Zürich

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Weihnachtsbräuche versetzen Japaner in Staunen

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 05.12.2011 10 Kommentare

Die Japaner in Zürich feiern Weihnachten auf ihre Weise. Und wundern sich über manche unserer Bräuche.

1/4 Schnecken als weihnächtliche Festspeise. Die Familie von Shinichi Masuda hat einige Bräuche der Schweizer übernommen - Raclette und Fondue stehen an Heiligabend aber nicht auf dem Tisch.
Bild: zVg

   

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Für Shinichi Masuda ist vieles fremd, das mit unseren Weihnachtsbräuchen zu tun hat. Der 44-jährige Japaner kam mit seiner Familie vor zwei Jahren in die Schweiz und staunt immer wieder: «Ich weiss bis heute nicht genau, wer dieser Schmutzli ist», lacht er, «meinen Kindern habe ich einfach erklärt, er sei ein Kumpel des Samichlaus, damit sie keine Angst haben.»

In Japan feiere man sehr wohl Weihnachten, allerdings sei die Bedeutung eine andere, weil die meisten Buddhisten seien. «Da können wir richtig feiern, es gibt keine Traditionen, die wir einhalten müssten.» So esse man gut, meist Sushi oder Truthahn und trinke Wein und Champagner. Es sei auch eine Gelegenheit, seine Frau oder die Kinder zu beschenken. Und – ohne Frage – um Karaoke zu singen.

Dekoration trotz teurem Strom

Auch sei es Mode geworden, dass man seine Wohnung oder sein Haus weihnachtlich schmücke, aber das Ganze habe Grenzen: «Der Strom in Japan ist teuer.» Deshalb überträfen sich vor allem die Geschäfte mit Weihnachtsschmuck und Leuchtern, um ihre Umsätze zu steigern. Masuda glaubt, dass die Japaner nach dem zweiten Weltkrieg plötzlich Interesse an Europa und Amerika zeigten und einige Traditionen aus Neugierde übernehmen wollten. Deshalb feiere man wohl heute Weihnachten.

Hier in der Schweiz dekoriere seine Familie die Wohnung ebenfalls, aber viele Gebräuche müsse man erst noch näher kennenlernen. «Diese Adventskalender finde ich eine tolle Idee, das habe ich noch nie gesehen.» Seine Kinder würden die Kulturunterschiede bereits zu ihrem Vorteil nutzen. «Wenn wir ihnen sagen, dass sie keine Geschenke bekommen, weil sie nicht brav waren, finden sie schlicht, ‹die bringt uns eh der Samichlaus›.»

Lachend ins neue Jahr

Miyoko Schmid-Imanishi, die seit 40 Jahren hier lebt und mit einem Schweizer verheiratet ist, versucht an Weihnachten jeweils den Spagat zwischen beiden Kulturen. «Ich verbinde Weihnachten und das japanische neue Jahr miteinander.» So dekoriere sie den Tisch mit allerlei Blumen und verwende japanisches Geschirr: «Wir Japaner essen zuerst mit den Augen und dann mit dem Mund.» Allerdings koche sie Schweizer Essen. Die ganze Feier sei aber ruhig und werde im engsten Familienkreis gehalten.

Das erinnere sie jeweils ans Neujahrsfest im Nippon. Dieses würde noch heute im Familienkreis und äusserst traditionell begangen und unterscheide sich je nach Landesteil in Sitten und Gebräuchen. Einzig gemein sei allen, dass man vom 1. bis zum 3. Januar feiere. Sie selbst entstamme einer Händlerfamilie aus Osaka. Bei ihnen sei es jeweils Sitte gewesen, dass man am Vorabend zum neuen Jahr alle Fenster und Türen geschlossen hielt. «Am nächsten Morgen öffneten wir alles weit auf und lachten alle, was das Zeugs hält, um das neue Jahr zu begrüssen.» Die Katzen der Familie hätten sich aus Angst vor der ungewohnten Situation meist verkrochen, sagt sie lachend.

Das Böse vertreiben

Auch sei es bei allen Familien Brauch, in der Nacht zu einem Schrein zu gehen und dort an einer Feuerstelle einen dünnen Faden anzuzünden. «Diesen drehen wir dann in der Luft, dass das Feuer bis zu Hause erhalten bleibt.» Schliesslich habe man damit die Herdstelle im Haus angezündet, um das neue Jahr einzuleiten und alle bösen Dinge aus dem vergangenen Jahr aus dem Heim zu verscheuchen. Allerdings hat Schmid-Imanishi keinen dieser Bräuche mit in die Schweiz genommen. «Ich bin so lange hier, da vergisst man manches schon fast.»

Für Familienvater Masuda ist das japanische neue Jahr etwas sehr Formelles. «Wir können da nicht einfach ein Fest feiern, es gibt viele Regeln und Bräuche, die mit dem buddhistischen Glauben zusammenhängen.» Nur für die Kinder ist es immer ein Segen: «Die bekommen von jedem Verwandten eine Tüte mit Geld. Aber keiner sieht, wer wie viel gegeben hat.»

Masuda ist fasziniert von den religiösen Bräuchen und Symbolen, die er hierzulande vorfindet. «Ich glaube, bei uns sind die Leute weniger gläubig als hier.» Eines will er aber unbedingt erlebt haben: «Ich will mir in einer Kirche unbedingt einmal die Weihnachtsgesänge anhören. Ich glaube, das wird wunderschön.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.12.2011, 11:03 Uhr

10

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

10 Kommentare

Stefan Studer

05.12.2011, 17:22 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Ein wenig verwirrend, dass im Artikel derart grossen Wert auf den Samichlaus gelegt wird. In der Schweiz und Süddeutschland ist (noch immer) das Christchindli für die Geschenke an Weinachten zuständig. Hier hat wohl der amerikanische Santa Claus den Sprung in die Medienwelt des Tagi geschafft. Antworten


Hans Müller

05.12.2011, 11:46 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Weihnachten ist bekanntlich älter als das Christentum. Und Schenken gehörte schon immer dazu. Das macht Weihnachten auch kulturübergreifend akzeptabel. Antworten



Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.