«Was braucht es noch, damit jemand die Verantwortung trägt?»

Die BVK-Affäre führt unter den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu heftigen Reaktionen. Die Mehrheit fordert, dass die Regierungsräte sich der Verantwortung stellen.

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Über 2400 Leser (Stand: 4. 10. 2012, 10.30 Uhr) gaben zur Umfrage, ob Regierungsrätin Ursula Gut (FDP) wegen der BVK-Affäre ihren Hut nehmen muss, ihre Stimme ab. Das Verdikt ist überraschend: Eine satte Mehrheit von zwei Drittel stärkt der Finanzdirektorin den Rücken.

Ganz anders sieht es aber in den Kommentarspalten aus. Besonders die Reaktion der Regierungsräte Kägi (SVP) und Gut nach der Präsentation des PUK-Berichtes, stösst vielen sauer auf. «Was braucht es denn noch, damit jemand, der die oberste Verantwortung innehat, diese auch trägt?», fragt sich etwa Herbert Berger, «immerhin wurden sie dafür gewählt.» Auch Hans Botticelli glaubt der regierungsrätlichen Absage an die alleinige Verantwortung im Debakel nicht: «Und die PUK hat halt doch recht, auch wenn es dem Regierungsrat missfällt.»

Hohe Saläre heisst Verantwortung tragen

Wie viele andere Leser vergleicht Erika Schlumpf die Situation mit der Privatwirtschaft. Dort würden «solche Vorkommnisse zu sofortiger Entlassung und Strafanklage wegen versäumter Aufsichtspflicht» führen. Ihr Verdikt ist klar: Ursula Gut muss gehen und «alle involvierten Regierungsräte gehören vor Gericht».

Auch die hohen Saläre der Regierungsräte scheinen einer Grosszahl von Lesern unangemessen. «Diese werden immer wieder mit der grossen Verantwortung gerechtfertigt», meint etwa Rolf Jucker. So unterstützt so mancher seine Forderung nach einer finanziellen Beteiligung der Verantwortlichen, um die Schadenssumme zu reduzieren. «Dies wäre ein kleiner Trost für uns Steuerzahler, die diese Fehlleistungen ausbaden müssen.»

Auch der bereits zitierte Herbert Berger stört sich an den regierungsrätlichen Lohnsummen. Diese sollen für einen Lohn, der höher sei, als jener des kanadischen Premierministers, ihre Verantwortung auch wahrnehmen, «im Guten – und wie jetzt – im Schlechten». Dies sieht auch Mathias Bänziger so: «Die Rechte des Amtes werden gerne angenommen, wenn es um die Pflichten geht, wird alle Schuld von sich gewiesen. Einfach nur schwach.»

Auch Kantonsrat in der Pflicht

Dennoch erhält Ursula Gut auch Schützenhilfe. «Die Rücktrittsforderung an ihre Adresse ist absurd», meint etwa Hansueli Kaufmann. So sei es gerade Regierungsrätin Gut gewesen, welche die Neuausrichtung der BVK eingeleitet habe und «und zum Auffliegen von Daniel Gloor massgeblich beitrug». Auch Fritz Rogner unterstützt die amtierende Finanzdirektorin: «Sie hat nicht erst gehandelt, als die Sache aufflog, sondern schon weit früher.»

Einzig Jack Meier fragt sich, wer denn eigentlich den Regierungsrat beaufsichtigen müsste, und gibt die Antwort gleich selbst: die Kantonsräte. «Hier müssen ebenso Schuldige gesucht werden, weil sie die Jahresberichte ja immer abgesegnet haben.»

Für viele ist deshalb die Transparenz bei der BVK fortan oberstes Gebot. So fordert Anton Keller, dass das Amtsgeheimnis bei einer Pensionskasse zumindest teilweise abgeschafft werden sollte. So könnten ungehörte interne Kritiker ihre Beobachtungen auch nach aussen tragen. Markus Weilmann geht in eine ähnliche Richtung. Er stellt zur Diskussion, dass künftig unabhängige Revisorenberichte veröffentlicht werden sollen. «So würden ihre Aussagen zum Bestandteil der gesamten politischen Mechanik.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.10.2012, 12:52 Uhr)

Umfrage

Muss Ursula Gut nach dem BVK-Debakel zurücktreten?

Ja

 
32.5%

Nein

 
67.5%

2459 Stimmen


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