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Vignette führt zum gestohlenen Velo

Von Stefan Krähenbühl. Aktualisiert am 15.02.2012 11 Kommentare

Mit der Velofinder-Vignette will der Wetziker Versandhändler Veloplus vom Wegfall der alten Vignette profitieren. Mit der neuen können Velofahrer ihre Räder nach einem Diebstahl wiederfinden.

Kleine Vignette mit grossem Potenzial: Projektleiter Oliver Lutz mit dem Velofinder.

Kleine Vignette mit grossem Potenzial: Projektleiter Oliver Lutz mit dem Velofinder.
Bild: David Kündig

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Wetzikon – Die Velovignette ist nicht mehr. Etwas über ein Jahr nach dem Beschluss des Parlaments ist die Vignettenpflicht seit 1. Januar dieses Jahres aufgehoben. Damit hat die Schweiz eine obligatorische Haftpflichtversicherung verloren, deren Nutzen durch die immer stärkere Verbreitung von privaten Haftpflichtversicherungen seit Jahren stark hinterfragt wurde. Dass ein Teil der Bevölkerung nun im Schadenfall ohne Versicherung dasteht, ist aber nicht die einzige Konsequenz. Oft tauchten gestohlene Velos nur dank der Vignette wieder auf. Mit ihrer Abschaffung sind die Chancen geschwunden, ein herrenloses Velo seinem Besitzer zuweisen zu können.

Um dem entgegenzuwirken, hat der Fachhändler Veloplus die «Velofinder-Vignette» lanciert. Mit ihr will das Wetziker Unternehmen nach eigenen Aussagen «die Aufklärungsquote bei Velodiebstählen erhöhen». Das Modell ist denkbar einfach: Die Vignette wird wie gewohnt am Velo festgeklebt und mittels eines Codes online in der Velofinder-Datenbank von Veloplus registriert. Bei Diebstahl kann der Besitzer den Status seines fahrbaren Untersatzes in der Datenbank auf «gestohlen» ändern. Taucht das vermisste Rad auf, lässt sich der Code auf der Vignette dank Smartphone von jedermann scannen. Sofort erfährt der Finder, ob das Velo gestohlen gemeldet wurde oder nicht – und kann dem Besitzer eine Nachricht über dessen Verbleib hinterlassen. Eine Vignette für drei Jahre kostet neun Franken.

Marktpotenzial ist gross

Mit der Aktion Velofinder setzt Veloplus auf ein wachsendes Bedürfnis. Allein im Jahr 2010 sind schweizweit über 47'000 Velos als gestohlen gemeldet worden. «Die Aufklärungsquote ist extrem niedrig», sagt Velofinder-Projektleiter Oliver Lutz. Nur 1,6 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. «Und das sind nur die Diebstähle, die auch tatsächlich bei der Polizei gemeldet wurden. Die Dunkelziffer dürfte extrem hoch sein.»

Bisher sind die Vignetten erst in den Veloplus-Filialen erhältlich. Das wird sich demnächst ändern. Mit der Schweizerischen Post hat Veloplus einen überaus starken Verkaufspartner gefunden, der an Präsenz kaum zu überbieten ist. Ab kommender Woche sollen die Vignetten in sämtlichen 1800 Filialen erhältlich sein, die erste Tranche mit 50'000 Stück steht bereit. Die hohe Stückzahl tut not. Landesweit sind rund vier Millionen Velos im Umlauf, Veloplus verfügt über 170'000 Kunden. Selbst auf der Velofinder-Datenbank, die letzten Herbst aufgeschaltet wurde, haben sich schon vor der eigentlichen Lancierung des Velofinders 1500 Benutzer registriert.

In den ersten Tagen nach Verkaufsstart letzten Donnerstag sind bereits 150 Vignetten verkauft worden. Bis die Gesamtinvestitionen von einer geschätzten Viertelmillion Franken aber kompensiert ist, muss Veloplus gemäss Lutz über 100'000 Stück verkaufen. «Die erste Messlatte sind die Verkäufe bis Mitte März», sagt er. «Dann intensiviert sich das reguläre Geschäft, und erste Schlüsse über den Verkaufserfolg werden möglich sein.» Vorerst bleibt somit unklar, ob sich das Projekt für Veloplus bezahlt macht.

Velofahrer müssen umdenken

Durch die landesweite Verfügbarkeit der Velofinder-Vignetten kann das Unternehmen jedoch in der Romandie und im Tessin in Gebiete vordringen, die es bislang vernachlässigt hat. Heute ist Veloplus einsprachig, das Filialennetz beschränkt sich auf die Deutschschweiz. Mit der Vignetten-Aktion bereite man jedoch nicht etwa den Boden für eine neue Expansion, sagt Oliver Lutz. «Vielleicht ergibt sich etwas, im Vordergrund steht aber die Erfüllung eines Kundenbedürfnisses.»

Ganz ungenutzt will Veloplus den neu geöffneten Kanal dann aber doch nicht lassen. Wer sich auf der Velofinder-Datenbank registriert, erhält automatisch das Kundenmagazin zugestellt. Und wird zumindest so auf die Firma hinter der Vignette aufmerksam gemacht.

Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch, dass die Velofahrergemeinschaft ihr Verhalten ändert, dass Kontrollen bei fremden Velos auch tatsächlich gemacht werden. Wie Lutz sagt, sei das zumindest bei den echten Velofans kein Problem. «Aber die grosse Masse müssen wir erst noch mobilisieren.» Geschehen soll dies etwa mit einer Schnitzeljagd, die Veloplus im Frühling lancieren will und bei der die Vignette im Zentrum steht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2012, 10:56 Uhr

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11 Kommentare

Ivo Steinmann

15.02.2012, 11:38 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Die Idee ist gut und nicht neu, bringt aber herzlich wenig, wenn das Rad nicht einem Gelegenheitsdieb zum Opfer wurde. Bei Fahrräder die nicht zum Gebrauch gestohlen wurden, weil sie gerade so praktisch rumstanden, sondern weil der Dieb das Ding weiterverkaufen will, bringt das nichts. Denn der Dieb wird kaum so blöde sein und den Aufkleber dran lassen. Antworten


Georg Larrson

15.02.2012, 12:00 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Es erscheint mir unglaublich naive zu glauben, dass ein Dieb Vignetten am Velo lässt. Antworten



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