«Viele Menschen denken, Homosexuelle seien krank»

Sie sind alle gekürt: Die Miss Schweiz, der neue Mr. Zürich, selbst eine Miss Do it yourself ist gewählt. Nur die Miss Gay ist und bleibt im Amt – und das seit vier Jahren. Dabei würde sie ihr Krönchen gerne abgeben.

Karin Eschmann und Sven Müller jubeln nach ihrem Sieg bei den letzten Mister Gay- und Miss Gay-Wahlen in Zürich am Samstag, 16. Oktober 2004.

Karin Eschmann und Sven Müller jubeln nach ihrem Sieg bei den letzten Mister Gay- und Miss Gay-Wahlen in Zürich am Samstag, 16. Oktober 2004. Bild: Keystone

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Karin Eschmann, Sie sind seit vier Jahren amtierende Miss Gay. Was hätten Sie anders gemacht, wenn Sie das früher gewusst hätten?
Eigentlich nichts. Ich konnte vor allem im ersten Amtsjahr viel bewirken, weil damals die Abstimmungen zum neuen Partnerschaftsgesetz liefen. Ich hatte in dieser Zeit viele Auftritte und gab zahlreiche Interviews, in denen ich mich für ein Ja einsetzen konnte. Ich glaube, dass ich mit diesen Auftritten vor allem auch in Gegenden ein Umdenken bewirken konnte, wo man keine Ahnung hatte von der Welt der Homosexuellen. Wie zum Beispiel in meiner Heimatgemeinde Oberrieden. Die hätten wahrscheinlich eher Nein gestimmt, wenn sie mich nicht gekannt hätten.

Wie lief es nach den Abstimmungen zum Partnerschaftsgesetz weiter?
Das Interesse an meiner Person hat nach den Wahlen 2005 rasch abgenommen. Als das Gesetz dann im Januar 2007 in Kraft trat, kamen nochmals ein paar Anfragen. Auch sonst verliefen die vier Jahre sehr ruhig.

Also keine Werbeverträge wie bei der Miss Schweiz?
Doch, es gab zwei Werbeaufträge - meinetwegen hätten es auch mehr sein können - und ich konnte ein Jahr lang gratis zum Coiffeur. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu einer Miss Schweiz. Aber bei der Miss Gay gehts ja auch nicht ums Modeln oder um Idealmasse.

Worum geht es dann bei der Miss-Gay-Wahl?
Die Ausstrahlung steht im Vordergrund. Es wird zudem nicht die Schönste gesucht, sondern wohl eher die Miss-Toleranz. Eine, die einsteht für die Bedürfnisse lesbischer Frauen.

Braucht es denn heute noch eine Miss Gay?
Ja, es wäre schön, wenn es eine gute Nachfolgerin gäbe. Denn es gibt noch immer sehr viele Menschen, die denken, dass Homosexuelle krank sind. Andere wiederum glauben, dass Lesben einfach nur eine Phase durchlaufen und dann wieder zurück «auf den rechten Weg »kommen.

Und dieses Bild kann nur eine Miss Gay revidieren?
Nein, lesbische Frauen sollten viel mehr zu ihrer Art zu lieben stehen. Sie sollten sich auch mal Hand in Hand mit den Partnerinnen in der Öffentlichkeit zeigen - und zwar nicht nur in der Gay-Szene. Ich lebe meine lesbische Liebe offen aus und habe bisher noch nie negative Reaktionen erlebt. Lesbische Frauen sollen zu Ihren Gefühlen stehen und zeigen, dass Homosexualität keine Krankheit ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.10.2008, 10:46 Uhr

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