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Verwahrlosung wegen Pfusch am Bau

Von Andrea Söldi. Aktualisiert am 16.01.2012 15 Kommentare

Vom Vorzeigequartier zum Ghetto: Das Regensdorfer Sonnhaldequartier ist zum trostlosen Ort verkommen. Das gleiche Schicksal droht dem Glattpark.

Moderne Architektur einst und heute: 70er-Jahre-Siedlung Sonnhalde in Regensdorf (links) und der Glattpark, aufgenommen 2010 (rechts).

Moderne Architektur einst und heute: 70er-Jahre-Siedlung Sonnhalde in Regensdorf (links) und der Glattpark, aufgenommen 2010 (rechts).
Bild: Keystone

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Herumliegender Abfall auf dem Spielplatz, Sprayereien, zerschlagene Scheiben und überdurchschnittlich viele straffällige Jugendliche mit schlechten Bildungschancen: So präsentiert sich die unschöne Liste an Problemen, welche Bewohner, Jugendarbeiter und Behörden in der Regensdorfer Siedlung Sonnhalde festgestellt haben. Um im Quartier wieder mehr positive Energie zu wecken, erarbeitete eine Gruppe von Fachpersonen ein Konzept.

Mitte Dezember bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit, um die geplanten Massnahmen umzusetzen. In erster Linie wollen die Behörden einen Treffpunkt realisieren, der verschiedenen Bewohnergruppen offensteht. Auch Umgebungsarbeiten sollen zu einem besseren Wohngefühl beitragen. Wie aber konnte es so weit kommen, dass das sorgfältig geplante und ursprünglich als vorbildlich geltende Quartier im Ortsteil Adlikon dermassen verwahrloste?

Alteingesessene zogen weg

Vom Schweizerischen Werkbund wurde die Siedlung aus den 60er- und 70er-Jahren gar als «familien­freundliches Wohnquartier mit gehobenem Standard» ausgezeichnet. Eine gute Infrastruktur mit Kiosk, Läden, Coiffeur, Pizzeria, Bar, Metzgerei, Bäckerei, Poststelle, Robinson-Spielplatz und Kinderkleiderbörse sorgte für Lebensqualität und ein reges Quartierleben.

Doch dann ging es bergab. Anfang der 90er-Jahre wurde die Siedlung Sonnhalde teilweise saniert und verkauft. Viele Bewohner der ersten Generation zogen weg, weil der Umbau zu lange dauerte. Häufige Mieterwechsel führten zu Anonymität. Mittlerweile sind über 20 verschiedene Liegenschaftsverwaltungen zuständig. Die grosszügigen Grünflächen werden von auswärtigen Hausmeistern gepflegt.

Die anfängliche Euphorie über das fortschrittliche Quartier weckt Assoziationen: Der Opfiker Glattpark ist eine weitere Siedlung im Unterland, die nicht einfach planlos wucherte, sondern sorgsam konzipiert wurde. Mit der Gestaltung wurde ein Berliner Landschaftsarchitekturbüro beauftragt, welches ein Projekt mit dem vielversprechenden Namen «Agglos Traum» entwarf.

Ausländeranteil steigt

Doch schon nach wenigen Jahren ist der Traum für einige Bewohner zum Albtraum geworden. Die Mieter einer Überbauung beklagen sich über erhebliche Mängel: Risse in der Fassade, billige Plastikfugen, die sich lösen, Absenkungen im Laminatboden und häufig defekte Aufzüge. «Hier wird bald ein Ghetto entstehen», prognostiziert ein junges Paar, das seit zwei Jahren in der vom Generalunternehmer Leopold Bachmann erstellten Überbauung wohnt. Mit dem Glattpark an sich und der Wohnlage sind die beiden zwar zufrieden. Doch in diesen billig gebauten Wohnungen eine Familie zu gründen, können sie sich nicht vorstellen: «Der Ausländeranteil wird steigen.»

Unzufrieden ist auch eine Frau mittleren Alters, die zwar ein Haus besserer Qualität bewohnt. Doch der vom Land Hergezogenen ist es nicht wohl hier: Die Siedlung habe etwas künstlich Herbeigeführtes. Man fühle sich wie in einem Hühnerstall, kritisiert die Bewohnerin, die moderne Architektur erinnere sie an Plattenbauten. Zudem habe man kaum Privatsphäre. «Ich würde die Wohnung am liebsten verkaufen und wegziehen.» Einzig die Nähe zum Arbeitsplatz in Zürich hält sie noch hier. Positiver äussert sich ein Mann mittleren Alters: «Es gefällt mir super hier.» Er schätzt die Grünräume, den See und die gute Verbindung nach Zürich. Auch eine 17-Jährige, die mit ihrer Familie seit vier Jahren im Glattpark wohnt, ist begeistert: «Im Sommer läuft immer etwas draussen.» Man kenne sich untereinander und die Mitbewohner im Haus seien tolerant.

Zuversichtlich äussert sich Quartiervereinspräsident und SP-Gemeinderat Marc-André Senti zur Entwicklung im Glattpark: Der Verein mit seinen rund 200 Mitgliedern bemüht sich seit drei Jahren, in der aus dem Boden gestampften Überbauung Lebensqualität und sozialen Zusammenhalt zu schaffen. Es wird gegrillt, Raclette gegessen und aufs neue Jahr angestossen. Der Verein organisiert Jazzkonzerte am See und diverse Ausflüge. Was noch fehle, sei ein Gemeinschaftsraum, sagt Senti.

Kein Slum im Glattpark

Ein Grossteil der Glattpark-Bewohner ist zwischen 25 und 35 Jahre alt. Wenn diese Leute Kinder haben, werde der Stadtteil von Opfikon noch lebendiger werden, prognostiziert Senti. «Die Leute wollen bleiben. Eine Verslumung zeichnet sich nicht ab.»

Weniger sorgsam geplant wurde hingegen das Quartier im Süden von Bülach. Weil Einkaufszentren mit grossem Verkehrsaufkommen wie Pilze aus dem Boden schossen, hatten die betroffenen Gemeinden Bülach und Bachenbülach 2007 eine Planungszone mit faktischem Baustopp verhängt.

Dennoch strahlen die bestehenden Wohnblöcke wenig Gemütlichkeit aus. Viele Bewohner der angrenzenden Siedlungen verlassen ihre vier Wände vorwiegend per Auto und gelangen direkt durch die Tiefgarage in die Wohnung. Begegnungen finden höchstens zwischen jungen Eltern statt, die sich auf den Spielplätzen treffen. Kleine Läden gibt es keine. Probleme seien jedoch bisher keine aufgetreten, sagt der Bülacher Stadtrat Hanspeter Lienhart (SP). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.01.2012, 10:11 Uhr

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15 Kommentare

Marc Peer

16.01.2012, 11:58 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Anstatt reflexartig bei Architektur und Planung Fehler zu suchen (DDR! Plattenbauten!), schaue man auch mal genauer auf die Besitzerstrukturen und der Absichten. Weshalb verkauft Investor Leopold Bachmann oft Mietwohnungen nach 15 Jahren als Eigentum, dann also, wenn erste Sanierungen anstehen? Wenn maximale Rendite jahrzehntelang zuoberst steht, läuft jedes Quartier Gefahr zum Ghetto zu werden. Antworten


Eugen Fischer

16.01.2012, 10:30 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Dereinst haben wir uns aufgeregt, wenn man in der DDR von den Plattenabuten gesprochen haben. doch in der Schweiz sind solche Überlegungen einfach vershentlich nicht angekommen. Ein Leben wie in der DDR, muss ja sicherlich anssprechbar sein. Siehe doch auch die Alterseidlung in Seebach, da werden die genau gleichen Fehler produziert, mit schlechter Arbeit dazu! Antworten



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