen von ohrenbetäubenden Muezzin-Gesängen geweckt, stand in der «SonntagsZeitung». Für Sie wohl kein angenehmer Weckruf?
Ich selber wurde gar nicht geweckt, da ich bereits im Büro sass. Den Muezzin habe ich also gar nicht gehört. Aber meine Nachbarn im Dorf wurden zum Teil aus dem Schlaf gerissen.
War das vergangene Wochenende ruhiger für Flaach?
Da war nichts, seit der Abstimmung blieb es sehr ruhig im Dorf.
Ihnen ist das Kennzeichen des Autos bekannt, welches mit Muezzin-Gesängen bei Ihnen vorfuhr. Werden Sie Anzeige erstatten?
Nein, ich kam persönlich nicht zu schaden. Das Auto gehört aber der ETH, also der Eidgenossenschaft. Die ETH müsste wegen Entwendung zum Gebrauch vorgehen. Ich habe den Bundesrat angefragt, ob das im Sinn des Bundesrats sei, dass Fahrzeuge, die dem Bund gehören, für unbewilligte Demos eingesetzt werden. Jetzt bin ich gespannt auf die Antwort, die ich heute Nachmittag in der Fragestunde erwarte.
Sie gelten als geistiger Vater der Minarett-Initiative. Wie sind die Reaktionen auf Sie persönlich seit letztem Sonntag?
Nachdem bekannt wurde, dass die Initiative angenommen wurde, habe ich in nur zwei Tagen 2800 E-Mails bekommen. 95 Prozent davon waren positiv bis sehr positiv.
Und die restlichen fünf Prozent?
Die waren konstruktiv-kritisch. Es waren jedoch auch Unflätigkeiten darunter.
Zum Beispiel?
Es handelt sich um das übliche Repertoire von unanständigen Schimpfwörter.
Drohungen haben Sie also keine erhalten?
Nein, ich habe keine Drohungen bekommen. Im Abstimmungskampf haben wir rund 200 Veranstaltungen durchgeführt, keine einzige geriet aus dem Ruder.
In Fernsehbeiträgen konnte man angeregte Diskussionen zwischen linken und rechten Parlamentariern sehen, die die Streitgrenze erreichten. Hat sich das Klima in der Wandelhalle verändert?
Davon spüre ich nichts. Dass jetzt einige unserer politischen Gegner die Ausschaffungsinitiative verhindern wollen, hat zur Folge, dass sie uns noch mehr Wähler in die Arme treiben.
Was halten Sie von der Ankündigung vom Club Helvétique, das Minarettverbot via Initiative rückgängig machen.
Grundsätzlich ist dies gestattet in unserer Demokratie. Ich finde es eigenartig, weil der Club Helvétique argumentiert, sie hätten es verpasst, rechtzeitig einen Gegenvorschlag zu machen. Dass sie nun eine Woche nach der Abstimmung das Resultat korrigieren wollen, finde ich seltsam. Bei kühler Überlegung hat man wohl gemerkt, dass der Weg über das Europäische Gericht schwieriger ist, als der über eine Initiative.
Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2007 wurden Sie nicht mehr gewählt. Vor einem Jahr rückten Sie für Ueli Maurer nach. Jetzt sind Sie für die Minarettgegner der Held der vergangenen Abstimmung. Wie gehen Sie um mit diesem eklatanten Wandel?
Mit Heldentum kann ich wenig anfangen. Wir haben erkannt, wo die Bevölkerung Probleme hat. Das Abstimmungsergebnis bestätigt uns, dass wir richtig lagen. Die Initiative haben wir übrigens im Jahr 2007 gestartet, als ich noch im Nationalrat sass.
Die SVP setzt bei den Wahlen 2011 auf Ausländerfragen. Was folgt auf das Minarettverbot?
Im Moment ich bin klar der Auffassung, wir haben mit dem Minarett das zentrale Symbol ins Zentrum gerückt. Ein Burka- oder ein anderes Verbot ist kein Thema zurzeit. Jetzt geht es darum, den Willen des Souveräns umzusetzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.12.2009, 16:07 Uhr
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90 Kommentare
Gute, besonnene und vernünftige Argumentation von Nationalrat Ueli Schlüer! Er ist vertrauenswürdig, im Gegensatz zu den arroganten Anti-Demokraten des "Club Hélvetique", die das Ergebnis einer klaren Volks-und Kantonsmehrheit nicht annehmen wollen. Es sind jedoch (fast) immer die Gleichen. Die kennt man. Sie sollten sich schämen. Antworten
falls jemand das thema "minarette" weiter vertiefen möchte, auf spiegel online forum gibt's eine hochstehende diskussion darüber. wer augen hat und lesen kann, dem werden sie aufgehen :-) jedenfalls sind die mehrheit der deutschen unglaublich froh, das es in der schweiz eine solche initiative gab. und wir werden aufgrund unserer direkten demokratie beneidet. Antworten


































