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Wenn die Krippe plötzlich geschlossen bleibt

Von Monica Müller. Aktualisiert am 09.08.2011 37 Kommentare

Marika Jérome ist alleinerziehend und arbeitet Vollzeit. Weil die Krippe Nemo in Richterswil von einem Tag auf den anderen den Betrieb eingestellt hat, bangt sie nun um ihren Job.

«So habe ich denkbar schlechte Karten für Job-Verhandlungen»: Marika Jérome. (Bild: TA)

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Tipps für Eltern

Krippen müssen bisweilen auch in der Stadt Zürich kurzfristig schliessen. In den vergangenen fünf Jahren kam es dreimal vor, dass eine Krippe innert weniger Tagen den Betrieb einstellen musste, wie Thomas Meier vom Sozialdepartement der Stadt Zürich sagt. Er nennt vier Möglichkeiten, wie das Sozialdepartement und die Eltern auf eine solche Situation reagieren konnten und können.

Die Stadt bemüht sich darum, eine andere Trägerschaft zu finden, welche die Kita mit Liquiditätsschwierigkeiten übernimmt.

Die Eltern der Kinder übernehmen den Kita-Betrieb vorübergehend, um eine Notsituation zu vermeiden und um Zeit zu gewinnen für andere Lösungen.

Die Eltern versuchen, in einer anderen Kita einen Platz für ihr Kind zu finden. Dafür stehen die Chancen in der Stadt mit dem grossen Angebot besser als in einer kleineren Gemeinde mit nur wenigen Kitas, wie Meier betont. Zudem betreibt die Stadt Zürich eigene Krippen, die zur Überbrückung Plätze zur Verfügung stellen können. In einer solchen Situation können subventionierte Plätze, die eigentlich an eine bestimmte Krippe gebunden sind, in eine andere Krippe verlegt werden.

Die Anlaufstellen Kinderbetreuung in den Quartieren helfen Eltern vor Ort weiter. Sie kennen die lokalen Angebote und verfügen auch über Kontakte zu Tagesmüttern oder Babysittern. Das Angebot richtet sich an Eltern mit Kindern von 0 bis 12 Jahren. (mom)

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Augenfällig wurde das Problem schon im Juli. Mehrere Betreuerinnen der Krippe Nemo in Richterswil kündigten. Die Eltern wollten wissen, warum, und verlangten ein Gespräch mit der Inhaberin der Krippe. Die Aussprache brachte zutage, dass sich die Krippe in finanzieller Schieflage befand, aber mehrere potenzielle Käufer Interesse am Betrieb bekundeten. In Kürze wollte Inhaberin Karin Müller den Eltern die neuen Besitzer vorstellen. Doch statt mit einem Käufer erschien sie zum nächsten Treffen in Begleitung ihrer beiden kleinen Kinder und teilte mit: Noch gebe es keinen Käufer.

Kurz darauf, am Montag, 1. August, erhielten die Eltern ein Mail der Inhaberin. «Leider ist es nicht mehr möglich, in der Kinderkrippe Nemo eine professionelle und sichere Betreuung anbieten zu können», schrieb sie. Der Verkauf der Krippe sei zwar nach wie vor geplant und auf gutem Weg, doch ohne genügend Mitarbeiterinnen sei eine Aufrechterhaltung der Betreuung nicht mehr möglich. Marika Jérome, Mutter eines der 22 in der Krippe Nemo betreuten Kinder, stand von einem Tag auf den anderen ohne Betreuung da.

Rollende Planung

Die Französin ist erst im April nach Richterswil gezogen, weil sie hier einen Krippenplatz gefunden hatte. Sie ist alleinerziehend und arbeitet 100 Prozent, um sich und den zweijährigen Elliot durchzubringen. Ihre Stelle als Desktop-Publisherin in einem Medienunternehmen ist befristet. Und genau jetzt, wo sie ihr Engagement unter Beweis stellen sollte, muss sie unbezahlt freinehmen, um sich um Elliot zu kümmern. «So habe ich denkbar schlechte Karten für Job-Verhandlungen.»

Jérome plant rollend. An manchen Tagen betreut eine ehemalige Angestellte der Krippe Nemo ihren Sohn und zwei weitere Kinder. An anderen Tagen wird eine Mutter, deren Kind ebenfalls in der Krippe Nemo war, zu Elliot schauen. Beide entlöhnt Jérome im Stundenlohn. Das kommt teuer, zumal sie bei der Krippe bereits zwei Monate im Voraus und ein Depot einbezahlt hat. Die beiden Kindertagesstätten (Kitas) der Gemeinde machen bis Mitte August Sommerferien, eine weitere private Krippe gibt es nicht in Richterswil. Eine Krippe in einer anderen Seegemeinde kommt für Jérome nicht infrage. Elliot verbringt bereits zwei Tage die Woche in Bern bei seinem Vater, und sie möchte ihm nicht zumuten, noch mehr zu pendeln. Jérome: «Er braucht Stabilität.»

Nicht Sache der Gemeinde

Peter Theiler ist als Sozialvorsteher der Gemeinde Richterswil auch Präsident der Vormundschaftsbehörde, welche die privaten Krippen beaufsichtigt. «Unsere gesetzliche Aufgabe ist es, das Kindeswohl jederzeit zu gewährleisten», sagt er. Als sich bei einer Kontrolle vergangene Woche abzeichnete, dass ab Anfang August zu wenig qualifiziertes Betreuungspersonal in der Krippe Nemo arbeite, habe man der Inhaberin eine Frist gesetzt, um eine genügende Betreuung zu gewährleisten und die Eltern gegebenenfalls über die angedrohte Schliessung zu informieren. Da die Inhaberin die Krippe daraufhin freiwillig schloss, sei die Bewilligung bloss sistiert, was die Verkaufschancen nicht unnötig schmälere. Das Verhältnis der Krippe mit den Eltern sei rein privatrechtlicher Natur und nicht Sache der Gemeinde. «Die Sorge für die Kinder», so Theiler, «ist in erster Linie Aufgabe der Eltern.»

Kinderbetreuung: Rang 42

Renate Büchi ist Präsidentin der Gesellschafts-Kommission und zuständig für die beiden Kitas der Gemeinde Richterswil. Die 42 Plätze seien allesamt besetzt, die Warteliste lang. Wäre jetzt nicht Sommerpause, würde Büchi versuchen, der betroffenen Mutter als Überbrückung einen Notplatz zu schaffen. «Wir bemühen uns sehr, das Angebot der Gemeinde auszubauen und stehen im Vergleich mit anderen Gemeinden nicht schlecht da», sagt Büchi. Ihre Gemeinde belege punkto Kinderbetreuung Platz 42 auf der Hitliste der 159 aufgelisteten Gemeinden. «Gute Kinderbetreuung ist heute ein wichtiger Standortvorteil.» Büchi werde sich bemühen, nach der Sommerpause mit der Leiterin der Gemeindekrippe einen Platz für Elliot zu finden.

Die Chancen stehen auch für ein anderes Happy End gut. Die Krippe Nemo sei so gut wie verkauft, teilte Inhaberin Karin Müller am Freitag mit. Der Vertrag werde diese Woche unterschrieben, die Krippe öffne voraussichtlich wieder am 15. August. Sie bestätigte die knappen Finanzen und mehrere Abgänge, hielt aber fest, sie habe sich bemüht, zusammen mit den Mitarbeiterinnen kurzfristige Betreuungen zu organisieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.08.2011, 14:37 Uhr

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37 Kommentare

Kurt Benziger

08.08.2011, 15:42 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Heute wollen Frauen keinen Mann mehr, sie haben Kinder von Samenspendern. Bei der Erziehung muss natuerlich der Staat einspringen. Krippen haufenweise wie in Zurich, die von der Stadt Zurich subventioniert sind und die Muetter arbeiten. Kinder kriegen ist einfach, aber erziehen ist eine andere Sache. Bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie immer zu Hause war und der Vater ging arbeiten. Antworten


Müller Lars

08.08.2011, 16:21 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Die Schweiz liegt mitten in Europa, und doch leben einige hinter dem Mond. Ich habe Hochachtung vor jeder alleinerziehenden und berufstätigen Mutter! Antworten



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