Zürich

Um zu sparen, bittet die Regierung die Uni und Bedürftige zur Kasse

Der Zürcher Regierungsrat will mit einem 2-Milliarden-Sanierungspaket den Haushalt ins Lot bringen.

Will bei der Volksschule nicht sparen: Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Will bei der Volksschule nicht sparen: Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Kaum lagen die Sparpläne der Regierung auf dem Tisch, ging gestern das grosse Gezeter los: Die Naturschützer jaulten auf, das Staatspersonal reklamierte, und die Parteien kritisierten «San 10» fast durchs Band.

Stumm hingegen blieben jene, die den grössten Beitrag zum 1,9-Milliarden-Sanierungspaket leisten: die Universität und die Fachhochschulen, denen die Regierung bis 2014 rund 144 Millionen streicht. Und die 400 000 Zürcherinnen und Zürcher, die ihre Krankenkasse nicht allein zahlen können – und bald 126 Millionen weniger Prämienverbilligungen erhalten. Als grossen Sanierungsposten verbucht die Regierung die 273 Millionen, die Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) mit dem neuen Spitalfinanzierungsgesetz einsparen will. Ihnen stehen allerdings happige Mehrkosten für die Spitäler gegenüber.

Mathematik statt Politik

Es lag an der intern heftig umstrittenen Sparmethode des Regierungsrats, dass der Kanton bei Gesundheit und Bildung am meisten spart (siehe Grafik). Das Siebnergremium rang sich nicht dazu durch, in einer gemeinsamen Verzichtsplanung politische Schwerpunkte zu setzen. Stattdessen setzte es «Rasenmäherkürzungen» in allen Direktionen durch und nahm zusätzlich jene Ressorts am stärksten in die Pflicht, die den grössten Kostenschub verzeichnen – das ist vor allem die Gesundheit.

«Als die Methodik feststand, war es reine Mathematik, dass es meinen Bereich ganz stark trifft», sagt Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP). Er entschloss sich darauf, bei einem seiner grössten Posten, den Prämienverbilligungen, den Rotstift anzusetzen. Aktuell belaufen sich diese auf 700 Millionen und kosten den Kanton jedes Jahr mehr, weil die Prämien steigen. Heiniger erfüllt einen Wunsch der bürgerlichen Parlamentsmehrheit, wenn er jetzt den Kantonsbeitrag um 20 Prozent kürzt. «Deswegen gerät niemand in Not, weil trotzdem jedes Jahr mehr Geld im Topf liegt und wir über Auffangnetze für die Ärmsten verfügen.» Der Haken an der Sache ist, dass ihm das Volk einen Strich durch die Rechnung machen kann, wenn es nächsten Frühling einer AL-Volksinitiative zustimmt. Diese verlangt für 2012, die Prämienverbilligungen um 15 Prozent aufzustocken.

Aeppli will Hauswirtschaftskurse wieder fallen lassen

Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) wiederum ist froh, dass Volks- und Mittelschulen fast ungeschoren davonkommen. Anders als bei früheren Sparprogrammen muss sie keine Klassen vergrössern, Lehrerstellen streichen oder Lektionen kürzen. Auch die Abschaffung des Langzeitgymi war kein Thema. Stattdessen bluten diesmal die Hochschulen – Uni, ZHAW, ZHdK und PHZH. Laut Aeppli können sie das verkraften, ohne die Studiengebühren zu erhöhen. Ein Hin und Her zeichnet sich bei den Hauswirtschaftskursen an den Kurzzeitgymnasien ab: Das Parlament hat sie eben erst eingeführt, jetzt will sie Aeppli schon wieder fallen lassen.

Die anderen Regierungsräte hatten weit kleinere Sparopfer zu erbringen. Weniger Geld fürs Opernhaus, weniger Bildung im Strafvollzug oder weniger Stellen für die Denkmalpflege als geplant: Mit 221 solcher Massnahmen entlastet die Regierung den Haushalt bis 2014 um 1,5 Milliarden. 15 davon müssen vors Parlament oder sogar vors Volk. Der Kanton baut 20 Stellen ab und verzichtet auf 17 neue Planstellen. Besonders leicht hatte es Sicherheitsdirektor Hans Hollenstein (CVP), der verkehrspolizeiliche Aufgaben einfach aus einer anderen Kasse bezahlen lässt.

Nicht wenige Einsparungen der Regierung beschränken sich zudem darauf, Ausgaben hinauszuzögern statt zu hinterfragen. Das gilt besonders für die 31 Massnahmen, welche die Investitionsrechnung um total 288 Millionen entlasten sollen. Der Regierungsrat schiebt Strassen-, Spital-, Schul- und Heimbauten hinaus. Am teuren Polizei- und Justizzentrum und dem Durchgangsbahnhof hält er dagegen fest, weil sie «für den Standort sehr wichtig sind» (Baudirektor Markus Kägi, SVP).

Kein Teuerungsausgleich 2012

Weil die Steuern sprudeln, schaut 2010 und 2011 in der Rechnung des Kantons ein Ertragsüberschuss heraus. Von diesen verbesserten Aussichten profitiert auch das Personal: Statt 300 Millionen muss es noch 273 Millionen zum Sparziel beisteuern. Der Teuerungsausgleich soll nur 2012 ausfallen. Weniger Geld steht auch für individuelle Lohnerhöhungen zur Verfügung.

Die Vereinigten Personalverbände kritisieren, dass die Regierung das Personal darben lässt und gleichzeitig den Reichsten Steuergeschenke macht. Diese Steuerrevision wurde allerdings auf frühestens 2012 verschoben – genauso wie der Ausgleich der Kalten Progression. Noch nicht beziffern kann Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP), wie stark «San 10» die Gemeinden belastet. «Das hängt stark vom neuen Finanzausgleich ab.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2010, 10:55 Uhr

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24 Kommentare

Hugo Bohnenblust

10.09.2010, 16:49 Uhr
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Es ist zum Haare raufen welchen Scharmützel wir diesen sog. Politikern ausgesetz sind. Unfähige Personen die Gelder von Versicherten veruntreuen, sowie Vorgesetze welche dulden oder zusehen, dass während der Arbeitszeit Prono's konsumiert werden und Ihre Posten behalten können. Übrigens will ich wissen wozu die Gelder werwendet weden?? und immer bei den falschen die Lohnschere angesetz wird. Antworten


Andreas Krebs

09.09.2010, 11:47 Uhr
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@Lais. Ich bin ja auch für Sparen, und damit wohl nicht auf Ihrer Linie. Aber das bedingt meiner Meinung nach eine Verzichtplanung, die von der Bevölkerung getragen werden müsste. Aber aus Erfahrung wissen wir: wer spart, wird politisch abgestraft. Aber in dieser Form ist Sparen unredlich. Und wenn die Bevölkerung nicht sparen will, muss sie halt mehr und nicht weniger Steuern zahlen. Antworten


Ruedi Lais

09.09.2010, 11:01 Uhr
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@Krebs: Sie können sich darauf verlassen, dass das Volk zu grossen Teilen von San10 wird entscheiden können, wenn dieses Paket im Kantonsrat überlebt. Und ausserdem kann das Volk bei den nächsten Wahlen vom April 2011 seine Meinung zu Leistungsabbau und Steuergeschenken ausdrücken. Die FDP/SVP-Mehrheit im RR macht Abbaupolitik, weil die Wählerschaft Steuersenkungen für Reiche wollte. Antworten


Andreas Krebs

09.09.2010, 09:39 Uhr
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Wäre doch schön, wenn die bürgerliche Mehrheit ihre Vorschläge mal dem Volk unterbreiten würde: Die Steuersenkungen mit den damti verbundenen Einsparungen im gleichen Antrag... Einmal mehr spart der Kanton, in dem er Kosten abwälzt - auf die Gemeinden, in die Zukunft. Und zuletzt gibt es ja immer noch das Staatspersonal, das Lohneinbussen in Kauf nehmen darf - auch erneut die Lehrer? Antworten


Rene Wetter

09.09.2010, 09:28 Uhr
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Wir haben es ja in der Hand: Die bürgerliche Mehrheit will die 13. Progressionsstufe streichen, d.h. die Steuern für die Reichsten senken. Sagen wir NEIN zu diesem Vorhaben und wählen wir keine Leute die nur die Interessen der oberen 10000 warnehmen. @Marianne Steiner: Weder Hafenkran noch Nagelhaus haben was mit der kantonalen Regierung zu tun, informieren sie sich richtig. Antworten


Jonas Schmid

09.09.2010, 00:15 Uhr
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Die bürgerlich dominierte Kantonsregierung schnürt hier ein Sparpaket, das so unter keinen Umständen umgesetzt werden darf. Letztes Jahr wurden bereits 22 Millionen bei den Fachhochschulen gespart, ade duales Bildungssystem,.... Danke FDP Kantonsrätin aus Richti, die sagt das sind ja nur 200 Franken im Monat, das müsst ihr halt noch zusätzlich verdienen. Sie hat ja schliesslich ca 300 Franken/h Antworten


Martina Puls

08.09.2010, 16:02 Uhr
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Wieso ein Opernhaus, ein Kinokomplex, ein Schauspielhaus, ein Kongresshaus, eine Einkaufsmeile Bahnhofstrasse, ein Börsenhaus....wir haben doch SFR??!! Oder genügt nicht einfach in Zukunft ein Handy und die Subkultur erreicht alle Besitzer vollumfänglich?? Alles streichen, dann ist's gut. Antworten


Robert Marek

08.09.2010, 15:58 Uhr
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Bei den Bildungsausgaben könnte - ohne Qualitätsabstriche - deutlich gespart werden, wenn günstiger gebaut würde. Die öffentliche Hand baut viel zu luxuriös und durch die Mitwirkung unzähliger Amtstellen und wegen unnötiger Vorschriften/Gesetze sind Schulhäuser und Universitätsgebäude hier in der Schweiz viel zu teuer. Diese Behauptung wird durch internationale Vergleichs-Studien unterstützt. Antworten


Marianne Steiner

08.09.2010, 15:42 Uhr
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Braucht es am Escher Wyss-Platz das teure Nagelhaus für 5,9 Mio Franken oder den lächerlichen Hafenkran? Bei der Bildung sparen und bei Ueberflüssigem klotzen, wie abgehoben, oder dumm, ist eigentlich unsere Regierung? Antworten


marc michel

08.09.2010, 15:34 Uhr
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weniger geld bei der bildung, weniger geld beim personal, das ist fdp-politik! warum nicht mehr steuern bei den spitzenverdienern? Antworten


Leo Nauber

08.09.2010, 14:45 Uhr
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@mari berner: Grundsätzlich haben Sie recht. Nur, sehr viel vom Geld, das heute in Uni, ETH etc. investiert wird, geht nicht zugunsten (bedürftiger) Schweizer, sondern Ausländer. Ich kenne mehrere Schweizer, die aussen vor bleiben müssen, während aus "gutem" oder zumindest vermögendem Hause stammende Ausländer hier tüchtig profitieren. Das ist auch icht gerade das Gelbe vom Ei oder? Antworten


Hans Ulrich Suter

08.09.2010, 14:41 Uhr
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@maria berner.... Es wird ja eben nicht bei den Sozialwerken gespart, sondern bei der Bildung und den Löhnen.... Antworten


Felix Hoesch

08.09.2010, 14:00 Uhr
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Zwar budgetiert der Kanton Zürich seit Jahren einen Verlust, macht dann aber doch einen Gewinn. Warum müssen nun die Schüler und StudentInnen darunter leiden? Damit wird die Zukunft Zürichs und damit der Wirschaftsmotor der Schweiz bedenklich gefährdet. Das San10 scheint mir vollkommen unnötig und ungerecht! Antworten


Peter Büchi

08.09.2010, 13:11 Uhr
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Wenn man die Krankenkassenverbilligung vom Kanton auf die Gemeinden abwälzt ist damit kein Rappen gespart, die Last nur verschoben. Ob ich es nun als Kantonssteuer oder Gemeindesteuer bezahlen muss ist einerlei und reine Augenwischerei! Antworten


marie berner

08.09.2010, 12:58 Uhr
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Bei der Bildung streichen und dann jammern, wir hätten zuviele ausländische Studenten und hochqualifizierte Arbeitskräfte. Ich hab ein müdes Lächeln für diese bürgerlich-konservative Politik. Gespart wird natürlich bei den sozialschwachen, welche in Zukunft mehr Krankenkassenprämien bezahlen müssen. Nur beim Strassenverkehr wird nicht gespart. Weiter so! Antworten


Emanuel Wyler

08.09.2010, 12:29 Uhr
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Dem Kanton Zürich geht es sehr gut – finanziell (das haben die neusten Berichte für Steuereinnahmen und die laufende Rechnung gezeigt) und sonst wegen seiner guten Infrastruktur (Schulen, Uni, Spitäler, ÖV). Das San10 ist daher unnötig, weil der Kanton Zürich genug Geld hat. Und es schadet dem Kanton Zürich, indem es mit dem Sparkurs die oben genannten Standortvorteile schwächt. Antworten


Daniel Stanislaus

08.09.2010, 12:16 Uhr
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Einmal mehr bei der Bildungs sparen... und unsere Zukunft zerstören! Antworten


Michael Heiniger

08.09.2010, 11:58 Uhr
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Für mich immer noch ein Rätsel wieso das Opernhaus öffentliche Gelder erhält!!!! Sofort aufhören. Keine Subventionen für das Opernhaus. Antworten


Hans Meier

08.09.2010, 11:53 Uhr
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Ja, streicht bei der Bildung. Aber dann bitte nicht mehr über die deutsche Akademikerschwemme jammern, die den Schweizern die Jobs wegnimmt. Antworten


Irina Moser

08.09.2010, 11:53 Uhr
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Ja klar, immer wird bei der Bildung zuerst gespart. Dass das aber einen Rattenschwanz mit sich bringt und erst in ein paar Jahren Folgen haben wird, daran denkt niemant (Bsp. China, die dank Investitionen in die Bildung in den letzten Jahren extrem aufgeholt haben). Antworten


Matthias Aggeler

08.09.2010, 11:39 Uhr
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"Es fehlen gut ausgebildete Leute" + "Der Kanton kürzt die Gelder für Universität, Fachhochschulen, etc" Toll. Und warum brauchen wir einen Überschuss?! Antworten


Lukas Lautenschlager

08.09.2010, 11:38 Uhr
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Und mein Vorschlag: Nicht weiter die Steuern für die höchsten Einkommen und grössten Vermögen senken. Die haben in den vergangenen Jahren Steuererleichterungen von 1 Mrd./Jahr erhalten. Dann kann man nämlich auf Blödsinn wie Sparen in der Bildung verzichten. Antworten


Max Meier

08.09.2010, 11:14 Uhr
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Gut so! Vielleicht noch ein wenig bei der Administration wäre auch nicht schlecht. Staatsquote und Steuern runter und wir nähern uns wieder einem vernünftigen Umfeld an, das Privateigentum als hohes Gut anerkennt. So bleibt Zürich auf ewig attraktiv. Antworten


Jan Felix

08.09.2010, 11:04 Uhr
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Mein Sparvorschlag: Dem Opernhaus die beiträge der öffentlichen Hand streichen. (Dies sind 70 Millionen Franken pro Jahr!?!) Antworten



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