Was taten die drei Männer mit der Minderjährigen?

Auf Videos ist die angebliche Schändung einer 17-jährigen Frau festgehalten. Der Staatsanwalt ist empört über den Freispruch der drei beteiligten Männer.

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Das Opfer sei im Urteil regelrecht «heruntergeputzt» worden. Das Gericht habe die Videos «in einer Art und Weise analysiert, die jeglicher Vernunft widerspricht». Es sei alles «selektiv und einseitig» gegen die junge Frau ausgelegt worden. Die Beweise seien «schlichtweg abwegig und willkürlich» gewürdigt worden. Die Folge: Drei der Schändung angeklagte Männer wurden freigesprochen.

Staatsanwalt Ulrich Weder ist offensichtlich empört über das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf. Was da teilweise geschrieben steht, bezeichnet er einmal als «absoluten Unsinn», dann wieder als «unqualifizierte Kritik». Er hoffe bloss, «dass die junge Frau dieses Urteil nicht liest. Sie muss nicht ein zweites Mal zum Opfer werden».

Präzis und ausgewogen

Weder hat die Freisprüche angefochten. Am Dienstag befasste sich das Obergericht mit dem Fall. Nach über achtstündiger Verhandlung hat die II. Strafkammer das Urteil ausgesetzt. Wann es öffentlich verkündet wird, steht noch nicht fest. Für Gerichtspräsident Christoph Spiess steht schon fest: Das richtige Urteil zu finden, wird sehr schwierig.

Dass das nicht übertrieben ist, zeigt allein der Umstand, wie die drei Verteidiger das gleiche Urteil aus Dielsdorf beurteilen: Für Patrick Imbach lässt das Urteil «an Präzision und Ausgewogenheit nichts zu wünschen übrig». Sein Kollege Emil Meier lobt die «stringente Begründung». Und Max Bleuler empfiehlt der Staatsanwaltschaft, «sich nicht aufzuregen». Wenn hier etwas «unsorgfältig und fragwürdig» sei, dann nicht das Urteil, sondern die Untersuchung der Staatsanwaltschaft.

Worum geht es? Im Mai 2009 waren drei Männer im Alter von 24 bis 26 Jahren und eine 17-jährige Frau nach einem fröhlichen Abend im Zürcher Ausgang am frühen Morgen in einer Wohnung in Regensdorf gelandet. Die Gruppe hatte sich schon vorher grösstenteils gekannt. Während sich zwei Männer zunächst dem Computer zuwandten, auf dem bald ein Pornofilm lief, widmete sich der 25-Jährigen der jungen Frau, die bald nackt vor ihm lag.

Zum Widerstand unfähig?

Die sexuellen Handlungen ignorierten die beiden anderen etwa eine Viertelstunde. Dann kamen sie dazu und filmten die folgenden 15 Minuten mit Handy und Kamera. Ihren Kollegen unterstützten sie bei seinen Aktivitäten, indem sie in der Küche eine «Banane normaler Grösse» und eine längliche Karotte holten. Beides setzte der 25-Jährige in der Folge auch ein.

Ein entscheidendes Detail im Ablauf blieb bisher unerwähnt: Die Anklage behauptet: Nachdem sich die junge Frau im Wohnzimmer aufs Sofa gelegt habe, sei sie «unvermittelt» eingeschlafen und «aus nicht näher bekannten Gründen in einen komatösen Zustand» verfallen. Mit anderen Worten: Die Männer hätten die sexuellen Handlungen an einer zum Widerstand unfähigen Person vorgenommen. Sie hätten ihren Zustand erkannt und diese Situation ausgenützt.

Nun müsste man meinen, dass drei Videos von insgesamt fünfzehn Minuten Länge, die das Geschehen festhielten, alle Fragen und Probleme klären. Doch die Beweislage ist offenbar nur auf den ersten Blick komfortabel. Für Staatsanwalt Weder zeigen die Filme «in aller wünschbaren Deutlichkeit» nicht nur die Tathandlungen, sondern auch den physischen und psychischen Zustand der Frau. Die 17-Jährige habe sich «nicht in einem Bewusstseinszustand befunden, der es ihr erlaubt hätte, Widerstand zu leisten».

Hohe Strafen gefordert

Die Videoaufnahmen seien alles andere als deutlich, kontert Patrick Imbach. Mit den Filmen könne die Staatsanwaltschaft nicht beweisen, was sie den Beschuldigten vorwerfe. Es sei zwar möglich, dass die Frau «vorübergehend kurz eingedöst» sei. Aber «von Widerstandsunfähigkeit kann keine Rede sein», sagt Emil Meier. Bewegungen und Handlungen der Frau im Film sprechen laut den Verteidigern dafür, dass sie «nicht weggetreten war». Die Anklage wiederum erkennt darin nur «ungesteuerte und unbewusste Bewegungen».

Da der Staatsanwalt Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und fünf Jahren fordert, steht für die Männer – zwei eingebürgerte Thailänder und einen in der Schweiz aufgewachsenen Mazedonier – viel auf dem Spiel. Dass die Frau erst vier Wochen nach den Ereignissen Strafanzeige erstattete, dass sie dies vor allem einer Freundin zuliebe tat, dass selbst ihre Pflegemutter Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers äusserte, macht die Entscheidung zusätzlich schwierig. Davon wird zu berichten sein, wenn das Gericht seinen Urteilsspruch mündlich begründen wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2011, 09:39 Uhr

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