Was ist eigentlich schön?

Gefällt Ihnen der auffällige Neubau des Landesmuseums? Wie sähe Zürich aus, wenn Sie bestimmen könnten? Ein Fragebogen.

Hier stossen Welten aufeinander: Das Zürcher Landesmuseum, alt und neu. Bild: Thomas Egli

Hier stossen Welten aufeinander: Das Zürcher Landesmuseum, alt und neu. Bild: Thomas Egli

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«Und sowas soll schön sein?» – seit der Erweiterungsbau des Zürcher Landesmuseums enthüllt ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen begeistert sind und von einem der seltenen öffentlichen Bauten jüngeren Datums sprechen, die etwas wagen, finden ihn andere «einfach nur hässlich» und ziehen Vergleiche mit einem Bunker oder einer Panzersperre. Unbestritten ist nur, dass das Bauwerk aus dem Rahmen fällt und kaum jemanden kalt lässt.

Was sich trotz aller Kontroversen auch festhalten lässt: In einer Volksabstimmung vor gut drei Jahren hat der Erweiterungsbau zwei Drittel aller Stimmberechtigten überzeugt. Das war ein klares Verdikt, das im auffallenden Gegensatz stand zum Schicksal anderer Projekte, die das Stadtbild verändert hätten, aber abgelehnt wurden. Prominentestes Beispiel ist wohl der Entwurf für ein neues Kongresszentrum aus der Feder des Spaniers Rafael Moneo.

Das wirft mehrere Fragen auf. Erstens: Welche Baustile sind in Zürich mehrheitsfähig? Zweitens: Wie wichtig ist die äussere Erscheinung für die Akzeptanz eines Gebäudes? Spielt sie überhaupt eine Rolle? Drittens: Wie gefällt Zürich grundsätzlich? Um Antworten auf solche Fragen zu finden, möchten wir von unseren Lesern zunächst wissen, was sie vom Erweiterungsbau des Landesmuseums halten. Würde der Entscheid an der Urne heute noch gleich ausfallen? In der Abstimmungszeitung sah das Projekt damals so aus:

Umfrage

Haben Sie damals zugestimmt zum Erweiterungsbau des Landesmuseums?





Das tatsächliche Ergebnis, das nach drei Jahren Bauzeit auf dem Platzspitz steht, sieht nun so aus:

Umfrage

Wenn Sie damals Ja gestimmt haben: Würden Sie es auch jetzt noch tun, wo Sie sehen, wie das Gebäude aussieht?





Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








In der Stadt sind in jüngeren Jahren nicht viele prägnante Bauten realisiert worden, bei denen die Stimmberechtigten etwas mitzureden hatten. Eine Ausnahme, die von der Fachpresse bisher sträflich vernachlässigt wurde, ist dieses Bijou in Altstetten, das auch das Vokabular der Zürcher bereichert hat um einen bisher unbekannten Begriff :

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diese Verrichtungsboxen? (6 ist die Bestnote)









Eine weitere Ausnahme ist die Überbauung in der Europaallee neben dem Hauptbahnhof. Als die Zürcherinnen und Zürcher 2006 den notwendigen Gestaltungsplan absegneten, war allerdings noch nicht klar, wie die Gebäude dereinst aussehen würden. In der Abstimmungszeitung waren lediglich ihre Umrisse abgebildet.

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie, was dort entstanden ist? (6 ist die Bestnote)








Ein architektonisch ungewöhnliches und später preisgekröntes Gebäude, das an der Urne Bestand hatte, ist das 2009 eröffnete Schulhaus Leutschenbach, ein Projekt der Stadt Zürich. Hier wussten die Stimmberechtigten zum Zeitpunkt der Abstimmung, wie es später aussehen sollte.

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Dieses Schulhaus kam später wegen der hohen Baukosten als Luxuslösung in Verruf – mit der Konsequenz, dass die Stadt bei Bauten seither den Finanzrahmen kleiner halten muss. Da stellt sich folgende Frage:

Umfrage

Wenn die öffentliche Hand baut: Würden Sie zugunsten der Ästhetik mehr bezahlen? Oder würden Sie möglichst günstig bauen, auch wenn das Ergebnis dann konventionell ausfällt wie das auf dem Bild unten?





Das folgende Bild zeigt einen derzeit entstehenden Büroneubau des Generalunternehmers Allreal am Schiffbauplatz in Zürich West. Es ist ein privat realisiertes Projekt, zu dessen Gestaltung die Öffentlichkeit nichts zu sagen hatte.

Umfrage

Dieser Baustil – starrer Raster, grosse Fenster – ist in der Stadt seit Jahren verbreitet. Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie ihn? (6 ist die Bestnote)








Andere Bauherren probieren den starren Raster und die Symmetrie bewusst zu brechen, wie das Beispiel des Hochhauses im Hardturmpark von Zürich-West zeigt:

Umfrage

Was meinen Sie: Macht dieser gestalterische Entscheid ein Gebäude ansehnlicher?





Nun wieder ein Bau, zu dem die Stimmberechtigten Ja gesagt haben: das Bettenhaus des Triemli-Spitals.

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Bevor es zu repetitiv wird mit dem Notenverteilen, führen wir uns zur Entspannung ein Werk von Gustav Gull zu Gemüte, der Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur das alte Landesmuseum gebaut hat, sondern Zürich auch mit anderen Bauten geprägt hat wie kein zweiter. Zum Beispiel mit den Amtshäusern und der Urania-Sternwarte:

Natürlich zeigen wir dieses Bild nicht ganz ohne Hintergedanken. Verschiedene Architekturkritiker finden die Bauten von Gull so bedrückend, dass sie sie am liebsten sprengen würden, um Platz für Neues zu schaffen. Dann müsste man den zeitgenössischen Zürcher Stadtbaumeistern aber zutrauen, die Lücke mit etwas Überzeugenderem zu füllen.

Umfrage

Was meinen Sie, könnte man solche Bauten von Gull ohne Bedenken sprengen?





Hier nun wieder ein Bau aus jüngeren Jahren, dem die Zürcher Stimmberechtigten an der Urne zugestimmt haben: das Getreidesilo der Coop-Tochter Swissmill.

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








In diesem Fall argumentierten die Befürworter weniger mit der Ästhetik des prominenten Baus, sondern vor allem damit, dass man die stetig schwindende Industrie auf Zürcher Stadtgebiet fördern müsse.

Umfrage

Wenn Sie über ein Bauprojekt abstimmen müssen: Wie wichtig ist dann das Kriterium der äusseren Erscheinung?








Für den Zürcher Hochbauvorsteher André Odermatt ist klar: «Wer im öffentlichen Raum baut, ist der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet. Nicht nur etwas qualitativ Gutes zu bauen, sondern auch immer wieder zu erklären, was gute Qualität ist und warum sie für eine Stadt von nachhaltigem Wert ist.» Im folgenden ein paar Bauten aus den Jahren 2006 bis 2010, die nach Meinung einer Fachjury dieses Kriterium erfüllten und daher von der Stadt Zürich ausgezeichnet wurden. Als erstes die Wohnüberbauung Aspholz Nord in Zürich-Affoltern, realisiert von der BVK, der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich:

Umfrage

Wenn statt der Jury Sie entschieden hätten: Hätten Sie diese Gebäude auch ausgezeichnet?





Das nächste Bild zeigt die städtische Wohnsiedlung Werdwies im Quartier Grünau, wo viele günstige Wohnungen für Familien entstanden.

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Hätten Sie diese Gebäude auch ausgezeichnet?





Das folgende Bild zeigt einen Entwurf der Stararchitekten Herzog & de Meuron, für den diese von der Stadt Zürich ausgezeichnet wurden:

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Hätten Sie diese Gebäude auch ausgezeichnet?





Vielleicht haben Sie jetzt eben folgendes gedacht: «Stimmt überhaupt nicht, das Ding steht in Uster und wurde auch nicht ausgezeichnet!» Wenn Sie das gedacht haben, dürfen Sie sich nun selbst auf die Schulter klopfen und sich einen Expertenpunkt gutschreiben – Herzog & de Meuron haben in Zürich noch nie gebaut, wohl aber im Zürcher Oberland. Wobei dies die Frage aufwirft, ob diese fehlende Starpower für Zürich nicht ein Verlust ist.

Umfrage

Was meinen Sie zum Bau von Herzog & de Meuron in Uster?





Jetzt wieder zu einem Gebäude, das die Stadt Zürich wirklich ausgezeichnet hat: die Seniorenresidenz Spirgarten in Altstetten, ein Projekt der Zürcher Atlas-Stiftung.

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Hätten Sie diese Gebäude auch ausgezeichnet?





Und hier noch einmal ein Beispiel für einen Bau, für den sich die Stadt als Bauherrin quasi selbst auszeichnete: die Tramhaltestelle am Limmatplatz.

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Hätten Sie dieses Bauwerk auch ausgezeichnet?





Ebenfalls in die Kränze kamen die umgebauten Viaduktbögen, mit denen die Stiftung PWG zur Erhaltung preisgünstiger Wohn- und Gewerberäumen das Industriequartier aufgewertet hat. Ein Projekt, das in einer Online-Abstimmung der Stadt übrigens den Publikumspreis gewann.

Umfrage

Hätten Sie diese Gebäude auch ausgezeichnet?





Zum Schluss bringen wir noch vier private Grossprojekte zur Beurteilung, die bisher (noch) keine offizielle Auszeichnung erhalten haben. Zunächst einmal das 2007 eröffnete Einkaufszentrum Sihlcity am südlichen Stadtrand:

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Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Der wahrscheinlich am wenigsten übersehbare Neubau der letzten Jahre: der Prime Tower in Zürich West, bis vor kurzem das höchste Hochhaus des Landes.

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Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Mindestens so viel zu reden wie der Prime Tower gab auch die Genossenschaft Kalkbreite.

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Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Und nun noch etwas, was zwar viel grösser ist, aber weniger zu reden gab – vermutlich, weil es am Stadtrand steht. Der Architekt Max Dudler, der auch in der Europaallee am Werk war, hat in Oerlikon folgendes Ensemble realisiert:

Umfrage

Auf einer Notenskala von 1 bis 6 – wie beurteilen Sie diesen Bau? (6 ist die Bestnote)








Falls Sie jetzt gedacht haben «Quatsch, das ist das Rockefeller Center und steht in Manhattan»: Diesmal gibt es leider keinen Expertenpunkt für Sie, diese Häuser stehen wirklich in Oerlikon.

So, und nachdem Sie nun all diese besonders grossen oder auffälligen Zürcher Neubauten aus den vergangenen Jahren haben Revue passieren lassen, kommen wir zur Schlussabstimmung.

Umfrage

Wie beurteilen Sie übers Ganze gesehen die Qualität der Neubauten, die öffentliche und private Bauträger in jüngeren Jahren in Zürich realisiert haben?








Umfrage

Glauben Sie, dass die Ästhetik der Zürcher Neubauten überzeugender wäre, wenn die Öffentlichkeit mehr mitbestimmen könnte?




Umfrage

Wer baut in Zürich im Allgemeinen die überzeugenderen Neubauten: öffentliche oder private Bauträger?





Umfrage

Wenn Sie einen Preis für den besten prominenten Neubau der Stadt Zürich verleihen könnten: an welches Gebäude ginge er?











Wenn Sie keines der zur Auswahl stehenden Gebäude gewählt haben, können Sie uns in der Kommentarspalte unten gerne Ihren Favoriten mitteilen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 14.01.2016, 11:07 Uhr)

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