Vom Kirchturm grüsst die Überwachungskamera

Satansprüche an den Wänden, zerstörte Gesangsbücher, brennende Kirchenbänke: Immer öfter werden Kirchen von Vandalen heimgesucht. In Bülach wurden nun Videokameras in der Kirche angebracht – seither herrscht Ruhe.

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In der reformierten Kirche von Bülach hat man schon Getränkedosen in Orgelpfeifen entdeckt, der Abfall wurde im Gotteshaus wild entsorgt, und es gab sogar schon ein kleines Feuer in den Kirchenbänken. Ähnliches geschah auch in der katholischen Kirche von Bülach. Dort wurden Bibeln gestohlen und Altarkreuze zerstört, berichtet das «Neue Bülacher Tagblatt».

Seit drei Monaten Videokameras im Kirchenraum

In der reformierten Kirche hat man die Konsequenzen gezogen: Seit dem 1. Juni 2008 sind Videokameras in den Kirchenraum gerichtet. «Einzelne Vorfälle waren so negativ und belastend, dass sie eine solche Installation notwendig gemacht haben», erklärt Sigrist Jürg Küng auf Anfrage und betont gleichzeitig, dass es sich dabei nicht um eine Videoüberwachung, sondern um eine Videoaufzeichnung handle. «Die Daten werden nicht laufend angesehen, sondern nur, wenn ein Schaden in der Kirche entstanden ist. Und selbst dann hat nur der Geschäftsleiter der Kirchgemeinde eine Zugangsberechtigung zu den Daten.»

Keine Vandalenakte mehr

Seit die Videokameras in der Kirche installiert sind, musste allerdings niemand einen Blick auf die Aufzeichnungen werfen, denn seither gab es keine Vandalenakte mehr. «Wir können natürlich nicht mit abschliessender Sicherheit sagen, ob ein Zusammenhang zwischen der Installation und dem Ende der Sachbeschädigungen besteht. Eine Kosten-Nutzen-Analyse lässt sich hier nicht anstellen», so Küng.

Sicher ist allerdings, dass sich die Kirchgänger durch die Kameras nicht gestört fühlen. «Wir haben keinerlei Reaktionen erhalten – weder positive noch negative», betont Küng. «Wir haben die Neuerung im Kirchenblatt publiziert und dachten, dass die Leute das wohl nicht so toll finden würden. Aber bisher gab es keine Reklamationen.»

Katholische Kirche bleibt kamerafrei

In der katholischen Kirche Bülach sieht man von solchen Massnahmen ab. Mit einer Videoüberwachung ginge die Intimität im Kirchenraum verloren, sagt Pfarrer Jaroslaw Duda gegenüber dem «Neuen Bülacher Tagblatt». Auch eine Schliessung der Kirche komme nicht in Frage: «Wegen ein paar wenigen Unruhestiftern die Kirche zu schliessen, wäre nicht in Ordnung. unsere Kirche ist für die Menschen da, sie soll nicht zum Museum werden.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.09.2008, 14:20 Uhr

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