Warum der «Rundschau»-Bericht über Amir B. zensiert wurde

Wer den Bericht der Rundschau zum Raser auf dem Videoportal sucht, findet nur einen eingeschwärzten Bildschirm.

«Ich bin halt so ein Psycho»: Amir B. in der «Rundschau» im Jahr 2004.

«Ich bin halt so ein Psycho»: Amir B. in der «Rundschau» im Jahr 2004. Bild: SF

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Im September 2004 landete die «Rundschau» einen Coup: Ein Bericht über Raser, die sich auf öffentlichen Strassen Rennen liefern und sich brüsten mit 160 durch Gemeinden zu fahren. Darunter: Amir B., heute zu einer 14-monatigen Haftstrafe wegen zweimaligen Fahrens trotz Fahrausweisentzug verurteilt, die er zurzeit absitzt. Ein weiteres Verfahren wegen Hehlerei und Einbruch strebt die Zürcher Staatanwaltschaft an, ein Termin steht aber noch nicht fest.

Der «Rundschau»-Bericht führte zu einer Welle der Entrüstung in der gesamten Schweiz. Während Wochen dominierte Amir B. zudem die mediale Debatte über Raser. Mit Schlagzeilen wie «Raser Amir: Schon mit 16 ohne Billett unterwegs» oder «Polizei stellte seinen Golf sicher - jetzt nimmt er halt den Mercedes» beschäftigte der Albaner mit serbischem Pass die Öffentlichkeit über Wochen. Umso erstaunlicher ist dehalb, dass Interessierte die ursprüngliche Reportage auf dem Internet nicht mehr finden können. Beim Videoportal des Schweizer Fernsehens ist die Ausgabe der «Rundschau» zwar zu finden. Nach der Anmoderation des Beitrags wird der Bildschirm aber schwarz. Auch auf Youtube ist er unauffindbar.

«Ungewöhnlich aussagefreudiger Raser»

Laut Dölf Duttweiler, dem stellvertretenden Redaktionsleiter der «Rundschau», sei der Beitrag aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen gesperrt worden. Die Rundschau habe 2004 nicht eine bereits beschuldigte Person porträtiert, sondern einen «ungewöhnlich aussagefreudigen Raser». Sein Fall sei durch den Bericht weitherum bekannt geworden, Amir B. sei aber deswegen «keine Person der Zeitgeschichte, die es hinnehmen muss, dass man seine alten Aussagen ständig wiederholt.»

Ganz konsequent war die Redaktion der Rundschau bei ihrer «Selbstzensur» aber nicht: In der Themenübersicht am Anfang der Sendung ist Amir B. immer noch zu sehen und überdeutlich zu hören: «Ich bin halt so ein Psycho: Ich mache lieber einen Unfall und bringe mich um, als ein Rennen zu verlieren.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 24.06.2011, 16:43 Uhr)

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