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Wenn auch der Chef ein Bewerber ist

Von Monica Müller. Aktualisiert am 09.06.2010 2 Kommentare

Die VBZ gehen bei der Personalrekrutierung neue Wege: Die Chefs stellen sich in Kurzfilmen online vor, damit sich die Interessenten ein Bild von ihnen und den freien Stellen machen können.

Bewerbung per Video: VBZ-Kadermann Thomas Maier.

Michael Ochsner, bei der VBZ Leiter der Lackiererei.

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Vor einem Vorstellungsgespräch stellen sich einem Bewerber viele Fragen: Welche Aufgaben gehören zum Job? Wie sieht der Arbeitsplatz aus? Was ist der Chef für ein Typ? Wie läufts im Team? Ganz anders hält es sich mit dem Wissen des Chefs über den Bewerber: Er weiss, ob dieser verheiratet oder geschieden ist, welche Primarschule er besucht hat, wo er wohnt. Er kennt jede Station in der Biografie – ihre Lücken und Schwächen.

Einblicke in den Arbeitsalltag

Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) gleichen dieses Informationsgefälle nun aus. Bei jeder Stelle, die ausgeschrieben wird, präsentiert sich der Chef in einem Filmbeitrag auf der Webseite kurz. Michael Ochsner, Leiter Lackiererei, erzählt da beispielsweise, wie er erst Autos flickte, dann Lokomotiven baute und jetzt seit zwölf Jahren bei den VBZ Karosserien verschönert. Der Zuschauer erhält einen Einblick in die Werkstatt, wo die Mitarbeiter Teile von Trams abschleifen, lackieren und polieren.

Mit seinen Mitarbeitern habe er es «glaubs noch gut», sagt Ochsner, sie schätzten seine berechenbare, gradlinige Art. Die Präsenzzeiten seien zwar hoch, dafür könne man Überzeit kompensieren, wenns passe. So habe er selbst kürzlich seine beiden Töchter morgens im «Chindsgi» besucht. «Eine herzliche Atmosphäre ist mir privat wie auch geschäftlich sehr wichtig», sagt er.

Stelleninserate nach Jahrzehnten ändern

In einem anderen Beitrag stellt sich der Leiter des ZVV-Contact-Centers, Thomas Meier, vor. Er steigt ein mit einem typischen Fall, bei dem sein Team zum Einsatz kommt: Eine Familie hat einen Koffer im Bus bei Affoltern am Albis liegen lassen, das in der S 9 bemerkt und dank des ZVV-Contact-Centers ihr Hab und Gut rechzeitig bis zur Abreise mit dem TGV wieder zurückbekommen. Auch Meier führt durch den Arbeitsplatz, zeigt die Kollegen bei der Arbeit und sagt, was ihm als Chef wichtig ist: «Bei mir wissen Sie immer, woran Sie sind.»

Er gibt etwas weniger von sich preis als Kollege Ochsner, doch auch so entsteht beim Zuschauer ein Eindruck von ihm als Person und der offenen Stelle. Die Haltung beider Teamleiter ist klar: In ihrem Beitrag bewerben sie sich als Chefs. Mit diesem Ansatz gehen die VBZ neue Wege bei der Personalrekrutierung. «Firmen werben kreativ um Kunden, doch Stelleninserate sind seit 40 Jahren unverändert», sagt Heinz Vögeli, VBZ-Vizedirektor.

Wer ein Handy kaufe, wisse mehr darüber als über einen neuen Job, bei dem es um die nächsten Jahre der Existenzsicherung gehe. «Das ist doch absurd!» Nachdem die VBZ letztes Jahr Bus-Chauffeure in Dresden und Leipzig rekrutiert haben, erschliessen sie nun auch virtuell neue Räume.

Laut Jörg Buckmann, Leiter Personalmanagement, geht es darum, den Interessenten für einen Job bei den VBZ auch ein Bauchgefühl zu vermitteln. «Über die Bilder wollen wir Informationen und Emotionen transportieren.» So sollen jene Bewerber ihr Dossier einreichen, die sich fundiert mit der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt haben und sich aus Überzeugung dafür bewerben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2010, 23:10 Uhr

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2 Kommentare

Urs Brunner

09.06.2010, 10:16 Uhr
Melden

Super Idee, schliesslich ist einer der wichtigsten Faktoren, ob einem ein Job gefällt oder nicht, ob man sich mit dem Chef versteht. Ich hoffe das findet Nachahmer! Antworten


René Schellenberg

15.06.2010, 15:03 Uhr
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Das spricht mich auf jeden Fall mehr an als ein gedrucktes Stelleninserat! Und sehr sympathisch gemacht. Viel Erfolg auf diesem Weg. Antworten



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